wird sie es überleben ! « - » Sie bleiben ihr « , sagte Mucius und trocknete mir sanft die Augen . » Er ist ihr Liebling « , fuhr ich fort , » und verdient es zu sein . « - » Beide verdienen es ! Beide ! « rief Mucius , indem er meine Hand mit Heftigkeit an seine Lippen drückte . » Glücklicher Emil ! « setzte er hinzu , und eine Träne glänzte in seinen dunkelbraunen Augen . » Glücklicher Emil , Engel weinen um dich ! ich Unglücklicher habe keine Schwester ! « - » Ich will auch die Ihrige sein « , sagte ich , und meine Tränen flossen stärker . » Virginia ! « rief er im Ausruf des Entzückens und schlang den Arm um mich , ich sank im Übermaß des Gefühls an seine Brust . Unsre Lippen begegneten sich unwillkürlich ; wir hielten uns lange in sprachloser Seligkeit umarmt . » Oh , das Leben ist schön ! « rief endlich Mucius ; » es will mich halten mit all seinem Zauber ; gerade da ich es aufs Spiel setzen will , entfaltet es mir seine schönsten Blüten . Aber nicht dem Feigen würde dieses holde Auge lächeln , nein , ich muß kämpfen um so schönen Preis ! Wird Virginia den Sieger lieben ? « fragte er mit Schmeicheltönen . » Ewig ! « entgegnete ich . » Mein ? « - » Dein ! « riefen wir beide aus einem Munde , und eine zweite Umarmung besiegelte den Bund für die Ewigkeit . Oh , seliges Gefühl , wenn zwei Seelen , welche der Schöpfer aus einem Lichtfunken gebildet , sich finden und sich verbinden auf ewig ! Die Gegenwart und ihre kleinen Verhältnisse verschwinden dem trunkenen Auge , es sieht nur aufwärts zum Quell des Lichts . Auch meine Tränen waren plötzlich versiegt , und mein Herz jauchzte insgeheim mitten unter den Äußerungen der allgemeinen Besorgnis . Die Tränen meiner Mutter taten mir wehe , ich machte mir Vorwürfe , daß ich so glücklich war , aber ich konnte es nicht ändern , ich war glücklich . Es wurde beschlossen , daß wir sogleich die Rückreise nach Chaumerive antreten wollten , um den geliebten Emil so bald als möglich an unser Herz zu schließen ; Mucius war sogleich entschlossen , uns zu begleiten . Der Oheim schüttelte ihm zum Abschiede kräftig die Hand : » Du bist ein braver Junge « , sagte er , » tu deine Pflicht , und Gott sei mit dir , Mucius ! « - » Mit dem Schilde , Oheim , oder auf dem Schilde ! « entgegnete dieser langsam , mit Nachdruck . » Mucius Scävola « rief mein Vater und schloß ihn mit feuchten Augen an seine Brust . Marie weinte heftig , als er sie zum Abschied küßte , dann umarmte sie mich , sahe mich einen Augenblick nachdenkend an , ein halbes Lächeln schwebte auf ihrem leidenden Gesichte , sie schüttelte leise den Kopf , als wollte sie sagen : » Keine wird ihn haben ! « Sie trocknete mutig ihre Tränen und schmiegte sich sanft resigniert an ihren Vater . Unsre Rückreise war nicht erfreulich . Meine Mutter war meistens leidend und in sich gekehrt , soviel Mühe sich auch die Männer gaben , sie zu beruhigen ; mein leuchtendes Auge schien ihr wundes Gefühl oftmals zu verletzen . Auf der andern Seite aber war es mir eine hohe Freude , zu bemerken , wie mein Vater mit jeder Minute mehr Gefallen an meinem Geliebten fand . Er erzählte ihm seinen amerikanischen Feldzug und verjüngte sich mitten unter den Bildern seiner Jugend . » Dein Bruder fiel ! « seufzte meine Mutter . » Für seine Überzeugung , für eine gute Sache und von allen seinen Kameraden beweint ! « rief mein Vater , » kann das längste Leben einen so schönen Tod aufwiegen ? « - » Auch ein Leben voll Liebe nicht ? « fragte meine Mutter und drückte zärtlich seine Hand . » Das Leben ist schön « , erwiderte er und umarmte sie , » aber der Heldentod des Jünglings ist es nicht minder . « - » Wohl ist er zu beneiden « , sagte Mucius , » wenn ein schönes Auge um ihn weint ; er lebt dann in diesen köstlichen Tränen ein seliges Leben ! « Eine dunkle Wolke flog bei diesen Worten durch meine Seele , aber mutig scheuchte ich sie hinweg . » Glückliches Geschlecht « , sagte ich , » das handelnd eingreifen kann in die großen Weltbegebenheiten ! « - » Preise das deine glücklich « , antwortete mein Vater , » dem ein kleinerer Kreis bezeichnet wurde ; es hat keine schmerzliche Wahl , kann nicht schwanken zwischen den Pflichten für sein Haus und für sein Land . « - » Ich erkenne es , mein Vater « , sagte ich , seine Hand küssend . Ich verstand recht gut , was an seinem Geiste vorüberging . Wir trafen in Chaumerive fast zugleich mit dem teuern Emil ein . Meine Mutter schloß ihn leidenschaftlich in ihre Arme und schien noch einige Hoffnung zu hegen , ihn zurückzuhalten ; doch überzeugte sie seine ruhige Haltung und meines Vaters bestimmte Erklärung sehr bald , daß sie sich dem Unvermeidlichen ergeben müsse . Sie tat es mit der besten Fassung von der Welt , augenscheinlich in der Absicht , das Herz ihres Lieblings nicht schwer zu machen . O Allmacht der mütterlichen Liebe , welche Wunder bringst du hervor ! Meine arme Mutter , sonst so heftig in den Äußerungen ihres Schmerzes , gewann es über sich , ihrem Sohn immer ein heiteres Gesicht zu zeigen , während ihr Herz aus tausend Wunden blutete . Sie war rastlos mit seinen kleinen Bedürfnissen beschäftigt und sprach sogar scherzend von seiner baldigen siegreichen Rückkehr . Nur in der Stille des Morgens hörte ich oft ihr Schluchzen im anstoßenden Kabinett und