immer beseitigt . Siegte Theoderich , nun , so war ein Anmaßer , den man zu Byzanz niemals anerkannt hatte , gestürztund , gestraft . und da Theoderich im Namen und Auftrag des Kaisers siegen und als Statthalter herrschen sollte , durch eine ruhmvolle Eroberung das Abendland wieder mit dem Ostreich vereinigt . Aber der Ausgang des feinen Planes war doch nicht der erwünschte . Denn als Theoderich gesiegt und sein Reich in Italien gegründet hatte , entfaltete sich alsbald die ganze Großartigkeit seines Geistes und erwarb ihm eine Stellung , in der , bei aller Höflichkeit in den Formen , doch jede Abhängigkeit von Byzanz völlig verschwand . Nur wo es ihm diente , so , um die Abneigung der Italier zu schwächen , berief er sich formell auf jenen Auftrag des Kaisers : in Wahrheit aber herrschte er auch über die Italier wie über seine Goten nicht als Statthalter und im Namen des Byzantiners , sondern kraft eignen Rechts , kraft seines Sieges , als » König der Goten und Italier . « Dies führte natürlich zu Mißhelligkeiten mit dem Kaiser , die wiederholt in offnen Krieg zwischen den beiden Reichen aufloderten . Es war also kein Zweifel , daß man zu Byzanz sehr bereit war , dem Seufzen Italiens nach Abwerfung des Barbarenjoches ein Ende zu bringen , so wie man sich stark genug fühlte . Und die Goten hatten keine Bundesgenossen gegen diese innern und äußern Feinde . Denn Theoderichs Ruhm und Ansehen und seine Politik der Verschwägerung mit allen Germanenfürsten hatten ihm doch nur eine Art moralischen Protektorats , keine sichre Verstärkung seiner Macht verschaffen können . Es fehlte dem Gotenreich , das eine geniale Persönlichkeit allzuverwegen und vertrausam mitten in das Herz der römischen Bildungswelt gepflanzt hatte , der unmittelbare Zusammenhang mit noch nicht romanisierten Volkskräften , es fehlte der Nachschub an frischen germanischen Elementen , der das gleichzeitig entstehende Reich der Franken immer wieder verjüngt und wenigstens dessen nordöstliche Teile vor der mit der Romanisierung verbundenen Fäulnis bewahrt hatte , während die kleine gotische Insel , auf allen Seiten von den feindlichen Wellen des römischen Lebens umspült und benagt , diesen gegenüber von Jahr zu Jahr zusammenschmolz . Solange Theoderich , der gewaltige Schöpfer dieses gewagten Werkes lebte , blendete der Glanz seines Namens über die Gefahren und Blößen seiner Schöpfung . Aber mit Recht zitterte man vor dem Augenblick , da das Steuer dieses gefährdeten Schiffes in die Hand eines Weibes oder eines kranken Jünglings übergehen sollte : Aufstände der Italier , Einmischung des Kaisers , Abfall der unterworfenen , Angriffe der feindlichen Barbarenstämme waren zu besorgen . Wenn der gefährliche Augenblick gleichwohl ruhig vorüberging , so war dies vor allem der unermüdlich eifrigen und vorsorglichen Tätigkeit zu danken , die Cassiodor , des Königs Freund und langbewährter Minister , schon seit Wochen entfaltet hatte und jetzt , nach dem Tode Theoderichs , verdoppelte . Um die Italier in Ruhe zu erhalten , ward sofort ein Manifest erlassen , das die Thronbesteigung Athalarichs , unter Vormundschaft seiner Mutter , als eine bereits vollendete und in aller Ruhe vollzogene Tatsache Italien und den Provinzen verkündete . Sofort auch wurden in alle Teile des Reiches Beamte entsendet , die den Huldigungseid der Bevölkerung entgegennehmen , aber auch im Namen des jungen Königs eidlich geloben sollten , daß die neue Regierung alle Rechte und Freiheiten der Italier und Provinzialen achten und in allen Stücken die Milde , ja Vorliebe des großen Toten für seine römischen Untertanen zum Muster nehmen werde . Gleichzeitig wurde aber auch dafür gesorgt , daß eine Furcht gebietende Entfaltung der gotischen Heeresmacht an den Grenzen und in den wichtigsten oder unruhigsten Städten des Reiches äußeren und inneren Gegnern die Lust zu Feindseligkeiten vertreibe , während mit dem Kaiserhof das gute Vernehmen durch Gesandtschaften und Briefe sehr verbindlicher Haltung befestigt oder erneuert wurde . Zweites Kapitel . Neben Cassiodor war es nun aber vor allen ein Mann , der in jenen Tagen des Übergangs eine bedeutende und , wie es der Regentschaft schien , hochverdienstliche Rolle spielte . Das war kein andrer als Cethegus . Er hatte das wichtige Amt eines Stadtpräfekten von Rom übernommen . Er war , sowie der König die Augen geschlossen , spornstreichs aus dem Palast und den Toren von Ravenna nach der ihm anvertrauten Tiberstadt geeilt und dort vor aller Kunde des Geschehenen eingetroffen . Sofort , noch eh ' der Tag angebrochen , hatte er die Senatoren in dem » Senatus , « d.h. dem geschlossenen Hallenbau Domitians nahe dem Janus Geminus , rechtsab vom Severusbogen , versammelt , darauf das Gebäude mit gotischen Truppen umstellt , die überraschten Senatoren - von denen er gar manchen erst neuerlich in den Katakomben gesehen und zur Vertreibung der Barbaren angefeuert hatte - von dem bereits vollzognen Thronwechsel benachrichtigt und ( nicht ohne einige auf die von dem Saal aus deutlich sichtbaren Speere der Gotentausendschaft gelinde hinweisende Worte ) mit einer keinen Widerspruch duldenden Raschheit für Athalarich in Eid und Pflicht genommen . Dann verließ er den » Senatus , « wo er die Väter eingeschlossen hielt , bis er in dem flawischen Amphitheater , wohin er eine Volksversammlung der Römer berufen , diese unter Beiziehung der starken gotischen Besatzung abgehalten und die leicht beweglichen » Quiriten « durch eine meisterhafte Rede für den jungen König begeistert hatte . Er zählte die Wohltaten Theoderichs auf , verhieß gleiche Milde von dessen Enkel , der übrigens bereits von ganz Italien , den Provinzen und den Vätern dieser Stadt anerkannt sei , meldete eine allgemeine Speisung des römischen Volkes mit Brot und Wein als den ersten Regierungsakt Amalaswinthens an und schloß mit der Verkündung siebentägiger Zirkusspiele - Wettfahrten mit einundzwanzig spanischen Viergespannen - mit welchen er selbst die Thronbesteigung Athalarichs und den Antritt seiner Präfektur feiern werde . Da erhob tausendstimmiges Jubelgeschrei die Namen der Regentin und ihres Sohnes , aber noch lauter den Namen Cethegus , das Volk verlief sich in heller Freude , die eingesperrten Senatoren wurden nunmehr entlassen