Uli , » das ist eine Sache , sie hat mich schon lange zu sinnen gemacht , « und kratzte dabei am Kopf , als ob er einen Splitter aus dem Fleische ziehen wollte ; es war einer der Kopfnägel , welche Joggeli unvermerkt ihm eingetrieben . » Sieh , wir sind gar zu teuer drin . Für die Dienstenlöhne , welche ich zahlen muß , könnte man ein ordentlich Gut in Pacht nehmen ; denke , zweihundert Taler , die Taglöhner nicht gerechnet , und Schmied und Wagner und Schneider und Schuhmacher nicht . Ich weiß weiß Gott nicht , wo ich all das Geld auftreiben soll . Da habe ich gedacht , ich könnte es mit wohlfeilern Diensten ebenso gut machen und wenigstens fünfzig Taler an einem Punkte ersparen . Daneben , wenn du Mädi behalten willst , so habe ich nichts dawider . Vielleicht daß es mit etwas weniger Lohn auch zufrieden ist , denk , es hat vierundzwanzig Taler im Jahr , ein Paar Schuhe und zwei Hemden , das ist ja ein Knechtenlohn . « » Zweifle , daß es weniger nimmt . « sagte Vreneli , » ein Mädchen im besten Alter schlägt mit dem Lohne eher auf als ab , und Mädi verdient ihn wirklich besser als mancher Knecht , der einen doppelt so großen Lohn hat . « » Habe nichts dawider , aber mit einem Mindern könnte man es auch ; denk , vierundzwanzig Taler ohne Zugaben ! « » Aber Uli , « sagte Vreneli , » was denkst und wie rechnest ! Ja , das Jahr geht vorbei , habe man gute oder schlechte Dienstboten , und alle Tage hat man dreimal gegessen , geheuet , geerntet und geemdet ; aber wie ging alles und wie viel Zorn und Galle hat man geschluckt und wie selbst schaffen müssen ! Und am Ende für was ? Um zu erfahren , daß man nicht alles alleine machen kann und erzwingen , so wenig als ein Hauptmann ohne Soldaten keine Schlacht gewinnt . « » Ja , alleine wollen wir diesen Hof auch nicht arbeiten , « sagte Uli , » so dumm , wie du meinst , bin ich doch nicht , aber mit wohl , feilern Leuten . Wenn man diese recht anführt und brichtet , so sind sie oft besser als die teuersten , welche Köpfe machen und alles besser wissen wollen . Der beste Soldat war einmal Rekrut . « » Lieber Uli , disputieren unnütz wollen wir nicht , du weißt ja am besten , wie ich es meine , du weißt am besten , wie man so mit halbbatzigem Zeug daran ist . Auf alles muß man ihm die Nase stoßen , ist man nicht immer dabei , so ist nichts gemacht . Was sie im Stall beim Füttern , kurz überall verwahrlosen können , weißt , mußt das Meiste selbst machen , bleibst in allen Arbeiten zurück , und wenn man am Ende zusammenrechnen würde , ohne noch zu rechnen , was man für das Abtreiben der Galle gebraucht , so hat man sicher mehr als doppelt so viel Schaden , als man am Lohn erspart hat , du würdest es erfahren . « » Das frägt sich noch , « sagte Uli , » wenn man recht zur Sache sieht und jedes von uns tut , was es kann . Man kann die Leute dressieren ; sieh , Großtun ist lustig , aber es kömmt bei reichen Leuten nicht gut , geschweige bei armen . Was würden die Leute sagen , wenn wir fortfuhren groß tun mit kostbaren Dienstboten ? Da erst würden die Bettler kommen und uns fressen von Haus und Heim , die Leute glauben , wie eine geringe Pacht wir hätten . Joggeli hat mir das schon um die Nase gerieben , und er ist imstand , er läßt sich aufweisen , kündet uns die Pacht unter irgend einem Vorwand . « » So , ist der alte Schelm dahinter , dachte ich es doch , « sagte Vreneli . » Der kann sein Lebtag nichts anders als Unheil stiften . Das ist einer , der einmal dem Teufel ab dem Karren fiel , als derselbe eine Ladung heimkutschierte . Indessen mach , was du willst , ich will nicht regieren , am Ende mußt du dabei sein ; der Leute wegen würde ich es weder so noch anders machen , sie helfen dir doch nicht , wenn du nicht kommen magst , sei es mit der Arbeit , sei es mit dem Gelde . Hast du mich aber lieb , so laß mir Mädi . Wenn ich dahinten bleiben muß , wer sollte die Haushaltung machen ? Mädi ist treu wie Gold und weiß alles ; wenn ich einer Fremden alles in die Hände geben sollte , ich wäre keine Stunde ruhig im Bette . « » Wider Mädi habe ich nichts , daneben wäre es für ein paar Tage nicht gefochten , « antwortete Uli . » Du weißt nicht , wie es gehen kann , « sagte Vreneli , » manchmal geht es ein paar Wochen , und manchmal kann man sterben und ist dann aller Not und Elend ab . « » Bist bös ? « sagte Uli , endlich aufmerksam werdend . » Bös wollte dich nicht machen . Zürn mir nicht , ich meine es für mich und dich gut . Wäre es dir anständig , wenn im ersten Jahre wir mit dem Schelmen draus müßten , wie es schon so Vielen ergingen , wie Joggeli an der Sichelten erzählt hat ? Ja , und die Sichelten , was die gekostet hat , weißt du ; wenn wir nicht so fortgefahren hätten , im Gleichen mit den gleichen Dienstboten , so wären die Bettler auch nicht so dahergekommen . So hätte er es nie gesehen , hat Joggeli mir gesagt , er hätte ein rechtes Bedauern mit uns bekommen , es hätte ihm übel gegraust