Angelegenheit gebeugt , und nun empört sich mein schwacher Geist bei der Furcht vor körperlichen Leiden . « - Ich erfuhr nun , daß ein lang empfundnes , lang verschwiegnes Uebel sich endlich so furchtbar entwickelt habe , daß sie nicht hoffen dürfe , ihr Leben anders , als vermöge einer sehr schmerzhaften , gewagten Operation zu erhalten . Die Erwartung des peinigenden Schmerzes erschütterte ihren zarten Körper , sie rang mit Ernst , ihrer Vernunft den Sieg über die widerspenstige Natur zu verschaffen . Anfangs ergriff mich der hohe Flug ihrer frommen Begeisterung , aber bald empfand ich dabei die Unbehaglichkeit , welche uns bei warmen Empfindungen , die wir nicht zu theilen fähig sind , befällt . Unter dem Vorwand , daß sie Ruhe bedürfe , beredete ich sie , sich niederzulegen , und verließ ihr Zimmer . Noch vor vier Monaten würde ich nicht fähig gewesen seyn , eine Nacht auf dem Ball zuzubringen , in welcher der letzte von meines Vaters Dienern gefährlich krank gewesen wäre , und jetzt stand ich an , mich bei dem bedenklichen Zustand der Freundin meiner Mutter und meiner Freundin einem solchen Zeitvertreibe zu entsagen . Gewohnt , Miß Arnold in jeder Angelegenheit zu meiner Vertrauten zu machen , theilte ich ihr meine Zweifel mit . Sie bewies mir , daß mein Opfer Miß Mortimer von gar keinem Nutzen sey , daß sie gar keines Beistandes bedürfe , und in diesem Fall der meine ihr nicht so nützlich sey , wie die Sorgfalt ihres Dienstmädchens ; ja sie machte es sogar zu einer Finanzsache , so eine ungeheure Summe , wie mein Anzug gekostet hatte , nicht vergeblich ausgegeben zu haben . Meine Thorheit war ihre Bundsgenossin , also ward ihr der Sieg leicht , und es blieb nur der drohende Augenblick noch zu überstehen , der Kranken unsre Absicht , rücksichtlich des Maskenballs , bei unserm Weggehen zu erklären . Wir gestanden uns gegenseitig nicht , daß wir hofften , Miß Mortimer würde ihrer Unpäßlichkeit wegen ihr Schlafzimmer gar nicht verlassen , und dann jede Erklärung unnöthig seyn . Wie unser Putz angelegt war , begaben wir uns in das Besuchzimmer , den Wagen zu erwarten . In meiner Seele befand sich keine Spur der Sorglosigkeit , welche ein Fest , wie das , welchem wir entgegengingen , anziehend machen kann . Ich äußerte gegen Miß Arnold noch einmal meinen Wunsch , lieber Miß Mortimer in ihrem Schlafzimmer aufzusuchen , als ohne ihr Wissen das Haus zu verlassen . Wir stritten uns noch über diesen Gegenstand , als meine würdige Freundin unerwartet eintrat . Sie sah blaß und hinfällig aus , kam aber mit ihrem gewöhnlichen leisen , raschen Schritte auf uns zu . Bei ihrem ersten Anblick zog ich mich unwillkürlich hinter Miß Arnold zurück . Die Sünde macht uns jetzt noch so einfältig , wie unser erster Vater im Paradiese , als er schuldig wurde , es war . Auf diese Weise fiel ihr nur Miß Arnold ins Auge , und sie rief freundlich : » Sie sind ja wie zum Siege gerüstet ! Nie sah ich etwas so anmuthig Fantastisches , wie diesen Anzug . « - Jetzt erblickte sie aber mich , und die Wahrheit ward ihr plötzlich klar , denn sie fuhr zurück und wechselte die Farbe . - Eine Todtenstille erfolgte ; ich blickte stumm zu Boden . Julie fand zuerst die Sprache wieder , sie sagte nachlässig : » Herr Percy hat uns eine Stunde auszugehen erlaubt . « - » Ja , setzte ich zögernd hinzu , der Vater erlaubte es uns , und wir bleiben nur eine kleine Weile . « - Schüchtern blickte ich sie an und fand sie so blaß , wie den Tod . » Miß Mortimer , rief ich , auf sie zueilend , zürnen Sie nicht zu sehr ! « - » Miß Percy « , sagte sie mit leiser , mühseeliger Stimme , » ich maßte mir eine Herrschaft über Sie an , diese Gelegenheit nöthigte Sie um so weniger , mich zu .... « Sie hielt das wohlverdiente Wort zurück , aber mein Gewissen ersetzte es . Ich versicherte sie nun , ich rief Miß Arnold zum Zeugen , daß es nie meine Absicht gewesen sey , ohne ihr Wissen auf den Ball zu gehen . Miß Mortimer antwortete sanft , gütig , aber mit unverkennbar tiefem Schmerz : » Am wenigsten heute , an dem letzten Tage « - so sagte sie , und ihre Gemüthsbewegung benahm ihr die Stimme . Ich sah nur diese , der Sinn ihrer Worte entging mir in der Heftigkeit streitender Empfindungen , und wenn gleich die bessern in diesem Augenblick aufgeregt waren , behielt doch der Leichtsinn den Sieg , und wir fuhren zum Ball . Bei der Stimmung in der ich mich befand , ward ich beim Eintritt in den Saal wirklich betäubt ; ich hielt mühselig den Gedanken fest , mich Lady St. Edmond , die als Wirthin keine Maske trug , zu entdecken und nicht mehr von ihrer Seite zu gehen . Doch wie ich mich ihr nahen wollte , trat eine Sultans-Maske auf mich zu und sprach mich als eine Fremde an . Auf den ersten Blick erkannte ich Lord Friedrich ; da ich die Wahl seiner Kleidung , in Verbindung mit der meinen , unmöglich für Zufall halten könnte , erschreckte mich der Gedanke , mein Geheimniß , das niemand wie Miß Arnold bekannt gewesen war , verrathen zu sehen . Die Eitelkeit in einem angenommenen Charakter zu sprechen , bewog mich aber doch dem Sultan gleichfalls als Fremde zu antworten . In wenigen Momenten hatten wir uns in ein nichtsbedeutendes Gespräch verwickelt , und wie ich mich umsah , war Lady St. Edmond von ihrem Platze verschwunden . Hastig begann ich sie zu suchen , der Sultan blieb mir zur Seite , hielt meine Schritte auf und lenkte mich durch seine Bemerkungen über manchen meiner Bekannten , den er mich unter