treuen Gesichte des unvergeßlichen Vaters vor ihr stehen sah und der sie mit den tiefblauen Augen so wehmutsvoll anblickte , dann war alles wieder vergessen , was zu einer Predigt hätte werden können . So wie er da war , war er ihr dann recht , und sie konnte nichts mehr , als ihn dem Schutze des lieben Gottes anbefehlen . Er , der ihren liebsten Wunsch noch so gnädig erfüllte , da sie selbst nicht einmal mehr zu hoffen wagte , erhörte wohl auch noch ihre anderen Gebete für seine Zukunft , welche sich nun immer mehr von ihrer , der der armen , strafbaren Sünderin , loszulösen begann . Mit einem wunderbaren Lächeln , in welchem sich Hoffnung und Sorge , Freude und Schmerz gleichzeitig widerzuspiegeln schienen , trug sie in den beiden Feiertagen weit Besseres als gewöhnlich auf das wackelige Tischchen im Herrgottswinkel . Oh , es war ein Opfer der Entsagung , wie nur Mütter es zu bringen vermögen , wenn sie so mit allem , was sie so für die nächste Zeit hatte , vor dem kleinen , ärmlichen Hausaltar neben dem Kruzifix des Sohnes glückliche Zukunft im voraus schon feiern wollte , seine Auferstehung aus dem Grabe ihrer Sündenschuld . Nur der , den die frommgläubige Mutter vom Kreuz auf sich herabblicken sah , konnte die Tränen wahrnehmen , die sie zu verbergen bemüht war , während sie ihm ihre Bitt- und Dankgebete zusendete . Bloß wenn Jos einmal aus der Stube ging , ließ sie ihren Empfindungen freien Lauf . Dann betete sie laut : » O du grundgütiger Gott und Heiland , wie hast du es doch so gut und recht gemacht ! Hilf ihm nur auch ferner , immer , und laß dafür mich um so übler dran sein ; mich , die doch nichts anderes will und zu nichts anderem da ist , als dem sich zu opfern , für den zu tragen , der nur durch ihre Sünde auf der Welt und unglücklich ist . Er muß fort , darf nicht länger unter der Last meines Kreuzes bleiben . Dann hat er aber niemand mehr zu Rat und Schutz als dich . Du wirst ihn doch nie verlassen - gewiß nicht ! « Das Zusammenpacken machte den beiden viel länger zu tun , als man hätte glauben können , wenn man sah , um wie wenig es sich dabei zu kümmern gab . Aber die Mutter hatte eben um so eher Zeit , das wenige sorgfältig zu mustern , wobei sie dann soviel zu richten und auszubessern fand , daß sie die halbe Nacht ihre Nadel nicht mehr aus der Hand brachte . Türen und Fensterläden wurden , wie es für ähnliche Fälle vom Pfarrer strenge befohlen war , sorgfältig geschlossen , damit kein Mensch durch solche Entheiligung der hohen Festzeit geärgert werde , wenn etwa ein verspäteter Wirtshausgast hart vor der niedrigen Stube vorbeigehen sollte . Auch Jos nahm noch einmal seine Nadel zur Hand und dachte mit schmerzlichem Behagen , wie schwer ihm die Anschaffung dieses und jenes Kleidungsstückes geworden sei . Dann lebte er sich ganz in den Tag hinein , an dem er es das erstemal trug . Waren doch solche Tage seine einzigen Festtage , wie wenig man ihn auch eitel auf ein hübsches Kleidungsstück nennen konnte . Dann dachte er wieder daran , wie rasch der Hans einen ganzen Kronentaler nur für Eierschalen hergeben wollte . Dabei schien ihn etwas wie ein Windzug aus dem großen , vollen Hause da drüben so stark anzuwehen , daß ihn beim Anblick seiner abgetragenen Kleider ordentlich zu frösteln begann . Der Scharfblick der liebenden Mutter wäre gar nicht notwendig gewesen , um das zu bemerken . Wenn er wieder ein Kleidungsstück brachte , sprach er es deutlich genug aus , daß er das so durchaus nicht tragen dürfe , während er früher über ähnliche von ihr ausgesprochene Besorgnisse nur gelacht oder bitter bemerkt hatte , daß für Leute seiner Art auch das Schlechteste gut genug sei . Es tat dem guten Weibe tief im Herzen weh , ihn so unzufrieden zu sehen mit dem , wofür auch sie manches , manches Opfer gebracht hatte . » Es ist doch ein Elend , daß er auch gar nie maßzuhalten weiß « , klagte sie . » Früher hat er da das Röcklein trotzig selbst am Sonntag tragen wollen , und nun soll es auch für den Werktag nicht mehr gut genug sein . Am Ende wird er mir nun gar noch kritisch und hochmütig werden . « Diese Sorge wäre wohl den meisten recht überflüssig erschienen , wenn sie das ursprüngliche blaue , nun aber wie mit einem Register aller seit einem Schaltjahr gekauften Tuchgattungen überlegte Röcklein gesehen hätten , welches er beim Einpacken eine Bettlerfahne nannte . Aber ein klein wenig hochmütig und eitel war der Jos denn doch , seine Mutter betrog sich nur , wenn sie wähnte , daß das erst seit der Unterredung mit Hansen am Karsamstag so in ihn gefahren sei . Da war eigentlich gar nichts anders geworden , als daß Jos in der wehmütigen Stimmung dieser Stunden immer frei von der Brust weg reden mußte und daß der Mutter jetzt jedes seiner Worte zu sinnen gab . Der Stolz des Burschen auf seinen guten Kopf und seine geschickte Hand , mit dem er innerlich allen den vom Glück zart und warm Eingewickelten trotzte , wurde von ihr um so weniger bemerkt , da sie ihn , wenn auch ihr selbst unbewußt , immer geteilt hatte . Erst seit dem Karsamstage gingen Mutter und Sohn hierin etwas auseinander . Die erstere fand gerade jetzt , wo beinahe jedes seiner Worte eine ganz eigene Weichheit ausdrückte , soviel Gutes in ihm , daß sie für seine Zukunft viel unbesorgter blieb als er , der nicht ohne Herzklopfen an den Empfang auf dem Stighof zu denken vermochte und sich - wenigstens für den Anfang - so gern auch durch sein Äußeres ein wenig