er schien zu warten , daß sie sich von selbst in Bewegung setze und das Schreiben beende , das an eine angebetete Wilhelmine gerichtet war und von Liebe , von einem feindlichen Geschicke , von Selbstverleugnung und Vertrauen sprach . Aber die Feder , deren gequälter Bart sich schon jämmerlich sträubte , wollte ihm den Gefallen nicht tun . Sie benahm sich im Gegenteil so widerspenstig , daß er sich bequemen mußte , sie neu zu schneiden . Von dieser Beschäftigung weg warf er wohlgefällige Blicke im Zimmer umher . Es war mit allerlei Kram überladen , und hingen nicht die zwei Gewehre , der Hirschfänger und die Saunadel an der Wand , man könnte glauben , anstatt im Zimmer eines jungen Jägers in dem einer alten Kammerjungfer zu sein . Dazu fehlen weder die Gitarre an blauem Bande noch die Schattenrisse und Neujahrsbildchen in goldpapiernen Rähmchen noch so mancher andre geschmacklose Tand aus Wachs und Porzellan . Die Feder war geschnitten , und so gut oder übel , als es ging , wurde der Brief fortgesetzt . Ein elastischer und energischer Schritt , der sich auf der Treppe vernehmen ließ , störte den Jäger auf das angenehmste in seiner verdrießlichen Tätigkeit . Rasch warf er den angefangenen Brief in die Tischlade , sprang auf und begrüßte das hochgewachsene Weib , das jetzt über die Schwelle trat , mit den jubelnden Worten : » Das hätt ich mir nicht getraut zu hoffen , daß du heut wiederkommst ! « » Freu dich nicht « , antwortete Bozena , und er erschrak über das düstere Feuer , das aus ihren Augen leuchtete , und über die Abscheu verratende Bewegung , mit der sie ihn von sich wies . Zwei Schritte , und sie stand am Tische , legte ein seidenes Tuch , ein Gebetbuch und einen Ring darauf und sagte : » Ich komm nur , dir die Sachen zurückzubringen , die du mir geschenkt hast . Es ist aus zwischen uns . Ich geh . « Was ist der durch den Kopf gefahren ? dachte Bernhard , nahm eine gleichgültige Miene an und fragte : » Du gehst ? - und warum ? - und wohin ? « Sie zuckte schweigend die Achseln ; er ertrug den eiskalten Blick nicht , den sie auf ihm ruhen ließ , und wendete sich ab . Ärger und Verdruß erfüllten ihn . Sie ist ihm hinter irgendeine Liebelei gekommen , gewiß ; deshalb zürnt sie und droht , ihn zu verlassen . Daß sie es wirklich tun könnte , das fällt ihm nicht im Traum ein . Eher löscht die Sonne aus als ihre Liebe zu ihm , eher verliert er den Glauben an sich selbst als den an ihre Treue . Nur Vorsicht jetzt , nur unbefangen bleiben ! - Am besten ist , er fängt sie in ihrem eigenen Netz . » Warte ! « ruft er ihr zu , » so kommst du mir nicht fort . Wer bringt , muß nehmen . Nimm auch du alles zurück , was du mir geschenkt hast . « Er trat an seine Schublade und wollte sie öffnen , da erinnerte er sich des Briefes an die » angebetete Wilhelmine « , der darin lag und dessen in großen Lettern prangende Aufschrift dem scharfen Auge Bozenas schwerlich entgangen wäre . Er errötete und ließ den schon ausgestreckten Arm sinken . » Behalt ' s « , sagte sie , » ich werde keinen Liebsten mehr haben , dem ich es schenken könnt ! « Wie seltsam hart klang ihre Stimme , welche Entschlossenheit sprach aus ihrem Ton und welche wehmütige Trauer aus ihrem Gesicht , aus ihrer Haltung und ihrem ganzen Wesen ! Kann man zugleich so stark sein und so weich , die Seele eines Helden besitzen und das Herz eines Weibes ? Den Schwachen , der geherrscht hatte über soviel Kraft , erfaßte zum erstenmal ein Bangen , daß diese sich gegen ihn erheben könnte . Und als er Bozena stumm und gelassen dem Ausgange zuschreiten sah , rief er ihr zu : » Bleib ! ... Was hast du nur ? ... Was hab ich dir denn getan ? « » Nichts « , erwiderte sie . » Laß mich , ich hab Eile . « » Du bleibst ! - ich will ' s - - ich bitte dich ! « Er folgte ihr , umschlang sie und drückte sie heftig an sich . Er sah , wie sie erbebte und unsäglich litt , aber die Zärtlichkeit der Selbstsüchtigen ist der Grausamkeit verwandt . Stumpf gegen Bozenas widerstrebende Empfindung , drückte er Kuß um Kuß auf ihre Lippen und flüsterte : » Ich hab dich lieb ! ... Bleib bei mir , Bozena ! ... Warum willst du nicht ? « Sie entrang sich seiner Umarmung ; ihre Wangen flammten , und ihr Atem flog . » Verstehst nicht ? « sagte sie , » es ist aus . Ich bin jetzt von dir los und für immer , denn ich hab die Stunde verflucht , wo ich zum ersten und letzten Mal durch dich glücklich war . « » Verflucht ? ! « Durch Mark und Bein drang ihm dieses Wort , es verletzte ihn in seiner Manneseitelkeit ; er stieß einen Schrei echten Schmerzes aus , und als sie den vernahm , da wußte sie , daß ihr Herz doch nicht so ganz für ihn gestorben war . Eine sanfte Regung erwachte in ihr , ein bleicher Schimmer ihres einstigen Gefühls . Und sosehr sie ' s drängt : nur fort ! nur fort - hinweg ! - stumm , wie sie gewollt , kann sie doch nicht von ihm gehen . Sie faßte ihn beim Arme , und indem sie den Nacken niederbeugte , um ihm in das trotzig gesenkte Angesicht zu sehen , sprach sie gedämpft und rasch : » Du hast mich gehabt mit jedem Gedanken in meinem Hirn und mit jedem Hauch in