mich zwingt . Und nun still , still ! Ich vergesse , daß Sie Protestant sind , daß Sie protestiren werden auch gegen mein Fünkchen katholische Andacht ! Nun , sein Sie nur Protestant , sein Sie Protestant ! Wie oft , wie oft habe ich in meinem stillen Kämmerlein ausgerufen : O könnte auch ich es sein ! - Das leidenschaftliche Mädchen war bei diesen Worten wieder ganz ernst geworden , und in mir knüpften sich die weitgehendsten Gedanken an . Unterdeß veränderte sich um uns und über uns die Scene . Hinter dunkel aufgethürmten Wolken ging der Mond unter , es wurde finster , stürmisch , die Nachtwinde bliesen stark , und wetterleuchtende Blitze spalteten von Zeit zu Zeit mit feurigen Schweifen den mitternächtlichen Horizont . War es zur Strafe unserer Sünden ? Sollten mit dem Zorn des Wetters die Frevel unseres Gesprächs über die Heiligen gerächt werden ? Wir hatten ja nur Selbstbekenntnisse gethan . Sinnend und schweigend sahen wir beide eine Zeitlang in die düster wogende Nacht hinein . Maria schmiegte sich enger an mich , sie sagte , sie liebe den Sturm , wenn er zu ihren betrübten Gedanken Musik mache . Sie könne noch nicht ins Haus zurückgehn , in ihr Gefängniß , ihren Sorgenkäfig . Sie wollte , der große Nachthimmel wölbe sich einmal zu einem Sarg über ihr zusammen , dann möchte sie gern darin ruhn und nichts mehr wünschen , aber nur nicht lebendig begraben sein hinter den Breterwänden ihrer Stube . Ihr habe Gott ein rastloses Herz gegeben , frei zu sein . Ich möchte sie nehmen , wie sie sei , in all ihrer Räthselhaftigkeit , und ihr etwas sprechen und erzählen zur Fortscheuchung der bangen Stunden dieser Nacht . Ich erwiederte , ich hätte ihr viel zu sagen . Und die gelegene Stunde dazu sei da . Ganze Reihen an Betrachtungen seien durch die Heiligen und die Madonna über mich gekommen , und der Mitternacht und ihr wolle ich gern davon vorphilosophiren . Die Mitternacht mache ein ernstes Gesicht dazu , und Sie wecke die Begeisterung auf mit ihren Augensternen . Der Madonnenschleier mit den drei schönen heiligen Blutstropfen hänge drüben am Saum der trauernden Nacht , und flattere hoch in den klagenden Winden , und strecke sich wallend aus über die weite , seufzende Erde , und winke uns Ehrfurcht zu vor den Bildern , an welche der Menschen Herz sich hängt . Und die Erde träume um uns her , und die Träume gingen irrend auf und nieder durch die Lüfte , und die bösen Geister zitterten in den Gräsern , und ein großer Drang in der Brust brenne nach Wahrheit . Und die Wahrheit gehe einen Kampf ein mit den Bildern , und der Madonnenschleier zerreiße , und die Blutstropfen verblichen vor dem hellen Morgenstrahl , und die aufgegangene Sonne winke uns Ehrfurcht zu vor der Wahrheit , an welche der Menschen Vernunft sich hängt . Hiervon laß uns ausgehen , Maria ! Sie drückte mir schweigend die Hand , sie deutete auf ihr schlagendes Herz , das an diese Dinge in quälender Unruhe schon so oft seinen Frieden verloren . Der Engel Gabriel klopfte an die Thür einer Jungfrau , die hieß Maria ! fuhr ich fort . Er war von Gott gesandt , und sie war die holdseeligste und süßeste im ganzen Lande , und wenn man ihre Schönheit leuchten sah an ihren Gliedern , mußte man fühlen , daß Gott mit ihr sei . Und der Engel sprach zu ihr : » Der heilige , Geist wird über Dich kommen , und die Kraft des Höchsten wird Dich überschatten . Darum auch das Heilige , das von Dir geboren wird , wird Gottes Sohn genannt werden ! « Da erschrak die Jungfrau , denn sie wußte noch von keinem Manne , aber sie glaubte , und bald verstand sie . Ihre Seele erhob den Herrn , der weibliche Stolz regte sich , und wie ein beglücktes Weib sich freut , so freute sie sich , daß sie von nun an seelig gepriesen sein würde von allen Kindeskindern . Lieblich lächelte sie bei den Ahnungen einer großen Zukunft , und wie eine kaum herangewachsene Braut , die den Welternst ihres älteren Geliebten noch nicht begreift , kindlich tändelt mit dem scharfen Schlachtschwert an seiner Seite , so lag das ernste Geheimniß einer unendlichen Weltumwandlung spielend an der Jungfrau Busen , und sie hegte es mit mädchenhafter Zärtlichkeit , wie eine Maienknospe . In der stillen Ueberschattung des Höchsten hatte sie den Gott in sich empfangen , und sie hatte mit einem Kinderkuß an der Ueberschattung sich satt gesogen . Sie war Jungfrau geblieben , denn das Wort hatte sie befruchtet , und das Wort war es gewesen , das Fleisch wurde aus unberührtem Schooß der Jungfrau . Denn aus jungfräulicher Blüthe mußte der Gott einer neuen Weldordnung sich aufrichten , er , der ein reines , neues und jungfräuliches Zeitalter des Geschlechts auf die Erde brachte . So ruhte Gottes Unschuld an süßen Mädchenbrüsten , und trank von der unbefleckten Magd die Milch des irdischen Lebens , aus der er Mensch wurde . Um des Menschen Sohn zu fein , hatte er sich aus dem Schooß des Weibes gewunden , und sich an ihren Busen gelegt , aber das Weib hatte an der Ueberschattung Gottes gehangen , und das Wort war zeugend in die unbewußte Unschuld gedrungen , und darum wurde das Heilige , das von ihr geboren worden , Gottes Sohn genannt . Die jungfräuliche Unbewußtheit , in die das Bewußtfein Gottes gestiegen war , hatte den Gottmenschen geboren , denn das menschliche Bewußtfein , das nur der Begriff seiner selbst ist , aber nicht der Begriff Gottes , hätte keinen christlichen Gott sich erzeugen können . Darum war es eine Unbewußte , eine Jungfrau , eine unmittelbare Offenbarung , aus welcher Gott hervortrat in die Thäler der Erde . Durch diesen Gedanken der nothwendigen Unbewußtheit habe ich mir die Nothwendigkeit der