Reißaus nehmen muß vor dem Tod in uns . Aber nicht wie ihr fälschlich meint , daß der Tod über einen komme wie der Dieb in der Nacht . Und wenn er käme , wer wird denn Anstalten machen für diesen Esel , der so schlecht das Lautenspiel versteht , daß er damit schon einer schwachen Seele den Garaus macht ! Nein ! Wie ich Dir hier noch einmal sage , das Leben flieht die Wüste des Todes , aber dem Tod eine Macht zuschreiben über das Leben , das ist Unsinn . Es ist aber noch ebenso dumm , irgendeine Macht anzuerkennen über uns als nur das Leben selbst , und leg Dir ' s zurecht wie Du willst , ich kann ' s nicht weiter ausdrücken , ich kann nur sagen , was auch in der Welt für Polizei der Seele herrscht , ich folg ihr nicht , ich stürze mich als brausender Lebensstrom in die Tiefe , wohin mich ' s lockt . - Ich ! Ich ! Ich ! - Ich greife um mich mit meinen Fluten , ich eile in stolzen Wogen durch die Triften . Ich durchziehe euch , ihr Haiden , - dort kommen die Berge , die Welt ist rund , mir ist jedes Tal die Höhe , die mir zu durchbrausen beliebt , denn eben weil die Welt rund ist . - Clemens ! Ich weiß , daß Du diese Wellen des Vertrauens gerne aufnimmst , und ich weiß , daß bei Dir gut weilen ist , drum wird der Lebensstrom auch nur ganz langsam fließen , solang er durch Deine Lebensgegenden zieht , aber über meine Neigungen kannst Du nicht disponieren . Weiß ich doch nicht , was mich Dich lieben heißt , ich gehe Dir nach , ohne zu wissen , warum , wenn ' s nicht der Lebensstrom wäre , der eigenmächtig durch Deine Fluren wallet und sich wohl befindet so , ja , es ist sein selbstherrschender Wille , der sich durch Deine Lebensgebiete drängt , ach und er strömt so voll , so selbstgefühlig in diesem reinen edlen Bett , über Perlen und Goldsand , und die Ufer so blütenreich gratulieren meinem stolzen Wogengang . - Heut bin ich närrisch , Clemente ! - Der Frau Gachet kann ich auch nur im Vorüberströmen günstig sein , aber sie lieben wie Dich selber , liebes Flußbett , was fällt Dir ein . - Der Fluß strömt nur Dir freundlich und gutwillig , gegen andre ist er rebellisch und rauh , ich will wohl mit der Gachet umgehen und ein bißchen an ihr nagen mit meinen Wellen , aber mich ihr hingeben , von ihr mich leiten lassen , was fällt Dir ein ? - Ich brause vor Zorn , daß einer etwas über mich vermögen soll , was nicht ich selber bin ? - Nein , Clemens ! Welches Menschenschicksal auch über mich komme , das ist mir so jetzt ganz nicht von Gewicht , aber mich durchreißen , Ich selber zu bleiben , das sei meines Lebens Gewinn , und sonst gar nichts will ich von allen irdischen Glücksgütern . Gute Nacht für heute . Eben jetzt bekomme ich Deinen letzten Brief und bin froh , daß Du selbst bekennst , ein wenig übereilt geschrieben zu haben . - Sie hat gar nichts mit mir gesprochen und Deinen Brief mir sehr freundlich in die Hand gedrückt , sie sah mich oft ganz starr an , als wolle sie mir etwas sagen , Du kannst überzeugt sein , daß ich mich ihr nicht zu Füßen und auch nicht um den Hals werfen werde , ich werde alles , was ich von ihrem Geist begreife und erlerne , Deinem Urteil unterwerfen , mein Leben und mein Glaube und die Lust , zu bekennen , was ich will und suche , sind ja Dein , und was meine Sprache nicht auszudrücken vermag , Du mußt ' s finden in mir , die Dir nicht fremd ist . - Unter allen frohen Stunden bleibt die mir am lebendigsten , wo Du mich zur Lust am Leben angemahnt . Ich begreif doppelt rasch , ich weiß , wo mir ' s herkommt , daß ich in den nächsten Lebensmoment schaue als in einen reichen Schatz , der mir wie ein Demant entgegenblitzt und mich begierig macht auf ihn . Der ungehemmte Lebensatem , von dem das volle Herz getragen wird . Vernähme der Mensch besser , was ihm die Sterne zuwinken , so würde er sich im Flug entfalten , und könnt ich ' s besser sagen , so sähest Du deutlich und klar , der Sinn kann sich nicht ändern , er dient Dir so willig , um treu bleiben zu dürfen , so kann er keinem andern sich zuwenden wollen , um ' s besser zu haben . Adieu , lieber Clemens , Du bist mir den Abschiedskuß noch schuldig . Deine Bettine Wo bleibt denn nun jetzt die Walpurgis und die schönen Lieder der Liebe ? - Nicht wahr , jetzt bist Du nicht mehr eifersüchtig auf den Bettelmann ! Liebe Bettine ! Ich danke von ganzer Seele für den beruhigenden Klang Deines Briefes , in dem sich Selbstgefühl und Liebe so schön durchdringen . Ich weiß nun mehr über die de Gachet , Du kannst mit ihr sein und kannst sie auch vermeiden , wenn sie Dir nicht zusagt , denn ein Herz , was so herrlich grünt und blüht wie Deines , bedarf keiner Seele als nur der Liebe ; die hast Du von mir . Bleibe über alles Zufällige erhaben , folge Deinem inneren Ruf , er ist zu stark in Dir , wer wollte Dich ihm entziehen ? - Es wäre Frevel , es zu wollen , da wir alle noch nicht da sind , wo wir mit uns selbst rechten können , ob wir irgend etwas wollen sollen oder nicht , so würde der rein als Natur hervortretende Instinkt ja nur in sich