auf halbem Wege entgegenkam ; mit allem , was ihr Herz verlangte , umgab er sie , und so war auch ihr Zimmer der Gegenstand des gerechten Neides mancher andern jungen Dame in der Stadt . Auf die beliebte Dekorationsmalerei wollen wir uns jedoch auch an dieser günstigen Stelle nicht einlassen ; wir beschränken uns darauf , mitzuteilen , daß Teppiche , Bilder , Gerätschaften , Vorhänge usw. in vollster Harmonie miteinander waren und daß alles wiederum in Harmonie mit dem lieblichen , nur ganz wenig verzogenen Wesen war , welches in diesem duftenden Raume atmete . Die erste Regel des guten Geschmacks : nirgends zuviel , nirgends zuwenig ! kam zur vollsten Geltung , in der Zimmerausstattung wie in der jungfräulichen Gestalt Helenes selbst . Zurückgelehnt in die Kissen eines Diwans in der Nähe der Tür , welche in den Salon führte , saß Fräulein Wienand , noch recht bleich und angegriffen aussehend , umgeben von einigen nähern Freunden . Die Gesellschaft hatte den Unfall vernommen und besprochen ; das junge Mädchen hatte dieselben Bedauerungsformeln , Glückwünsche mit den selbstverständlichen Variationen hundertfältig anhören und beantworten müssen ; jetzt waren die Kräfte des armen Kindes vollständig zu Ende ; es stützte das schmerzende Köpflein mit der weißen Hand , und der Sanitätsrat Pfingsten hatte auf Bitten des Bankiers mit ärgerlichem Gebrumm seine Karten - es waren sehr gute ! - einem andern Herrn gegeben und saß jetzt wieder in einem Lehnstuhl neben der Tochter des Hausherrn . Auf der andern Seite derselben saß im Diwan eine kleine hagere Dame , welche einmal den Fuß gebrochen und deshalb einen Krückstock neben sich hatte , in schwarze Seide gekleidet war und auf dem grauen Haar ein winzig kleines Mützchen trug . Sie hatte trotz ihres Alters ein sehr weißes Gesicht , merkwürdig beweglich und ausdrucksvoll ; ihre Augen waren schwarz und voll Leben und ausdrucksvoll wie ihre Züge . Diese kleine Dame war das Freifräulein von Poppen , eine Hausfreundin des Bankiers Wienand und eine Person , welche eine wichtige Rolle in dieser unwichtigen Geschichte spielt . Im folgenden Kapitel werden wir mehr über sie sagen , in dem vorliegenden lauscht sie , höchlichst interessiert , dem Bericht , welchen der Polizeirat Tröster , der jetzt in Frack und weißer Weste sehr nobel aussieht , über Robert Wolf und den Polizeischreiber Fiebiger gibt . Das Freifräulein kannte den Schreiber sehr genau - kannte mehr Menschen , als sonst die Leute ihres Standes kennen . Der Polizeirat , welcher ebenfalls vom Spieltisch abgerufen war , erzählte , was die hohe Polizei wußte , so kurz als möglich und mit manchem sehnsuchtsvollen Blicke nach der Tür . Mit einem Seufzer der Befriedigung ließ er sich von dem Freifräulein zum Whist zurückschicken . Juliane von Poppen schüttelte den Kopf , gleich allen andern Leuten , über die Idee des Schreibers ; aber sie schien dabei zugleich innerlich recht zu lachen . » Bitte , lieber Herr Doktor , erzählen Sie uns noch ein wenig von diesem wunderlichen Schreiber ! « bat Helene Wienand , und wenngleich das Freifräulein die Achseln zuckte , so tat sie doch mündlich keinen Einspruch , sondern setzte sich nur bequemer zurecht in den Kissen des Diwans mit einer Miene , welche deutlich sagte : Was kann der davon wissen ? Nun gut , ich will alles über mich ergehen lassen . Schwatzt zu . Der Sanitätsrat rieb in der Ermangelung eines Stockknopfes die Nase mit dem Knöchel des Zeigefingers und sagte : » Meine Damen , von allen Menschen , die mir auf meinem Lebenswege entgegengetreten sind , beneide ich diesen am meisten ! « » Weshalb ? « fragte das Freifräulein . » Er kennt die Menschen so gut wie ich ; aber - er ärgert sich nicht darüber wie ich « , knurrte Pfingsten . Er horchte nach dem Salon und schüttelte die Faust nach derselben Richtung : » Hören Sie , das war die Stimme des großen Kirchennachtlichts , des Konsistorialrats Krokisius . Sollten Sie es für möglich halten , daß dieser treffliche Herr vorhin gegen die Baronin Silberstein behauptete , Goethe habe durch die Weinszene in Auerbachs Keller jedenfalls , unbedingt und unter allen Umständen das Wunder der Hochzeit zu Kana verspotten wollen ? ! « » Sie wollten uns von dem alten Fiebiger erzählen , Doktor « , sagte das Freifräulein ; aber Pfingsten hielt horchend die Hand an das Ohr : » Das war das silberne Gelächter - mehr doch Britannia- oder Christoffelgelächter - unserer reizenden Witwe Everilde von Strippelmann . Die Dame ist doch der wahre Pirat und Flibustier des Ballsaals ! Wie sie mit aufgespannten Segeln einherstreicht ! Wie sie Breitseiten gibt ! Fräulein Helene , wenn Sie etwas lernen wollen , so studieren Sie die kecken Handstreiche weiblicher Koketterie an dieser - diesem reizenden Motiv . « » Kommen Sie auf den alten Fiebiger , Doktor ! « rief das Freifräulein , merklich bedeutungsvoll nach ihrem Handstock greifend . » Ich bitte Sie , Gnädigste , bin ich nicht dabei ? Die Gelegenheit ist günstig . Hier sitze ich im Winkel und horche auf das Wortgeplätscher dort hinter der Tür , kann auch , wenn es mir beliebt , einen Blick durch die Ritze in das Gewühl der weitärmeligen Pierrots und Harlekins , der schwarzbemäntelten Pantalons , der grämlichen Anstandsdamen , der allerliebsten flitterhaften Kolumbinen werfen . Ich ärgere mich darüber ; Fritze Fiebiger würde sich nicht darüber ärgern . Ich glaube , der Mann kann zu seinem Privatvergnügen den Staub im Sonnenstrahl in ein Universum der Narrheit verwandeln , weil ihm dieser Erdball mit allem , was daran hängt , noch nicht ausgiebig genug ist . « Das Freifräulein lächelte jetzt und nickte ; der Arzt sprach weiter : » Mir spiegelt sich die Welt am besten in einem Glase Rheinwein , dem andern strahlt sie am vorteilhaftesten aus einem schönen Auge , einem dritten aus einem klaren Waldquell ; Ihr Herr Neffe , Fräulein von Poppen , sieht sie