ausbreiteten , lockte die Menge . Ich hielt mich fern von ihr , und lebte einzig meiner Gesundheit meinen Studien . Ich wohnte in dem Hause eines alten Rectors , mit dem ich bekannt geworden war und dessen Freundschaft ich cultivirte , weil er eine verhältnißmäßig große Bibliothek besaß und Bücher dazumal , und besonders in diesem Winkel nicht so leicht zu haben waren wie jetzt . Aber der alte Rector besaß außer seiner Bibliothek noch einen andern Schatz - eine wunderschöne Tochter . Die Tochter wurde mir bald interessanter , als die Bibliothek . Du hast mich gefragt , ob ich je geliebt mit aller Kraft der Seele . Wenn Du Eleonoren gekannt hättest und wüßtest , wie voll und mächtig damals mein Herz schlug - Du würdest nicht haben zu fragen brauchen . Es war ein Sommertag - ein paradiesisch schöner Sommertag . Wir waren nach Tische in den Wald gezogen - eine bunte Gesellschaft - jung und alt . Wir lagerten uns in dem Schatten der Tannen auf das schwellende Moos . Wir scherzten und lachten - ich auch , obgleich es mir gar nicht nach Scherz und Lachen zu Muthe war . Wie mein Auge an ihrer reizenden Gestalt hing , während sie in der Gesellschaft mit schalkhafter Anmuth die Honneurs machte ; wie mein Ohr den Ton ihrer silberklaren süßen Stimme trank ! Es war das alte Sirenenlied , das schon vor tausend und tausend Jahren erklungen ist , und nach tausend und tausend Jahren noch immer erklingen wird - bis die Zeit erfüllet ist . Nach dem Kaffee schweiften wir durch den Wald ; gruppenweis , paarweis , wie der Zufall und die Laune es wollten . Ich war Eleonoren gefolgt , die sich einen Strauß von Waldblumen pflückte - ich half ihr , obgleich ich nicht viel von dergleichen verstand und wegen meiner Wahl von dem neckischen Mädchen ausgelacht wurde . Aber sie wurde stiller und stiller , je tiefer wir in den Wald geriethen und je weiter wir uns von den Andern entfernten . Je stiller und ängstlicher sie wurde , desto lebhafter und kühner wurde ich . Ihre Schweigsamkeit und ihre Röthe auf den Wangen verriethen mir , was ich im Stillen gewünscht , vom Himmel in heißen Gebeten erfleht und doch nicht zu hoffen gewagt hatte . Da traten wir heraus auf diese Lichtung . Dieselben Berge , die dort vor uns liegen , blauten herüber , und dieselbe Sonne , die dort vom Himmel blickt , goß ihr blendendes Licht verschwenderisch auf uns hernieder . Und das goldene Licht glänzte auf ihrem dunklen lockigen Haar und leuchtete auf ihren weißen runden Schultern - und hier auf dieser selben Stelle sind wir uns in die Arme gesunken und haben uns unter heißen Thränen ewige Liebe und Treue geschworen . Der Stumpf , auf dem ich hier sitze , war damals eine junge schlanke , kräftige Tanne , und ich war jung und schlank und voll übermüthiger Kraft . Der Baum ist umgehauen und in ' s Feuer geworfen ; ich - ich bin geworden , was ich bin . Berger schwieg und wühlte mit seinem Stabe in dem Moose zu seinen Füßen . Oswald schaute voll Ehrfurcht auf den unglücklichen Mann ; aber er wagte nicht , zu sprechen , ja nicht einmal Bergers herabhängende Hand zu ergreifen . Auf Bergers Gesicht lag eine hehre Ruhe ; keine Miene verrieth , was in diesem Augenblick in seinem Herzen vorging ; aber er sah nicht aus wie Einer , der Mitleid heischt und Mitleid erwartet . Nicht auf einmal , fuhr er plötzlich fort ; die Kraft in mir war groß und konnte nur allmälig gebrochen werden . - Ich sprach , als wir nach Hause gekommen waren , mit dem Alten ; er hatte mich lieb und freute sich von Herzen unsrer Liebe . Wenige Tage darauf ging ich auf die Universität zurück , um meine Studien , die der Krieg unterbrochen hatte , wieder aufzunehmen . Ich studirte mit einem eisernen Fleiß , denn mein Wissensdurst war nicht minder groß , als mein Wunsch , sobald als möglich in den Stand gesetzt zu werden , Eleonoren als meine Gattin heimführen zu können . Ich kam deshalb nur selten und nur auf kurze Zeit nach Fichtenau , um mich in Eleonorens Liebe zu sonnen und mit neuem Muth und neuen Kräften zu meinen Arbeiten zurückzukehren . Aber ich hatte noch eine andere Geliebte , die ich mit nicht geringer Schwärmerei anbetete - die Freiheit . Ich theilte diese Leidenschaft mit vielen andern edlen Jünglingen . Wir wollten unser Blut auf so viel Schlachtfeldern nicht umsonst vergossen haben ; wir wollten nicht , nachdem wir den einen Löwen glücklich gebändigt , so vielen Schakalen und Wölfen zur Beute fallen . Aber die Schakale waren auf ihrer Hut und die Wölfe brachen in unsre Hürde . Ich bekleidete seit einem Jahr ein kleines Schulamt in der Provinz ; ich hatte Alles zu meiner Hochzeit vorbereitet - der Termin war festgesetzt ; ich zählte die Tage und die Stunden , - da werde ich eines Nachts von Bewaffneten aus dem Bette geholt . Meine Papiere wurden versiegelt - und die nächste Nacht schlief ich in der Casematte einer Festung . Oder vielmehr : ich schlief nicht ; ich tobte , ich ras ' te , ich rang mir die Hände an den Gittern meines Käfigs blutig . Nach und nach tröstete ich mich mit der Hoffnung , daß diese Gefangenschaft nicht lange dauern könne , und Eleonore - nun ! sie würde dies bittre Loos ertragen wie eine Heldin . Ein zweiter Egmont sah ich die Freiheit und die Geliebte nur in einem Bilde . Durch Nacht zum Licht ! Durch Kampf zum Sieg ! Das war der Zauberspruch , mit dem ich das schlangenhaarige Scheusal Verzweiflung , wenn es sich an mich drängen und seine Tatzen in mein Herz schlagen wollte , zurückzuscheuchen suchte . Der Zauberspruch sollte Zeit haben , seine