wollte reden und den Geliebten gegen diese Rohheit vertheidigen , aber Celtes bat sie zu schweigen und sich seinetwegen nicht mit dem Bruder zu erzürnen . » Es ist wahr , « sagte er zu diesem , » ich verehre Eure edle Schwester wie meine Muse und meine Herrin , aber nie habe ich meine Wünsche , noch meine Worte bis zu einem Ziel erhoben , das für mich aus doppelten Gründen unerreichbar ist . Ich kenne die veralteten Institutionen und den aufgeblasenen Dünkel dieser reichsstädtischen Geschlechter hinlänglich genug , um zu wissen , daß sie jede Bewerbung eines Mannes , der nicht zu ihnen gehört , und wenn er der Berühmteste der Welt wäre , für eine Beleidigung halten - und ich bin nicht der Mann , weder eine solche zu ertragen , noch eine Gnade von diesen hoffärtigen Bürgern hinzunehmen . Außerdem aber fühle ich , daß es dem Poeten , wenn er seine hohe Sendung ganz erfüllen will , nicht beschieden ist , einen häuslichen Herd zu gründen . Wie mein großer Lehrer Agricola werde ich nie eine Fessel tragen , weder die eines Amtes noch eines Weibes , und wenn auch arm und entsagend , doch reich und frei in meinem Berufe leben . Findet Ihr nach dieser Erklärung , daß eine so reine , geistige Gemeinschaft wie die meinige mit dieser edlen Jungfrau nicht bestehen kann , ohne ihrem Ruf zu schaden , so muß ich freilich darauf verzichten , denn das sei ferne , daß ihr durch mich ein Nachtheil erwachse . Dann aber Schande über die Lästermäuler und Splitterrichter dieser Stadt , die das Reine und Hohe verdammen , weil sie es nicht verstehen , das Gemeine und Unsittliche aber ruhig unter sich dulden . Die reinen , seligen Stunden , die mir das poetische Streben mit dieser keuschen Jungfrau gewährte , wagt man zu schmähen - wenn aber Eure achtbaren Ehemänner sich noch ein Zuweib halten , oder Eure edlen Rathsherren in die Frauenhäuser gehen und tausend Gemeinheiten in den Badstuben geschehen , so findet Ihr das ganz in der Ordnung . « Georg Behaim sah sich von dieser ruhigen Würde entwaffnet , er reichte Celtes die Hand und bat ihn mit ihm zu gehen . Man hörte andere Leute kommen , und Elisabeth , unfähig ein Wort zu sprechen , floh in ein anstoßendes Gemach , ohne noch Wort oder Blick für Celtes zu haben . Georg bemühte sich dem aufgebrachten Dichter das » ländlich-sittlich « auseinander zu setzen und es endlich wie eine Gnade von ihm zu erbitten , daß er seine Schwester meide . Celtes erklärte sich aus Stolz endlich bereit dazu . Als er sie nach einigen Wochen bei einem Feste wieder sah , näherte sie sich ihm , um ihm zu sagen , daß sie sich mit Herrn Christoph Scheurl verlobt habe . Celtes wünschte ihr , daß sie glücklich werden möge - sie lächelte verächtlich . Es waren Leute in der Nähe und sie konnten nicht unbemerkt zusammen sprechen . Bald darauf war Elisabeth ' s Hochzeit . Ihr Gatte war wohl zwanzig Jahr älter als sie selbst und von gewöhnlichem Aeußern , ja er hatte sogar etwas Abstoßendes darin . Man konnte kein ungleicheres Paar sehen , und Niemand begriff , warum Elisabeth eine so unpassende Wahl getroffen . Scheurl gehörte zu den stolzesten oder eitelsten Männern . Er war einer der reichsten Rathsherren , hatte sich das schönste Haus gebaut und wollte auch die schönste Frau haben - natürlich mußte er sich durch den Besitz Elisabeth ' s befriedigt fühlen , die ja ein Wink des Kaisers selbst öffentlich dazu erklärt hatte . Er spreizte sich in eitler Geckenhaftigkeit des älteren Mannes an ihrer Seite , und freute sich der Huldigungen , welche ihrer Schönheit und ihrem Geiste wurden , doppelt eitel darauf , daß die gefeierte Spröde , die so viele Bewerber ausgeschlagen , ihm so schnell ihre Hand gegeben . Celtes hatte zu Elisabeth ' s Hochzeit ihr ein Carmen gesendet , aber gesprochen hatte sie ihn seitdem nicht wieder . Und jetzt war er plötzlich bei ihr eingetreten , unangemeldet wie sonst in ihrem Elternhaus - jetzt war es , als versänken die Monate in ein Nichts , in denen sie sich nicht gesehen . Und über ein Jahr versank so - jetzt neigte sie sich wieder über ihn , wie damals mit dem Lorbeerkranz , da er sie zuerst erblickte . » O Elisabeth ! « rief er aus , » wie werd ' ich zu leben vermögen ohne meine Muse ? Nein , ich kann nicht fort von Euch , das Leben ist eine Wüste ohne Euch ! « Sie neigte ihre Lippen auf seine Stirn und sagte : » Dies sei mein Abschiedskuß - « Aber er sprang auf , umschlang sie heftig und sagte : » Nein , ich kann den Abschied nicht ertragen ! - O Elisabeth ! welch ' ein Götterleben war es , das wir führten ! Von da an , wo ich Euch erblickte , war ich an diese Stadt gefesselt ! der ich sonst immer unstät umhergeschweift , nirgend findend , was ich suchte - mir ward hier ein himmlisches Asyl ! Ewig wollte ich hier bleiben , ewig im Strahl Eurer Gunst mich sonnen . Ihr waret die Sonne , die alle Blüthen meines Geistes weckte - ohne Euch ist das Leben eine dumpfe kalte Nacht , in der alle Keime verderben ! « Willenlos , selbst wie eine gebrochene Blume , lag Elisabeth an seiner Brust und vermochte ihre Thränen nicht mehr zurückzuhalten . » Es hätte Euch ein Wort gekostet , und es war Alles anders ! « sagte sie . » Ihr hab ' t mich verstoßen ! « » Elisabeth ! « rief er und sah ihr prüfend in die überströmenden Augen , » ich gab nur den Vorstellungen und Bitten Eurer Familie nach um Euretwillen - alle meine sehnenden Empfindungen bezwang ich in heißen Kämpfen ,