vollkommen durch die reinste Uebereinstimmung der Verhältnisse und eine daraus entspringende ungemeine Grazie jeder Bewegung . Sein erster Anblick war ernst , er hatte etwas Festes und Bestimmtes , und man hätte glauben können , dies wären die Vorboten eines stolzen und kalten Karakters , da er sich überdies nur wenig und mit Zurückhaltung äußerte . Aber diese äußeren Zeichen hingen mit den hohen Begriffen von Schicklichkeit und Mäßigung in Worten und Gefühlen zusammen , die er zur Würde des Karakters rechnete , und die allerdings bei ihm die große Herrschaft über sich selbst erkennen ließen , da das reichste und gefühlvollste Herz ihn stets zu verführen strebte . Die Ehrfurcht vor dem Willen der Eltern war um so heiliger in ihm geblieben , da er ihnen nie durch die Details der Erziehung so nahe gerückt war , ihre menschlichen Schwächen kennen zu lernen . Seine Mutter schien ihm unvergleichlich die erste Frau der Welt , und an seinem Vater hing er mit zärtlicher Verehrung . Er hatte in diesem streng häuslichen Kreise eine Liebenswürdigkeit , welche die ganze tiefe Empfindung seines Herzens verrieth , und die Herzogin , die eine leichte Sprödigkeit selten ablegte , ließ sich seine anmuthigen Liebkosungen mit vieler Nachgiebigkeit gefallen , denn sie wußte wohl , wie die im Hintergrunde ruhende Ehrfurcht ihm jedes Ueberschreiten der Grenzen unmöglich machte . Er hatte die hohe Stirn , das braune lockige Haar und die dunkeln Augen der Mutter , aber der Stolz dieser Stirn hörte auf an den Grenzen seiner Augen . Ihr Glanz war von breiten Augenliedern und langen Wimpern von Außen sanft gemildert , und der Stolz , der aus den Augen der Herzogin blickte , ward hier nur durch Erregung hervorgerufen und wechselte nur selten mit dem ruhigen Ernste . Beide Brüder hingen herzlich an einander , aber der ältere erkannte in jedem Augenblick mit Stolz und Freude den jüngeren über sich . Sein fester Wille , der die schwersten Opfer für das erkannte Recht nicht einmal erwähnt wissen wollte , legte der guthmüthigen Nachgiebigkeit des älteren Bruders die Gesetze auf , nach welchen er stets ohne Wanken zu handeln bereit war , und Robert folgte wie ein heiteres Kind , da Richmond das Schwere mit einer Liebe , mit einem Verstehen der damit verbundenen Opfer forderte , daß der Genuß , sich so verstanden zu sehn , fast den Kampf überbot . Zum Grafen Salisbury verhielt sich dieser junge Mann äußerst fremd . Der Graf verstand ihn nicht , er hatte gute Berichte von ihm gelesen , er sah ihn äußerlich zum Hofmann gebildet ; er wußte von seinen wissenschaftlichen Erfolgen , und hielt ihn erst , um nur mit ihm fertig zu werden , für einen jungen Hofmann , der seinen Oheim beerben will . All zu lang wollte dies nicht passen , denn er ging seinem Oheim voran nach Deutschland , und Cecil sah , der Neffe habe eigne Meinungen , er scheue sich nicht , sie gegen die des Oheims geltend zu machen , er sei gerade und fest . Doch diese Weichheit wieder , dieser Gehorsam , wo es mit etwas Stolz gelungen war , dem Oheim entgegen zu treten , wozu das ? Welche Inkonsequenz ? Er ließ ihn fallen und den Grafen gewähren , welcher sich nicht mehr von ihm trennen mochte . Doch gerade darum , weil er ihn nicht verstand und von der heimlichen Furcht in seiner Nähe sich beschlichen fühlte , daß in ihm auch ein Geist versteckt liegen könne , der sich gegen den seinigen dereinst auflehnen werde , fühlte er sich unheimlich mit Beiden und dachte den Tag nach ihrer Ankunft an seine Rückkehr nach London . Er hatte zu diesem Zweck seiner Nichte einen Besuch gemacht und den Grafen Archimbald nach den Hallen beschieden , in denen er sich auf und nieder bewegte , die Rede überdenkend , welche er gesonnen war dem Grafen zu halten . Der schönste Frühlingstag leuchtete durch die feinen goldenen Gitter der hohen Thüren und erhellte die düstern Hallen , welche ihres traurigen Schmuckes wieder entkleidet waren . In ihrer alten Pracht auf tausend schimmernden Flächen das glänzende Licht empfangend und zurückwerfend , boten sie einen erfreulichen Anblick dar , da nur selten das Licht des Tages bei ihrer weiten Ausdehnung ihren Glanz verrieth . Wohl schien die ernste und nachdenkliche Gestalt des alten Ministers , mit der tiefen Trauerkleidung und den glänzenden Sternen , zu dieser Umgebung zu passen , aber die Welt , die vor den goldenen Gitterthüren ihr heiteres Leben begann , ging um so gewisser für ihn verloren . Die warme Luft des Frühlings , das reine Licht des Himmels wollte überall das schlummernde Leben zur Thätigkeit erwecken . Es war der Augenblick in der Natur gekommen , der uns von Stunde zu Stunde mit süßeren Freuden zu beschenken scheint und eine unendliche Sehnsucht erregt , unter Blüthen und Blättern mitten inne zu wohnen , oder mit den geschäftigen Würmchen und Käfern der athmenden Erde alle die kleinen Geheimnisse abzulauschen , die vom keimenden Halme bis zu den unschuldigen Versuchen der ersten Blümchen unsern Antheil und unsere Zärtlichkeit erwecken . Der nahe Wald , die zahllosen kleinen Gebüsche auf und an den Terrassen waren ein Tummelplatz singender und bauender Vögel , nicht minder waren die gothischen Verzierungen der Hallen mit Nesterchen bestellt , deren Bewohner , sich an den Gittern hängend und wiegend , ihr fröhliches Lied dem alten Staatsmann entgegen sangen , der in ernster Würde an ihnen daherschritt und auf nichts so wenig hörte , wie auf Vogelgesang ! Noch ein Mal hatte er das Ende der mittlern Halle erreicht , und in dem fragenden Blick , den er nach dem Eingange sendete , lag aufsteigender Unwille , hier seit einigen Minuten vergeblich zu warten , als er durch die Gitterthüren , die nach der Vorhalle führten , den Grafen Archimbald eilig daher kommen sah , und um so schneller , da er ihn so eben zu erkennen schien .