daß Robert nicht umzustimmen war , aber er verbarg die Enttäuschung und half über alle entstehenden kleinen Verlegenheiten beim Bau so gut wie möglich hinweg . Man konnte jetzt das zukünftige Schiff schon ganz deutlich erkennen . Da traf es sich , daß Robert an einem Sonntag ausgeschickt wurde , um in einem ziemlich entfernten Dorf Arbeit abzuliefern , und als er zurückkam , sah er die Mutter bitterlich weinend am Herd sitzen . Nichts Gutes ahnend , fragte er sie nach dem Grund ihrer Tränen . » Geh fort « , flüsterte ängstlich die alte Frau , » laß dich beim Vater nicht sehen . Er ist furchtbar erzürnt . « Der Junge wurde rot vor Aufregung . » Hat er mein Schiff gefunden , Mutter ? « stammelte er . Die Alte nickte unter ihrer vorgehaltenen Schürze . » Ja ! - Ach ja ! « Robert flog zum Heuboden . Alles fort , das Buch , das Gerät , die Hobelbank , die er sich mit Georgs Hilfe selbst gebaut hatte , und vor allem sein geliebtes halbfertiges Schiffchen , der beste Schatz , den er besaß . Wo mochte es der Vater gelassen haben ? Dieser Gedanke nahm ihm den Atem . Wenn das Schiff - sein » Blitz « - zerstört wäre ! Er sprang wieder in den Hof hinab und stürmte an der weinenden Mutter vorüber in das Wohnzimmer . Da jetzt alles entdeckt war , konnte ihm ja weder Zögern noch Leugnen helfen . Der Alte stand kerzengerade mitten in dem kleinen Raum , und neben ihm auf dem Tisch lag ein schlankes , eben erst aus der Haselnußhecke geschnittenes Stöckchen . Roberts ganze Einrichtung mit allem , was dazu gehörte , stand und lag auf dem Fußboden . Der alte Schneidermeister sah aus wie ein Toter . Seine und seines Sohnes Augen begegneten sich in einem festen , langen Blick . Der Starrsinn und die unbeugsame Art des Vaters fanden ihren Widerhall in dem Jungen , der blaß aber unbeirrt vor dem erzürnten Mann stehen blieb . Minutenlang herrschte drückendes Schweigen , das nur durch die leisen , bittenden Worte der Mutter zuweilen unterbrochen wurde , dann aber streckte der Meister die Hand aus . » Wem gehört das da ? « fragte er , auf Roberts Schiff deutend . » Mir , Vater , und ich will es auch behalten . « » Still . Von wem hast du das Buch und das Gerät bekommen ? « Robert hatte sich auf diese Frage bereits vorbereitet . Die Lüge flößte ihm ja schon längst keinen Widerwillen mehr ein . » Von Georg « , erwiderte er ruhig . » Das ist nicht wahr ! « brauste der Alte auf . » Solch ein Bettelbube , den der Seiler , nur weil es ihm so schlecht geht , überhaupt in Arbeit behält , der kann nichts verschenken . Antworte , woher du es hast . « » Von Georg . Und willst du mir nicht glauben , so laß es , darum kümmere ich mich nicht . « Der Schneider stutzte und ließ die Hand sinken . » Ich glaube , daß du die Wahrheit sprichst « , sagte er nach einer Pause , » denn so dreist lügen könnte mein Sohn nicht . Ich wenigstens habe es , solange ich lebe , nicht gekonnt . « Robert ertrug mit äußerer Ruhe den Blick , der diese Worte seines Vaters begleitete . In ihm stürmte es , aber der Trotz hielt jede Rührung in Schranken . Er schwieg , ohne sich von der Stelle zu bewegen . » Wer hat dir die Spielerei erlaubt ? « fuhr Meister Kroll fort . » Du wußtest , welches Unrecht du begingst , sonst würdest du aus der Sache kein Geheimnis gemacht haben . Du wolltest deinen Vater betrügen , nicht wahr ? « » Ich wollte dir das Schiff nicht zeigen . Wenn du darin einen Betrug erkennst , so kann ich es nicht ändern . « Der Alte nickte . » Ich weiß nun genug « , sagte er kalt . » Trag das Ding in die Küche , alles , auch das Buch . « » Vater ! « - - » Gehorche ! « rief rot vor Zorn der Alte . » Willst du deinem Vater den Gehorsam verweigern ? « In diesem Augenblick erschien die Mutter . Ohne ein Wort zu sagen , ergriff sie die verschiedenen Gegenstände und trug sie hinaus auf den Herd . Robert sah ihr zu , unfähig , jetzt einen Entschluß zu fassen . Sollte er das Äußerste tun , um seiner Mutter das geliebte kleine Schiff zu entreißen ? - Er konnte es nicht , aber er folgte wie im Traum der alten Frau und sah mit starrem Blick auf den gefährdeten Schatz . Der Vater wollte ihn vernichten , das war sicher . Und wirklich betrat Meister Kroll die Küche . Er handelte keineswegs im Zorn , sondern wohlüberlegt und mit größter Ruhe ; er machte aus der ganzen Sache ein förmliches Strafgericht . Zuerst warf er das Buch in die Flammen , und dann ergriff er das Beil und das Schiffchen . Robert stieß einen lauten Schrei aus . » Vater , Vater , ich bitte dich « , rief er , außerstande , noch in diesem verhängnisvollen Augenblick zu schweigen , » ich bitte dich , laß mir das Schiff . Es ist meine einzige Freude . « Der Alte schüttelte den Kopf . » Gerade darum « , entgegnete er nachdrücklich . » Liebtest du dein Fach , und wärest du ein fleißiger , gehorsamer Lehrjunge , so würde ich dir gern für deine Freistunden eine harmlose Spielerei erlauben . Hier aber handelt es sich um viel Ernsteres , und die Strafe soll so tief treffen , daß du sie nie wieder vergißt . « Er hob die schwere Axt - es war dem Jungen , als würde er selbst getroffen