in dieser Woche bei Ekkehard , dem Pörtner . Der Herzogin zu Ehren hatte er den vierundvierzigsten Psalm erkoren ; er trat auf und sprach einleitend : » Herr , öffne meine Lippen , auf daß mein Mund dein Lob verkünde « , und alle sprachen ' s ihm murmelnd nach , als Segen zu seiner Lesung . Nun erhub er seine Stimme und begann den Psalm , den die Schrift selber einen lieblichen Gesang nennet : » Es quillet mein Herz eine schöne Rede , ich will reden mein Gedicht dem Könige , meine Zunge sei der Griffel des Geschwindschreibers . Der Schönste bist du von den Söhnen des Menschen , Anmut ist gegossen über deine Lippen , denn Gott hat dich gesegnet ewig . Gürte um die Hüfte dein Schwert , du Held , deinen Ruhm und deinen Schmuck . Und geschmückt zeuch aus , ein Hort der Wahrheit , Milde und des Rechts . Ja , Wunder wird zeigen deine Rechte ! Deine Pfeile seien geschärft , Völker sollen unter dir stürzen , die im Herzen Feinde des Königs sind . Dein Thron vor Gott steht immer und ewig , ein gerechter Scepter ist der Scepter deines Reichs . Du liebest das Recht und hassest das Unrecht , drum hat dich Gott , dein Gott , gesalbt mit dem Öl der Freude , mehr denn alle Genossen ; Myrrhen , Aloe und Cassia duften all deine Kleider , aus elfenbeinernen Palästen erfreuen Saiten dich ... 69 « Die Herzogin schien die Huldigung zu verstehen ; als wenn sie selber mit den Worten des Psalms angeredet wäre , hefteten sich ihre Augen auf Ekkehard . Aber auch dem Abt war ' s nicht entgangen , da gab er ein Zeichen abzubrechen , und der Psalm blieb unbeendet , als sich männiglich zu Tisch setzte . Das aber konnte Herr Cralo nicht hindern , daß Frau Hadwig dem emsigen Vorleser befahl , an ihrer Seite Platz zu nehmen ; es war zwar der Rangstufung folgend der Sitz zu ihrer Linken dem alten Dekan Gozbert zugedacht , aber dem war ' s schon lang zumute , als käm ' er auf glühende Kohlen zu sitzen , denn er hatte mit Frau Hadwigs seligem Gemahl dereinst einen gröblichen Wortwechsel gepflogen , wie der dem Klosterschatz das unfreiwillige Kriegsanlehen auflegte , und war von damals auch der Herzogin giftig gestimmt , - kaum merkte er die Absicht , so drückte er sich vergnüglich seitwärts und schob den Pörtner auf den Dekanssitz . Neben Ekkehard kam der Herzogin Kämmerer Spazzo zu sitzen , dem zur Seite der Mönch Sindolt . Die Mahlzeit begann . Der Küchenmeister , wohl wissend , wie bei Ankunft fremder Gäste Erweiterung der schmalen Klosterkost gestattet sei , hatte es nicht beim üblichen Mus mit Hülsenfrüchten70 bewenden lassen . Auch der strenge Küchenzettel des seligen Abt Hartmuth ward nicht eingehalten . Wohl erschien zuerst ein dampfender Hirsebrei , auf daß , wer gewissenhaft bei der Regel71 bleiben wollte , sich daran ersättige ; aber Schüssel auf Schüssel folgte , bei mächtigem Hirschziemer fehlte der Bärenschinken nicht , sogar der Biber vom obern Fischteich hatte sein Leben lassen müssen ; Fasanen , Rebhühner , Turteltauben und des Vogelherds kleinere Ausbeute folgten , der Fische aber eine unendliche Auswahl , so daß schließlich ein jeglich Getier , watendes , fliegendes , schwimmendes und kriechendes , auf der Klostertafel seine Vertretung fand . Und mancher der Brüder kämpfte damals einen schweren Kampf in seines Gemütes Tiefe ; selbst Gozbert , der alte Dekan ... des Hirsebreis war er gesättigt und hatte mit mächtigem Stirnrunzeln des Hirsches Braten und des Bären Schinken weggeschoben , als wär ' s eine Versuchung des bösen Feindes : aber wie auch ein schön bräunlich gebraten Birkhuhn in seine Nähe gestellt ward , da schlug der Bratenduft träumerisch an seine Nase , mit dem Duft hielten die Geschichten seiner Jugend bei ihm Rückkehr : wie er selber vor vierzig Jahren dem Weidwerk oblag und in frühem Morgennebel dem balzenden Auerhahn nachstellte , und die Geschichte von des Försters Töchterlein , die ihm damals begegnet , und ... zweimal noch kämpfte er des Arms Bewegung zurück , das drittemal hielt ' s nimmer , des Birkhuhns Hälfte lag vor ihm und ward in Eile verzehrt . Der Kämmerer Spazzo hatte Beifall nickend der Schüsseln mannigfache Zahl erscheinen sehen , ein großer Rheinlank72 , der Fische besten einer , war schier unter seinen Händen verschwunden , fragend schaute er sich nach einigem Getränk um , da zog Sindolt , sein Nachbar , ein steinern Krüglein herbei , schenkte ihm den metallenen Becher voll , stieß mit ihm an und sprach : » Des Klosterweins Auslese ! « Herr Spazzo gedachte einen mächtigen Zug zu tun , aber es schüttelte ihn wie Fieberfrost , und den Becher absetzend , sagte er : » Da möchte der Teufel Klosterbruder sein ! « Der böse Sindolt hatte ihm ein saures Apfelweinlein mit dem Saft von Brombeeren gemischt vorgesetzt . Wie aber Herr Spazzo ihm schier mit einem Faustschlag gelohnt hätte , holte er , ihn zu sänftigen , des dunkelroten Valtelliners einen Henkelkrug . Der Valtelliner ist ein wackerer Wein , in dem schon der Kaiser Augustus seinen Schmerz über die Varusschlacht niedergetrunken 73 ; und allmählich versöhnte sich Herr Spazzo , trank auch auf das Wohlergehen des Bischofs von Chur , dem das Kloster diesen Wein verdankte , ohne daß er ihm sonst näher bekannt war , seinen Becher leer , und Sindolt tat wacker Bescheid . » Was sagt euer Patron zu solchem Trinken ? « fragte der Kämmerer . » Sankt Benedikt war ein weiser Mann « , sprach Sindolt . » Darum schrieb er in sein Gesetz : Wiewohl zu lesen steht , daß der Wein überhaupt kein Trunk für Mönche sei , so mag dies doch heutigentages keinem einzigen mehr mit Überzeugung eingeredet werden . Darum , und schwächlicheren Gemütes Hinfälligkeit erwägend , ordnen wir dem einzelnen eine