ist es nett von euch , daß ihr mal wieder da seid . Ne , böse bin ich dir gerade nicht ; denn Fritz und deine Schwester und Fräulein Irene wissen es , daß man auf keinen gern wartet , auf den man nicht jeden Morgen nach der Witterung ausguckt . « » Sehr schön gesagt ! « brummt Ewald , jetzt wirklich sich abseits und unter einen etwas entfernten Stachelbeerbusch wälzend . » Gute Nacht , alle miteinander ! Wenn wieder mal was Interessantes vorkommt , so weckt mich freundlichst . In Gehörweite für euren Unsinn bleibe ich euch zu liebe . Na , das Blech ! « Die Sonne liegt auf allen Bäumen des Grasgartens des Steinhofes ; aber die Vögel in den Bäumen haben bereits ihre Siesta beendigt und fangen von neuem an , munter zu werden , um den trotz seiner Länge so kurzen schönen Tag so vergnügt und glücklich als möglich auszunutzen - gerade wie wir . Die Komtesse sitzt wieder aufrecht und sehr helläugig da . Ihre Augen glänzen vor mädchenhaft lustiger Mutwilligkeit , als sie sagt : » Hört nur , er schnarcht schon , der Unmensch ! Jetzt sind wir unter uns . Rückt alle zusammen ; - und nun sagen Sie , Vetter Just - es hört keiner zu als ich und Eva , Fritz und die Spatzen im Baum , und wir meinen es alle ganz ernst - , haben Sie es hübsch weitergebracht , seit wir zum letztenmal hier auf Besuch waren ? « Mit seinem tölpischsten Lächeln sieht der Vetter in die Ferne : » Wieso soll ich es denn weiterbringen , wenn ich nicht mal weiß worin ? « » Ach , verstellen Sie sich nur nicht , Vetter ! Bitte , sehen Sie nicht so dumm aus ! Damit machen Sie anderen Leuten was weis , aber uns nicht . Sie studieren sich immer weiter hinein bis zum Klügsten von uns allen , und das sind Sie auch von Natur schon lange ; und nun werden Sie nur nicht rot , denn das nützt Ihnen noch viel weniger als das Dummaussehen . Sie studieren ja alles rundum verrückt , sagt Jule Grote ; - sich selber - sie - den ganzen Steinhof . Und wo das enden will , weiß sie nicht , sagt sie . « » Es ist auch nur Ewalds Neid , weil er für das , was einem anderen soviel Vergnügen macht , soviel Prügel von seinen Herren Lehrern gekriegt hat « , meint Evchen Sixtus schüchtern , und : » Unsinniges Volk ! « klingt es von dem Stachelbeerbusch faul und schlaftrunken her . » Ja , es ist ein Spaß ! « sagt der lange , im nächsten Jahre mündige Vetter Just Everstein und verzieht den Mund wie ein ausgelachtes Kind , und - heute weiß ich genauer als damals , was das Auslachen und Ausgelachtwerden unter den Menschen bedeutet seit den Tagen des Urvaters Noah . Ich lache viel seltener als damals aus eigenem Antrieb , und noch viel seltener lache ich mit . Damals lachte ich mit , und zwar in die grinsende Bemerkung von dem Stachelbeerbusche her : » Hu , der alte Bröder ! Schlag ihn doch mit unserem Zumpt auf den Kopf , Fritze ! Uh ; na , mein Junge soll ' s besser haben als ich . « Wir achten , was unsere Unterhaltung unter dem Kirschbaum anbetrifft , von jetzt an nicht im mindesten mehr auf die Stimme vom Stachelbeerbusch her . » Es ist die lateinische Grammatik gar nicht « , stottert der Vetter . » Sondern deines Großvaters ganzer Bücherschrank , den du mit dem Steinhofe von deinem Vater geerbt hast , Just . Funkes Naturgeschichte , Blancs Geographie , der ganze Schiller , Goethes Götz von Berlichingen und Werthers Leiden , Engels Philosoph für die Welt , Nathan der Weise , Minna von Barnhelm , Emilia Galotti , das Mildheimische Not- und Hülfsbuch , das Mildheimische Liederbuch , Beckers Weltgeschichte und die Geschichte von dem Schweizer Schullehrer Pestalozzi - « » Hat der Kerl auch ein Buch geschrieben ? « fragt der Stachelbeerbusch . » Bist jetzt habe ich gemeint , daß der nur den General Wallenstein nicht mit ermordet hat . « » Ach , das war ja ein ganz anderer ! « ruft Eva Sixtus noch einmal gutmütig , und : » Halt endlich deinen Mund , Sixtus ! « rufe ich auch noch einmal , aber gutmütig gerade nicht , und : » Wer spricht denn eigentlich mit euch ? « klingt es unverschämt zurück . » Nicht einmal träumen darf man wohl mehr von euch verrücktem Volk ? Natürlich , der Herr Vetter darf ruhig am hellen , lichten Tage nachtwandeln gehen , ohne daß es einem anderen auffällt als höchstens der Jungfer Jule . Schön also - und noch einmal gute Nacht ! « Er trifft mit seinen nichtsnutzigen Redensarten dann und wann sonderbarerweise den Nagel auf den Kopf , der gute Freund unter dem Stachelbeerbusch . Wir betrachten uns alle von neuem den Vetter Just Everstein unter seinem Kirschbaum und sehen ihn uns auf das Wort von dem Nachtwandeln hin an . Er läßt die Knie fahren , reibt sich die langen Beine eine Weile sehr nachdenklich , windet sich sozusagen an sich selber langsam und mühselig in die Höhe , hat mich dabei , ohne daß ich den geringsten Widerstand zu leisten imstande bin , mit emporgezogen und sagt : » Komm du mal mit , Fritz . Ihr anderen könnt uns rufen , wenn der Kaffee fertig ist . « Er hält mich mit eisernem Griffe am Oberarm , tritt über den Kameraden unter dem Stachelbeerbusche weitbeinig hinweg und nimmt mich mit sich , und ich weiß schon wohin ; denn es ist nicht das erstemal , daß er mich in dieser oder doch einer ganz ähnlichen Weise abseits führt . Und ich weiß auch schon wozu ; denn es ist