glücklich wärest , befriedigt , ruhig . - « » O , ich bin außerordentlich ruhig . « » Nun so setze Dich zu mir und erzähle mir von Deinem Leben . « » Erzählen - ja ! sitzen - nein ! Das Sitzen , lieber Anastas , ist eine entsetzliche Erfindung . Zum Gehen , Stehen und Liegen ist der Mensch geschaffen , das zeigt seine schöne , lange , gestreckte Gestalt , die vom krummen , geknickten , verbogenen Sitzen ganz krüppelhaft wird . Meine Gedanken verrosten , wenn ich sitze , und das macht nicht ruhig , sondern nur schläferig . Ruhig bin ich , wenn alle Kräfte in Bewegung sind und wie die Strahlen einer Fontäne springen . Ruhig bin ich , wenn meine Seele eine große Landschaft ist , wo im Westen die Sonne purpurgolden glüht , und unter ihr Blitze gleich Silberschlangen aus dem Gewölk auftauchen , wo im Osten der Mond friedlich hervorkommt , wie ein unschuldiges Kind , das von fern einer Schlacht zusieht , wo der Donner wie ein geschlagener , grollender Feind scheu entflieht , indessen die Vögel ihre Siegeshymnen anheben , wo die ganze Erde opferraucht und glänzt wie ein geschmückter Altar - o mein Anastas , dann bin ich himmlisch ruhig ! und nur dann . « Sie warf sich auf das Sopha , ganz erschöpft . Andlau kniete neben ihr nieder und wollte ihren Kopf an seine Brust legen ; aber sie sagte : » Laß mich ! da steht ein Piano , es wird schlecht genug sein , aber spiele ! ich habe Dich so lange nicht gehört ! und nie sprichst Du lieblicher zu mir als in Tönen . « Andlau küßte ihre wunderschönen Füße , und setzte sich ans Piano . Er spielte vortrefflich ; am liebsten und am schönsten phantasirte er . Er fing zuweilen an nach Noten zu spielen , aber wenn ein Akkord oder eine Melodie oder irgend etwas kam , was ihn frappirte , so verließ er den Componisten , und löste in eigener Weise jenen Akkord auf . Er überdachte in Tönen den Tongedanken des Componisten , so wie man Randbemerkungen auf ein Buch schreibt . Musik ! das ist eine Kunst ! alle andere Künste sind keine , sie haben immer ihr Vorbild in der Natur , und wollen die nachahmen , wenn ' s hoch kommt - sie verklären . Menschenform und Menschenwesen zu idealisiren , oder den Raum zu verherrlichen , worin der Mensch sein Treiben hat - ist ihr Ziel , lieblich wie jedes Ziel , das über die Befriedigung des materiellen Bedürfnisses hinausgeht . Aber der Marmorgott und die gemalte Heilige werden unsersgleichen , gehen mit uns Hand in Hand ! aber die Poesie , welche die natürliche Sprache des unbefangenen Menchen ist , giebt unsre eigenen Gedanken mit unsern eigenen Worten uns wieder ! Die Musik hingegen verschönt nicht diese Welt und ihre Erscheinungen , sondern überwölbt sie mit einer zweiten , in der wir schweben gleich körperlosen Engeln , die Flügel haben unter einem strahlenden , liebenden , gläubigen Angesicht . Und das bewirkt sie durch Klänge , welche auf Zahlen sich gründen , durch Zahlen bezeichnet werden können , und aus der Zusammenstellung von Holz und Metall zauberisch , fabelhaft , hervorgelockt werden . nach klugen , tiefsinnigen , regelrechten Berechnungen , entdeckt die Musik über der Erde eine neue Welt , wie Columbus auf der Erde es gethan - eine Welt voll primitiver Kraft und Herrlichkeit , eine Welt , in der jeder sein Eldorado sucht , und zwar ohne Klugheit und Tiefsinn zu haben , und ohne die Regel zu verstehen ! ein Paradies , worin jeder Zutritt hat , der eine Seele empfing . Kinder , Wilde , Greise , zu unentwickelt oder zu stumpf für die Schönheiten des Meißels und Pinsels , nehmen Theil an dem Zauber der Musik , und Wiegenlied und Grabgesang geleiten unsre ersten und unsre letzten Schritte im Leben . Die Poesie hieß in ihrer Frühlingszeit » die heitre Kunst , « und damals mit Recht , denn sie mußte aus der harmlosen Sprache , der noch die Eierschaalen der Rohheit und Unbeholfenheit anklebten , den buntgefiederten , tirilirenden Vogel herausschälen , den man Minnelied nannte , und der unter Musikbegleitung , als Improvisation , oft nach selbsterfundener Melodie , bei glänzenden Festen und frohen Gelagen zur Erhöhung der Lust über die Lippen des Dichters schwirrte . Seitdem sind aber lange Jahrhunderte vergangen , und die Poesie hat sich im Laufe derselben mißlaunig wie eine alte Jungfer in die Einsamkeit zurückgezogen , und sich auf Gelahrtheit und Schulmeistereien geworfen , weil sie doch gern , wie alle alten Jungfern , ein Wörtchen mitredet , und weil ein dozirender Ton , bald spöttisch lächerlich machend , bald superklug ermahnend , am meisten Effect macht bei den spöttischen , superklugen Leuten unserer Zeit . Sie ist nun ein Stubenhocker , ein Bücherwurm , die Poesie ! hat die Beine unter dem Schreibtisch und Dintenflecke an den Fingern , treibt finanzielle und administrative Speculationen , schreibt Hymnen über Dampfmaschinen und Oden über Trottoirs von Asphalt , und wenn Jemand sie sich anders vorstellen kann , als mit einer blauen Brille über einer impertinenten Nase , den beneide ich um seine frische Phantasie . Das bischen Heiterkeit , das noch in der Welt , hat sich in die Musik geflüchtet , und wo es nur ein Fest giebt , für vornehm oder gering , in frescogemalten Sälen oder unter grünen Bäumen , Musik muß dabei sein . Nie wird munterer geplaudert , als wenn es Musik giebt : in jeder Soiree , bei jeder Tafel kann man sich davon überzeugen . Und das Volk nun gar ! Wie schmaust der Wiener so behaglich seine gebackenen Hähnel , mit welchem Wohlgefallen trinkt der Dresdner seinen miserabeln Kaffee , wenn es nur Musik dabei giebt . Wie es in Berlin zugeht , weiß ich nicht . Ich habe gehört