wissen , wie mich deine Heimlichkeiten dem Spott und der Beschämung aussetzen ? Ich hätte nie geglaubt , daß du so schlecht , so falsch an mir handeln würdest ! « Von neuem erwachte in Berta das kränkende Gefühl , sich hintangesetzt zu sehen ; ihre Tränen strömten , sie legte die heiße Stirne in die Hand und die reichen Locken flossen über ihr zusammen und verhüllten die Weinende . Tränen sind die Zeichen milderen Schmerzens ; Marie kannte diese Tränen und fuhr mit mehr Vertrauen fort : » Berta ! Du schiltst meine Heimlichkeit ; ich sehe du hast erraten , was ich nie von selbst sagen konnte . Setze dich selbst in meine Lage ; ach , du selbst , so heiter und offen du bist , du selbst hättest mir dein Geheimnis nicht vertrauen können . Aber jetzt ist es ja aus ; du weißt , was meine Lippen auszusprechen sich scheuten ; ich liebe ihn , ja ich werde geliebt , und nicht erst von gestern her . Willst du mich hören ? darf ich dir alles sagen ? « Bertas Tränen flossen noch immer ; sie antwortete nicht auf jene Fragen , aber Marie hub an zu erzählen , wie sie Georg im Hause der seligen Muhme kennengelernt habe ; wie sie ihm gut gewesen , lange ehe er ihr seine Liebe gestanden ; alle jene schönen Erinnerungen lebten in ihr auf , mit glühenden Wangen , mit strahlendem Auge führte sie die Vergangenheit herauf ; sie erzählte von so mancher schönen Stunde , vom Schwur ihrer Treue , von ihrem Abschied . » Und jetzt « , fuhr sie mit wehmütigem Lächeln fort , » jetzt hat ihn dieser unglückliche Krieg auf diese Seite geführt ; er hört , wir seien hier in Ulm , er glaubt nicht anders , als mein Vater sei dem Bunde beigetreten , er hofft , mich durch sein Schwert zu verdienen , denn er ist arm , recht arm ! O Berta , du kennst meinen Vater ; er ist so gut , aber auch so strenge , wenn etwas seiner Meinung widerspricht . Wird er einem Manne seine Tochter geben , der sein Schwert gegen Württemberg gezogen hat ? Siehe , das waren meine Tränen ! Ach , ich wollte dir so oft sagen , warum sie fließen , aber eine unbesiegbare Scham schloß meine Lippen ; kannst du mir noch zürnen ? Muß ich mit dem Geliebten auch die Freundin verlieren ? « Auch Mariens Tränen flossen , und Berta fühlte den eigenen Schmerz von dem größern Kummer der Freundin besiegt . Sie umarmte Marien schweigend und weinte mit ihr . » In den nächsten Tagen « , fuhr diese fort , » will mein Vater Ulm verlassen , und ich muß ihm folgen . Aber noch einmal muß ich Georg sprechen , nur ein Viertelstündchen ; Berta , du kannst gewiß Gelegenheit geben ; nur ein ganz kleines Viertelstündchen ! « » Du willst ihn doch nicht der guten Sache abwendig machen ? « fragte Berta . » Was nennst du die gute Sache ? « antwortete Marie . » Des Herzogs Sache ist vielleicht nicht minder gut als die eure ; du sprichst so , weil ihr bündisch seid ; ich bin eine Württembergerin , und mein Vater ist seinem Herzoge treu . Doch sollen wir Mädchen über den Krieg entscheiden ? Laß uns lieber auf Mittel sinnen , ihn noch einmal zu sehen . « Berta hatte über der Teilnahme , mit welcher sie der Geschichte ihrer Base zugehört hatte , ganz vergessen , daß sie ihr jemals gram gewesen war . Sie war überdies für alles Geheimnisvolle eingenommen , daher kamen ihr diese Mitteilungen erwünscht ; sie fühlte , wie wichtig und ehrenvoll der Posten einer Vertrauten sei und gab sich daher alle mögliche Mühe , dem liebenden Paare mit ihrem Scharfsinn zu dienen . » Ich hab ' s gefunden « , rief sie endlich aus , » wir laden ihn geradezu in den Garten . « » In den Garten ? « fragte Marie schüchtern und ungläubig , » und durch wen ? « » Sein Wirt , der gute Vetter Dieterich muß ihn selbst bringen « , antwortete sie , » das ist herrlich , und dieser darf auch kein Wörtchen davon merken , laß nur mich dafür sorgen . « Marie , entschlossen und stark bei großen Dingen , zitterte doch bei diesem gewagten Schritte . Aber ihre mutige , fröhliche Base wußte ihr alle Bedenklichkeiten auszureden , und mit zurückgekehrter , mit erneuerter Hoffnung und befreit von der Last des Geheimnisses , umarmten sich die Mädchen , ehe sie sich zur Ruhe legten . VII Und wie ein Geist schlingt um den Hals Das Liebchen sich herum : » Willst mich verlassen , liebes Herz Auf ewig ? « und der bittre Schmerz Macht ' s arme Liebchen stumm . Schubart Sinnend und traurig saß Georg am Mittag nach dem festlichen Abend in seinem Gemach . Er hatte Breitenstein besucht und wenig Tröstliches für seine Hoffnungen erfahren . Der Kriegsrat hatte sich an diesem Morgen versammelt und unwiderruflich war der Krieg beschlossen worden . Zwölf Edelknaben waren , die Absagebriefe des Herzogs von Bayern , der Ritterschaft und gesamter Städte an ihre Lanzen geheftet , zum Gögglinger Tor hinausgejagt , um die Feindesbotschaft dem Württemberger nach Blaubeuren zu bringen . Auf den Straßen rief man einander fröhlich diese Nachricht zu , und die Freude , daß es jetzt endlich ins Feld gehen werde , stand deutlich auf allen Gesichtern geschrieben . Nur einen traf diese Kunde wie das schreckliche Machtwort seines Schicksals . Der Gram trieb ihn aus dem Kreise der fröhlichen Gesellen , die jetzt den Weinstuben zuzogen , um in lautem Jubel das Geburtsfest des Krieges zu begehen und das Los künftiger Siege im Würfelspiel zu belauschen . Ach ! ihm waren ja schon die Würfel gefallen ! ein blutiges Schlachtfeld dehnte sich zwischen ihm