abgekürzt durch den Einfluß des mächtigen Fürsten Andreas , war seine Dienstzeit als gemeiner Soldat innerhalb weniger Monate überstanden und er zum Unteroffizier erhoben . Daß er als solcher , durch seinen Rang , von der Gesellschaft ausgeschlossen war , zu welcher er früher , als zum Hause des Fürsten Andreas gehörig , unbedingt gezählt wurde , kümmerte ihn wenig . Ungern mochte er jetzt jener Zeit gedenken , die er , in glücklicher Unbekanntschaft mit seiner eigentlichen Stellung , in einer fast ununterbrochenen Folge von Festen und Vergnügungen verlebt hatte ; sie erschien ihm jetzt wie ein langer bethörender Rausch , an den man beim späten Erwachen nur mit Ekel und Widerwillen sich erinnern mag . Sein stolzer Sinn schauderte vor dem Gedanken zurück , auch noch ferner in erborgtem Schimmer zu glänzen ; aber wenn er Abends an den hellerleuchteten Fenstern der Säle vorüberkam , zu welchen der Zutritt ihm jetzt versagt war , konnte er doch nicht unterlassen , mit innerm Behagen und berechnender Zuversicht der vielleicht nicht ganz fernen Zeit sich im Geiste zuzuwenden , in welcher durch Rang und Verdienst gehoben , es nur von ihm abhängen würde , mit besserem Rechte als ehemals , seine frühere Stelle dort wieder einzunehmen - wenn es ihm nämlich so beliebe . Aus erbittertem Trotz gegen das , was er in trüben Stunden des Mißmuths als eine Unbill des Schicksals gegen ihn betrachtete , hätte er vielleicht einen seinem jetzigen Range , wenn gleich nicht seiner geistigen Bildung angemesseneren Umgang sich erwählt , und wäre darüber in einen Strudel von lockenden Verführungen und Gemeinheit gerathen ; doch Eugen stand wie sein guter Engel ihm treulich zur Seite , er wußte jeden Schatten eines Verdachtes , als sei irgend etwas zwischen ihnen beiden anders geworden , von seinem Freunde fern zu halten ; keinen Tag ließ er vergehen , ohne ihn in sein väterliches Haus zu führen , wo Richard stets als ein willkommner , von Allen gern gesehener Gast empfangen ward . Sobald andre Besuche dieses nicht verhinderten , durfte er völlig zwanglos und frei dem häuslichen Kreise dieser edlen Familie sich anschließen , und wurde gleich den Söhnen des Hauses behandelt ; auch in seinem Verhältnisse zu Helena war nichts abgeändert worden , allen andern jungen Freunden ihrer Brüder blieb sie unsichtbar , auf ihr einsames Zimmer und den Besuch einiger Freundinnen beschränkt ; doch Richard durfte in Eugens Begleitung , oft aber auch allein , in Gegenwart der Madame Sommerfeldt oder auch nur der Amme , sie dort besuchen , um ihre stillen Abende auf gewohnte Weise zu erheitern , deren sie jetzt mehr als sonst hatte , seit Nataliens Verlobung mit dem Fürsten Konstantin bekannt gemacht worden war . Auch die Fürstin Eudoxia blieb in ihrem freundlichen Benehmen gegen ihn sich gleich . Das herbe , verletzende Gefühl , welches die Amme durch ihre unvorsichtigen Mittheilungen in ihm aufgeregt hatte , wurde dadurch zwar nicht ganz besiegt , aber doch sehr gemildert ; er vermochte nicht , der sich ihm aufdringenden Überzeugung zu widerstehen , daß die Worte der sonst so zart fühlenden Fürstin unmöglich in dem Sinne gemeint gewesen sein könnten , welchen die Amme , nach ihrer gemeineren Art , ihnen untergelegt , und daß Frau Elisabeth in ihrer Redseligkeit sich manche Übertreibung habe zu Schulden kommen lassen , ohne es eigentlich zu wollen . Und so trug denn alles dazu bei , ihn zu beruhigen , und ihm die Veränderung seiner Lage weit minder fühlbar zu machen , als er es erwartet hatte . Von der andern Seite war der unbeschränktere Blick in die ihm näher gebrachte Welt , in die Leiden und Freuden , in alle ihm bis jetzt unbekannt gebliebene wechselnde Zustände des bürgerlichen Lebens , für ihn unstreitig ein Gewinn , der nur durch diese Veränderung seiner ganzen Existenz ihm hatte werden können . So seltsam und selbst verletzend Iwan Yakuchins Glückwunsch , zur Befreiung aus der vornehmen parfümirten Atmosphäre seiner hohen Beschützer , an jenem ersten Abende in seiner neuen Wohnung ihm geklungen haben mochte , so fühlte er doch nach wenigen Monaten , wie viel Wahres darin gelegen . Er war sich bewußt , jetzt weit fester und sichrer aufzutreten , da niemand mehr ihm zur Seite stand , um im Nothfalle ihn zu stützen oder zu leiten ; er gewann mit jedem Tage mehr Vertrauen in sich und seine Kraft . In zweifelhaften Fällen wagte er es eine eigne Meinung zu haben , und wußte sich selbst zu rathen , ohne zu Andern seine Zuflucht zu nehmen . Seit er dem hemmenden Einflusse der die sogenannte gute Gesellschaft beherrschenden Konvenienzen entgangen war , bewegte er sich in einem ihm ganz neuen Kreise , in welchem Iwan anfänglich sein Führer , und hernach sein von ihm unzertrennlicher Begleiter wurde . Überall sah man die Beiden zusammen ; im Theater , wo Richard nicht mehr von seines Gleichen geschieden , in einer Loge des ersten Ranges thronte , wie an öffentlichen Belustigungsorten . Moskau wimmelte damals von , aus dem allgemeinen Befreiungskriege erst seit kurzer Zeit heimgekehrten jungen Leuten ; mehrere derselben schlossen den beiden Freunden zu vertrauterem Umgange sich an . Mancher Abend wurde in jubelnder Lust , öftrer noch in ernstem , tief eindringendem Gespräche in diesen Versammlungen hingebracht ; denn seit jenen großen Ereignissen schien in Moskau wie überall der Geist unbefangener Fröhlichkeit allmälig von der Jugend zu weichen , und Gedanken und Betrachtungen , wie früher nur das reifere Mannesalter sie hegte , waren an dessen Stelle getreten . Die dunkeln Stunden der langen nordischen Nächte zogen über den Erzählungen der jungen Helden von dem , was sie im Auslande gethan und gesehen , ungezählt vorüber . Fromme Wünsche , sogar leise angedeutete Pläne zur Verbesserung des im Vaterlande Bestehenden , kamen zur Sprache . Immer noch glühte jene Begeisterung in ihren Herzen , die zuerst Moskau in Flammen setzte , dann die halbe Welt ergriff , und durch die allein jene Wunder von