jetziges Ministerium mit dem Magistrat dieser Stadt hier einen Proceß wegen siebzehn alter Tempelhäuser begonnen hat , dessen Zulässigkeit in höchster Instanz längst entschieden ist ? Endlich , Bruder , wie , wenn ich dir beweisen könnte , daß diese Häuser - Doch genug , höre , was ich erlebte . Siegbert schob die Reste des Abendimbisses fort und lauschte voll gespannten aber doch zweifelnden Erstaunens . Als ich nun an jenem Abend , begann Dankmar wieder in seine Erzählung einzulenken , in dem Anbau des Tempelhauses im Interesse der Mutter und ihrer Benutzung dieser Räume mich orientiren wollte , entdeckte ich an einigen Stellen der Wände des Archivs , daß durch die Reihe der Jahre hier und da Mörtel losgesprungen war . Mir fiel Dies auf , weil es mir vorkam , als wenn unter der obern Decke , die nur leicht überkalkt schien , sich noch eine andere befinden müßte , die man nur dürftig überzogen hatte . Ich ziehe mein Taschenmesser und fange zu bröckeln an . In der That ! Es ist unter dem etwa einen Finger dicken Überwurf noch eine andere geglättete Wand , die mir immer deutlicher entgegentritt , jemehr ich den spätern , jedoch sehr alten Überputz ablöse . Noch konnte diese Entdeckung auf keinen andern Gedanken führen als den , daß man vielleicht die früher schadhaften Mauern neu hatte herstellen wollen . Plötzlich aber fährt mein Messer in eine Ritze . Ich kratze sie weiter auf . Es ist ein förmlicher Spalt . Ich trenne noch mehr von der obern Wand hinweg ; da wird die untere ein von Kalk bespritzter breterner Widerstand . Ich arbeite weiter . Bald entdeck ' ich , daß diese Wand gefelgt ist . Ich klopfe . Es klingt hohl . Ich habe ohne Zweifel einen Schrein vor mir , einen in die Mauer gebauten Wandschrank . Jetzt hatt ' ich keine Ruhe mehr . Ich mußte gründlicher untersuchen , koste was es wolle . Es war Nacht geworden . Ich kehrte über den Gang nach der alten Verbindungsthür mit dem Tempelhause zurück . Die Mutter schlief schon . In der Küche holt ' ich mir ein Licht , ein Beil und einen kleinen Holztritt . So ausgerüstet , kehrte ich an meine Arbeit zurück . Bis zwei Uhr in der Nacht hatt ' ich daran gearbeitet , den obern Putz des ganzen gewölbten Zimmers herunterzuschlagen ; ich selbst und meine Lampe , wir erstickten fast im Kalkstaub , den ich nicht zum Fenster hinausleiten mochte , sondern wie einen Dampf durch die Thür auf den Gang und zum Kirchhofe hinausstreichen ließ . Für die erste Nacht begnügte ich mich mit der Entdeckung , daß die letzten , wahrscheinlich protestantischen Ritter , die das Tempelhaus noch bewohnten , ohne Zweifel vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges dies Archiv hatten schützen wollen und über die in die Wände gemauerten Schränke , um sie am sichersten zu verbergen , eine ganz neue Wand gezogen hatten . Am Tage darauf setzte ich meine einsame Arbeit fort . Niemand hinderte mich , auch der Mutter entdeckt ' ich nichts . Ich kannte ihre Ängstlichkeit und die allgemeine Scheu , in solchen Dingen etwas zu thun , ohne gleich der Polizei Anzeige zu machen . Die Benutzung dieser Räume stand ihr ja frei . Die Wandschränke der Zimmer , die wir im Tempelhause hatten , standen ihr ja auch offen . Auch hier fanden sich nun Wandschränke . Was sollt ' ich zögern , sie , so gut es ging , für unser Bedürfniß zu öffnen ! Ohne einen Schlosser war Dies freilich nicht möglich . Ich fand glücklicherweise einen , der es ganz in der Ordnung fand , daß die Mutter diese Gelasse nach Bequemlichkeit benutzen wollte . Der entfernte Schutt konnte ihn auf keinen andern Gedanken bringen , als daß hier noch einige Repositorien zur Mahl-und Schlachtsteuerverwaltung übriggeblieben waren , zu denen denn , » wie gewöhnlich « , fügte er hinzu , die Actuare den Schlüssel verloren hätten . Als der Schrank geöffnet war und wieder neue Schubläden zeigte , die dem Schlosser aufzuziehen nicht einfallen konnte , war ich geborgen . Ich entdeckte das vollständige Archiv der Tempelherren und Johanniter von Angerode , seit dem Übergang der Templerei in den Bruderorden des St.-Johannes im Jahre 1320 bis zum Jahre 1636 . Alles Das , was sich auf die Geschichte des johannitischen Tempelhofes seit seinem Übertritt zum Protestantismus bezog , war auffallenderweise in einem großen eichenen braungebeizten Schrein vereinigt , der auf dem Deckel in erhabener Holzarbeit ein Kreuz zeigte , dessen Enden in vierblätterige Kleeblätter ausliefen . Diesen Schrein nun - Um Gotteswillen , rief Siegbert , den hast du doch nicht aus dem Amtsgebäude entfernt ? Dankmar wollte antworten , aber in diesem Augenblick wurde das Gebell des Hofhundes , das schon seit einigen Minuten wieder begonnen hatte , unerträglich . Die Brüder , ganz vertieft in ihre Mittheilungen , sahen sich um . Die Nacht hatte sich leise mit einem durchsichtigen Sternenkleide herabgesenkt . Johanniswürmchen funkelten schon im Grase . Alles war still , traulich , nächtlich , nur der Hofhund machte einen Lärmen , der den gereizten Nerven der Brüder förmlich Schmerz verursachte . Die Bestie ! rief Dankmar und wollte schon hinaus , um das Thier zur Raison zu bringen , als Kathrine die Gartenthür aufstieß und herüber schrie : Er kommt ! Gott sein Dank ! rief Dankmar , nahm seinen Hut und eilte über alle Beete weg den kürzesten Weg zum Hofe des Pelikan . Siegbert folgte ihm langsamer und fühlte , als umgäbe ihn geisterhafter Spuk , nach seinen Taschen . Er erstaunte , wie Hackert über das Kreuz an der Kirche in Tempelheide ihn so richtig hatte aufklären können . Am Stil der Kirche , mußte er sich jetzt sagen , fand er , daß sie allerdings nur aus den Zeiten nach der Reformation herrühren konnte . Aber zu der Aufregung des Bruders wußte er nicht , ob er sich