sehne mich nach Dir , als ob Du nicht achtzehn Stunden , sondern achtzehn Monate fort wärest . Auch Felix fragt unablässig nach Dir , und daß in der Wirthschaft ohne den Herrn , trotz meiner strengen Aufsicht , Alles verkehrt gehen wird , kannst Du Dir denken . Ich habe nun gesehen , daß Du mich verlassen könntest ; nun Du mir die harte Lehre gegeben hast , wird es wohl für beide Theile genug sein . Ich will vergeben und vergessen , darum komme nur bald zurück . Zugleich könntest Du mir ein Dutzend Handschuhe , halb hell , halb dunkel mitbringen , und der B. sagen , daß ich einen Herbsthut in rosa und einige Hauben spätestens kommende Woche haben muß . Adieu , lieber Alfred ! auf baldige Rückkehr ! Frage doch auch wegen der Ofenschirme nach , von denen wir neulich sprachen , und vergiß meiner nicht in Berlin , sondern denke an Deine treue , Dich liebende Caroline . « Während des Lesens verdüsterte sich Alfred ' s Stirne . Der Brief war ein so treues Bild von Carolinen ' s unliebenswürdiger Weise , von der Unbildung ihres Geistes und Herzens , daß er ihn nicht zu Ende zu lesen vermochte . Er warf ihn verdrießlich auf den Schreibtisch , ging heftig im Zimmer umher und setzte sich dann zum Schreiben nieder , tief aufathmend wie Jemand , der an ein schweres Geschäft geht . Er schrieb lange . Es ward spät in der Nacht , und als er geendet hatte und den Brief durchlas , fand er , der das Wort so gewaltig zu brauchen wußte , daß er nichts von alle Dem gesagt hatte , was er sagen wollen . Er wünschte Caroline nicht nur auf eine Trennung , sondern auf eine gänzliche Scheidung vorzubereiten , die ihn nach dem Empfang ihres Briefes nur noch unerläßlicher dünkte , weil er fühlte , daß zwei so verschiedene Naturen sich nie verstehen würden . Aber wo er mit höchster Schonung zu verfahren gewünscht , klangen seine Worte streng ; wo er zart zu sein gestrebt , schien ihm die Wendung kränkend . An andern Stellen fürchtete er , Caroline könne den Wunsch nach neuer Vereinigung darin angedeutet finden , die ganz außer seiner Absicht lag . Er fühlte , daß er in dieser Angelegenheit seine gewohnte Klarheit nicht besitze , daß er nicht Ruhe genug habe , selbst für sich zu handeln , deshalb zerriß er das Geschriebene wieder und seine Hoffnung richtete sich auf den Präsidenten . Er nahm sich vor , sobald als möglich mit diesem Rücksprache zu halten , was er für Caroline thun und wie man es anfangen solle , die schmerzliche Angelegenheit so gelinde als möglich zu behandeln und zu erledigen . VIII Als Alfred an einem der folgenden Abende in das Zimmer des Freundes trat , fand er ihn in Aktenstößen vergraben , mit einem seiner Beamten über eine Rechtsfrage verhandelnd . In dem strengen Ernste des Geschäftsmannes , in der schlagenden Kürze seiner Beweise erkannte man den Lebemann nicht wieder , der so weitläufig über die Bereitung einer Mahlzeit zu sprechen verstand . Er fertigte seinen Untergebenen schnell , aber sehr zuvorkommend ab und wendete sich dann mit freundlicher Begrüßung dem Freunde zu . Dieser erklärte ihm gleich , welche Angelegenheit ihn beschäftige , und bat um den Rath des Präsidenten . Ich dachte , sagte er , als ich von Hause schied , nur an eine Trennung von meiner Frau ; ja , ich war in diesen Tagen schon wieder einer Aussöhnung nicht abgeneigt , denn Du kannst Dir denken , daß ein solcher Entschluß mir hart ankommt . Ein Brief , den ich neulich von ihr erhielt , hat mich indeß in meinen Vorsätzen befestigt . Ich fühle , daß wir uns nie verstehen werden , daß ich in dem ewig schwankenden Zustand nicht leben kann . Ich hoffe nicht auf Glück , aber ich verlange Ruhe , innere Ruhe und meine Freiheit wieder . Unsere Ehe muß gerichtlich geschieden werden . Ich kenne die Schwierigkeiten , die man dabei macht ; deshalb komme ich , Dich zu fragen : wie hilft man sich am leichtesten darüber fort ? Ist Deine Frau mit der Scheidung einverstanden ? fragte der Präsident . Sieh , lieber Freund , da fangen die Schwierigkeiten gleich an . Du weißt es ja selbst , daß Caroline und ich katholisch sind . Nun fürchte ich , sie wird nicht in die Scheidung willigen , einmal , weil sie sich nicht so unglücklich in unserer Verbindung fühlt , als ich ; zweitens , weil ihr die Trennung von Felix schwer sein wird , und endlich , weil sie nach ihren Begriffen durch die Scheidung eine Sünde begeht , ein Sakrament bricht . Nicht zu vergessen , daß Du Dich leicht zu einer neuen Ehe entschließen dürftest , was Deiner Frau von den Pfaffen verwehrt werden möchte , ergänzte Julian mit seinem ironischen Lächeln . Alfred beachtete die Worte nicht und fuhr fort : Ferner habe ich die Güter von meinem Großonkel , dem Domherrn , ererbt , und das Testament verlangt , daß sie immer von einem der katholischen Religion angehörenden und ergebenen Nachkommen der Reichenbach ' schen Familie besessen werden , wo nicht , der Kirche zufallen sollen . Ich zweifle keinen Augenblick , daß die katholische Geistlichkeit des betreffenden Klosters , die eine Abschrift des Testaments besitzt , ihre Ansprüche gegen mich erheben wird , wenn sich ihr die Möglichkeit dazu eröffnet . Dasselbe könnte auch von Seiten eines sehr entfernten Agnaten geschehen . Ich für mein Theil würde mich unschwer entschließen , der Erbschaft zu entsagen , wenn dies das einzige Mittel wäre , mich frei zu machen . Ich habe durch die Fabriken , die ich angelegt , ein selbstständiges Vermögen erworben , das ich mein nennen darf , abgesehen davon , daß mir meine literarische Thätigkeit ein mäßiges Kapital abgeworfen , welches ich bis jetzt nie benutzt