Herrn , den fremden Grafen und die Gräfin Rosa von ihm auf das beste grüßen , und für die lang erwiesene Freundschaft in seinem Namen danken ; er für seinen Teil reise in die Residenz , wo er sie früher oder später wiederzusehen hoffe . Darauf habe er dem Pferde die Sporen gegeben und sei in den Wald hineingeritten . » Lebe wohl , guter , unruhiger Freund ! « rief Leontin bei dieser Nachricht aus , » ich könnte wahrhaftig in diesem Augenblicke recht aus Herzensgrunde traurig sein , so gewohnt war ich an dein wunderliches Wesen . Fahre wohl , und Gott gebe , daß wir bald wieder zusammenkommen ! « » Amen « , fiel Rosa ein ; » aber was in aller Welt hat ihn denn auf das Dach hinaufgetrieben und bewogen , uns dann so plötzlich zu verlassen ? « - Niemand wußte sich das Rätsel zu lösen . Aber die kleine Marie hörte während der ganzen Zeit nicht auf , geheimnisvoll zu kichern , Friedrich erinnerte sich auch an das gestrige , sonderbare Nachtlied vor dem Fenster , und nun übersahen sie nach und nach den ganzen Zusammenhang . Faber hatte nämlich gestern abend mit Marie eine heimliche Zusammenkunft in der Dachkammer , wo sie schlief , verabredet . Das schlaue Mädchen aber hatte , statt Wort zu halten , das Dachfenster von innen fest versperrt und sich , ehe noch Faber so künstlich von ihnen weggeschlichen , in den Wald hinausbegeben , wo sie abwartete , bis der Verliebte , der Verabredung gemäß , auf der Leiter das Dach erstiegen hatte . Dann sprang sie schnell hervor , nahm die Leiter weg und sang ihm unten das lustige Ständchen , das Friedrich gestern belauscht , während Faber , stumm vor Zorn und Scham , zwischen Himmel und Erde schwebte . Leontin und Rosa lachten unmäßig und fanden den Einfall überaus herrlich . Friedrich aber fand ihn anders und schüttelte unwillig den Kopf über das vierzehnjährige Mädchen . Sie setzten nun also ihre Reise allein weiter fort . Der Morgen war sehr heiter , die Gegend wunderschön ; dessenungeachtet konnten sie heute gar nicht recht in die alte Lust und gewohnte Gesprächsweise hineinkommen . Faber fehlte ihnen und wurde von allen vermißt , besonders von Leontin , der fortwährend einen Ableiter seines überflüssigen Witzes brauchte . Dazu taugte ihm aber gerade niemand besser , als Faber , der komisch genug war , um Witz zu erzeugen und selber witzig genug , ihn zu verstehn . Friedrich nannte daher auch alle Gespräche zwischen Leontin und Faber egoistische Monologe , wo jeder nur sich selbst reden hört und beantwortet , anstatt daß er bei jeder Unterhaltung mit redlichem Eifer für die Sache selbst in den anderen überzeugend einzudringen suchte . Am sichtbarsten unter allen aber war Rosa verstimmt . Sie hatte sich ganz besondere , unerhörte Ereignisse und Wunderdinge von der Reise versprochen , und da diese nun nicht erscheinen wollten und auch der Schimmer der Neuheit von ihren Augen gefallen war , fing sie nach und nach an zu bemerken , daß es sich doch eigentlich für sie nicht schicke , so allein mit den Männern in der Welt herumzustreifen , und sie hatte keine Ruhe und keine Lust mehr an den ewigen , langweiligen Steinen und Bäumen . So waren sie an einen freigrünen Platz auf dem Gipfel einer Anhöhe gekommen und beschlossen , hier den Mittag abzuwarten . Ringsum lagen niedrigere Berge mit Schwarzwald bedeckt , von der einen Seite aber hatte man eine weite Aussicht ins ebene Land , wo man die blauen Türme der Residenz an einem blitzenden Strome sich ausbreiten sah . Der mitgenommene Mundvorrat wurde nun abgepackt , ein Feldtischchen mitten in der Aue aufgepflanzt , und alle lagerten sich in einem Kreise auf dem Rasen herum und aßen und tranken . Rosa mochte launisch nichts genießen , sondern zog , zu Leontins großem Ärgernis , ihre Strickerei hervor , setzte sich allein seitwärts und arbeitete , bis sie am Ende darüber einschlief . Friedrich und Leontin nahmen daher ihre Flinten und gingen in den Wald , um Vögel zu schießen . Die lustigen bunten Sänger , die von einem Wipfel zum andern vor ihnen herflogen , lockten sie immer weiter zwischen den dunkelgrünen Hallen fort , so daß sie erst nach langer Zeit wieder auf dem Lagerplatze anlangten . Hier kam ihnen Erwin mit auffallender Lebhaftigkeit und Freude entgegengesprungen und sagte , daß Rosa fort sei . Ein Wagen , erzählte der Knabe , sei bald , nachdem sie fortgegangen waren , die Straße hergefahren . Eine schöne , junge Dame sah aus dem Wagen heraus , ließ sogleich stillhalten und kam auf die Gräfin Rosa zu , mit der sie sich dann lange sehr lebhaft und mit vielen Freuden besprach . Zuletzt bat sie dieselbe , mit ihr zu fahren . Rosa wollte anfangs nicht , aber die fremde Dame streichelte und küßte sie und schob sie endlich halb mit Gewalt in den Wagen . Die kleine Marie mußte auch mit einsitzen , und so hatten sie den Weg nach der Residenz eingeschlagen . - Friedrich kränkte bei dieser unerwarteten Nachricht die Leichtfertigkeit , mit der ihn Rosa so schnell verlassen konnte , in tiefster Seele . Als sie an den Feldtisch in der Mitte der Aue kamen , fanden sie dort ein Papier , worauf mit Bleistift geschrieben stand : » Die Gräfin Romana . « » Das dacht ich gleich « , rief Leontin , » das ist so ihre Weise . « - » Wer ist die Dame ? « fragte Friedrich . - » Eine junge , reiche Witwe « , antwortete Leontin , » die nicht weiß , was sie mit ihrer Schönheit und ihrem Geiste anfangen soll , eine Freundin meiner Schwester , weil sie mit ihr spielen kann , wie sie will , eine tollgewordene Genialität , die in die Männlichkeit hineinpfuscht . « Hierbei wandte er sich ärgerlich zu