zwerghaften Können ... Aber ich ermüde Sie mit diesen literarischen Miseren ... Lassen Sie uns von angenehmeren Dingen reden ... « Er gab dem Gespräch eine andere Wendung , er bemühte sich , die frühere Heiterkeit wiederzugewinnen . Allein es war vergeblich . Endlich erhob er sich und nahm Abschied . Sehr bald , so bald , als es ihm nur irgend möglich sei , wollte er mit seiner Frau wiederkehren , die er im voraus der Freundschaft und Güte Lottis empfahl . » Wie kommt er dir vor ? « sprach Gottfried zu Lotti , als sie wieder allein waren . Sie sah an ihm vorüber durch das Fenster und antwortete zögernd : » Wie dir . « » Schad um ihn . « » Ja , traurig . « Wenige Tage darauf schrieb Frau von Halwig an Lotti einen zierlichen kleinen Brief . Sie war im höchsten Grade ungeduldig , Fräulein Feßler kennenzulernen . Sie forderte ihren Anteil an der Freude , die ihrem Manne durch das Wiederfinden seiner Jugendfreundin beschert worden war . Es machte sie wirklich trostlos , dem Zug ihres Herzens nicht folgen und statt dieser in Eile hingeworfener und schlecht geschriebener Zeilen selbst bei Fräulein Feßler erscheinen zu können ; aber ein Unwohlsein und die Unerbittlichkeit des Arztes machten das unmöglich . Ja , wenn Fräulein Feßler großmütig sein und eine arme , an das Zimmer gefesselte Kranke mit ihrem Besuche beehren wollte , wie glücklich würde diese sein ... Auf ein solches unverdientes Entgegenkommen wagte freilich diejenige nicht zu hoffen , die sich mit herzlichster und wärmster Verehrung Lottis ergebenste Agathe Halwig nannte . Die Empfängerin dieses Schreibens las und las es wieder , und ein Gefühl von entzückter Beschämung bemächtigte sich ihrer . Es stieg ihr heiß in die Wangen , sie meinte plötzlich tief in der Schuld der jungen Frau zu stehen , deren sie bisher entweder gar nicht , oder wenn - ohne das geringste Wohlwollen gedacht und die ihr jetzt so liebenswürdig nahte , mit solcher Bescheidenheit , ja man konnte sagen , mit kindlicher Ehrfurcht ... Sie wollte sofort schriftlich antworten , besann sich aber eines andern . Nein , mit ihrer schwerfälligen und altmodischen Schrift dürfte sie nicht ausrücken , der Besitzerin der schönsten » grande anglaise « gegenüber , die Lotti jemals gesehen hatte . So beschloß sie denn , eine mündliche Antwort zu geben , und trat in das Vorzimmer , um dieselbe dem wartenden Boten aufzutragen . An der offenen Tür der Küche lehnte nachlässig , mit gekreuzten Armen und Beinen , ein Mittelding zwischen Groom und Lakai , ein untersetztes , glotzäugiges Bürschchen im grünen Leibrock mit gelben Wappenknöpfen , eine blanke , goldbetreßte Tellerkappe zwischen den Fingern . Von der Höhe seines herrlichen Selbstbewußtseins herab beobachtete er das Walten Agnesens in ihrem kleinen Bereiche . Er veränderte seine lümmelhafte Haltung nur wenig , als Lotti rasch und in großer , freudiger Aufregung auf ihn zukam und ihn bat , seiner Gebieterin zu melden , sie gedenke heute noch bei derselben vorzusprechen . » Heute nicht « , versetzte das Bürschchen und lächelte mit dem ganzen impertinenten Gesicht . » Morgen lassen die Frau Baronin bitten , morgen um ein Uhr . « » Morgen ? - Gut denn , morgen . « Es schien Lotti ein wenig befremdlich , daß die junge Frau , die nicht den Mut gehabt , sie um ihren Besuch zu bitten , doch mit Sicherheit auf ihn gerechnet haben sollte ; aber sie machte sich nicht lange darüber Gedanken . Sie kehrte wieder zu ihrem lieben , Auge und Herz gewinnenden Brief zurück . Da lag er , sorgfältig gefaltet in seinem schimmernden Kuvert , und duftete köstlich nach Ylang-Ylang . Von neuem erquickte sich Lotti an seinem Anblick . Nein , es gab nichts Gutes und Schönes , das man ihr nicht zutrauen müßte , die ihn geschrieben . Lotti drückte ihn an ihre Wange , hielt ihn zärtlich in ihren flachen Händen und legte ihn endlich in das Kästlein , in welchem sie ihre teuersten Erinnerungen bewahrte : das Miniaturbild ihrer Mutter , Andenken an den Vater , Briefe , die Gottfried aus der Fremde gesandt , die Eheringe ihrer Eltern , ihren eigenen Verlobungsring . Aber aus diesem Reliquienschreine zog sie ihn am nächsten Morgen wieder hervor , um ihn Gottfried mitzuteilen . » Lies ! « rief sie , als er erschien , und hielt ihm das Blatt entgegen . Er gehorchte , nachdem er zuerst nach der Unterschrift gesehen und ein verwundertes » Oho ! « ausgestoßen hatte . Seine Miene blieb ganz gleichgültig . » Hast geantwortet ? « fragte er , nachdem er zu Ende gekommen . » Natürlich ! Ich gehe zu ihr . « » Das ist beschlossen ? « Gottfrieds Ton klang mißbilligend , und er warf das Schreiben mit einer Gebärde voll Geringschätzung auf den Tisch . » Es ist beschlossen « , entgegnete Lotti ärgerlich . Er murmelte einige unverständliche Worte . » Was sagst du ? « » Nichts . - Wenn es schon beschlossen ist , nichts . « » Und der Brief gefällt dir nicht ? Freut dich nicht ? « » Mich freut nur die Freiherrnkrone auf dem Papier . Seit wann ist der Halwig baronisiert worden ? « » Gottfried ! « rief Lotti , » es ist deiner ganz unwürdig , so kleinlich zu sein . « » Ist das kleinlich ? « sagte er , nicht ohne einige Beschämung . » Ungeheuer ! So ungeheuer , als etwas Kleines nur irgend sein kann . « Er lachte und war wieder der gute , liebe Gottfried , der » beste Mensch « . Er konnte übrigens nur einige Augenblicke verweilen , es gab sehr viel zu tun . Das neuerrichtete Geschäft ließ sich vortrefflich an , und doch wollte er nicht so ganz Kaufmann werden , daß er am Ende seine Uhrmacherei darüber vernachlässigte . Fortschritte meinte er freilich