war von der leichten , heitern Gattung und wurde überdies sehr brav gespielt . Agnes lachte zum erstenmal wieder recht herzlich und ging ganz aufgeräumt zu Bette . Doch in der Nacht kam sie in das Schlafzimmer des Vaters geschlichen , weckte ihn , und wollte anfangs auf die Frage , was ihr zugestoßen sei , lange mit der Sprache nicht heraus . Sie habe , gestand sie endlich , von Theobalden so lebhaft , so deutlich geträumt ; er sei trostlos gewesen und habe sie um Gottes willen gebeten , ihn nicht zu verlassen , zuletzt sei sie aufgewacht , erstickt von seinen Küssen . » Nun seht , Vater « , fuhr sie unter heißen Tränen fort , » Euch darf ich wohl bekennen , daß er mich unbeschreiblich dauert , ob ich ihn gleich nicht mehr liebe ; er wird sein Glück gewiß bei einer andern finden , aber das sieht er jetzt nicht ein , und es wäre vergeblich , ihn überreden zu wollen ; man muß nur abwarten , bis er von selbst zur Oberzeugung kommt . Aber « ( hier brach sie in lautes Schluchzen aus ) » wenn er während der Zeit verzweifelte ! wenn er sich ein Leid antäte - nein ! nein ! das wird er nicht , das kann er nicht ! nicht wahr , Vater , so weit kann es unmöglich kommen ? Ach , könnt ich ihn über diese Zwischenzeit nur schnell wegheben , ihn mit irgendwas beruhigen , ihm einen Trost zusenden ! « Der Alte vernahm diese Worte mit heimlicher Zufriedenheit , denn sie waren ihm nichts anders als das Zeichen der wiedererwachten Neigung für den Bräutigam . » Wenn du es über dich vermöchtest « , sagte er , » ihm deine volle Liebe wiederzuschenken , da wäre freilich am besten geholfen . Siehst du , noch ist im Grunde nichts verloren , noch verdorben ; ja , prüfe dich , mein Kind ! sei mein verständiges Mädchen wieder ! nimm aufs neue meinen Segen mit Theobald hin ; schreib ihm gleich morgen einen unbefangenen heitern Brief , so wie dein letzter vor drei Wochen war , das wird ihn freuen . « Nach einigem Nachdenken antwortete Agnes : » Ihr wißt nicht , Vater , wie es um die Zukunft steht , drum mögt Ihr wohl so sprechen . Aber seht , ich denke nun , Theobald muß ja mein Mann nicht eben sein , und ich darf ihn dennoch liebbehalten . Ist ' s ja doch ohnehin noch nicht an der Zeit , daß wir uns die Brautschaft förmlich aufsagen , und warum soll ich ihn eher als nötig ist , aus seinem guten Glauben reißen , da er die Wahrheit jetzt noch nicht begriffe , warum nicht immerfort so an ihn schreiben , wie er ' s bisher an mir gewohnt war ? Ach , ganz gewiß , ich sündige daran nicht , mein Herz sagt mir ' s er soll , er darf noch nicht erfahren , was ihm blüht , und , Vater , wenn Ihr ihn liebhabt , wenn Euch an seinem Frieden etwas liegt , sagt Ihr ihm auch nichts ! Dagegen aber kann ich Euch versprechen , ich will vorderhand mit Otto nichts mehr gemein haben . Die Zeit wird ja das übrige schon lehren . « Der Förster wußte nicht so recht , was er aus diesen Reden machen sollte , er schüttelte den Kopf , nahm sich aber vor , das Beste zu hoffen , und entließ Agnesen , die sich ruhig wieder niederlegte . Wie groß war seine Freude , als er sie des andern Morgens in aller Frühe mit einem Brief an Theobald beschäftigt fand den sie ihm auch nachher zur Durchsicht reichte , wiewohl mit Widerstreben und ohne gegenwärtig zu bleiben , solange der Alte las . Aber welch köstliche , hinreißende , und doch wohlbedachte Worte waren das ! So kann bloß ein Mädchen schreiben , das völlig ungeteilt in dem Geliebten lebt und webt . Nur die absichtliche Leichtigkeit , womit jene ernsten und tiefen Bewegungen in Agnesens innerm Leben hier gänzlich übergangen waren , frappierte den Vater an dem sonst so redlichen Kinde . Er selber hatte noch geschwankt , ob die Pflicht von ihm fordere , Theobalden von diesen Dingen in Kenntnis zu setzen , oder ob es nicht vielmehr geraten sei , jenem die Sorge und der Braut die Beschämung über eine Sache zu ersparen , die am Ende doch nur unwillkürliche und vorübergehende Folge eines sonderbaren Krankheitszustandes sei . Und nun , da offenbare Hoffnung war , daß alles sich von selbst ausgleiche , bereute er um so weniger , in seinem letzten Schreiben bloß im allgemeinen von wiederholten Gesundheitsstörungen gesprochen zu haben . Er sah bereits die schöne Zeit voraus , wo er dem Schwiegersohne den ganzen Verlauf der seltsamen Begebenheiten in einer traulichen Abendstunde ruhig und wohlgemut wie ein glücklich überstandenes Abenteuer würde erzählen können . Die Rückreise nach Neuburg wurde endlich angetreten . Man begrüßte die Heimat nach längerer Abwesenheit mit doppelter Liebe . Agnes ward allgemein blühender , ansprechender , geselliger gefunden , als man sie vor vier Wochen hatte abreisen sehen ; was aber der Vater mit besonderem Wohlgefallen bemerkte , war , daß ihr die alte Nähe des Vetters gar nicht einzufallen schien . Dieser wurde indessen durch seine Geschäfte ganz außerhalb der Gegend festgehalten , und der Förster durfte einen Überfall , worauf er sich bereits gefaßt gemacht , so bald noch nicht befürchten . Übrigens mußte es nach und nach befremden , daß Nolten seit einem vollen Monat und darüber nichts von sich hören ließ . Der Alte fand es unerklärlich , denn eine Irrung , welche etwa durch die fatale Geschichte entstanden sein möchte , war kaum gedenkbar , da weiter niemand darum wissen konnte ; möglicher schien es , daß Nolten krank , daß Briefe verlorengegangen seien . Agnes hatte dabei ihre besonderen Gedanken und schwieg