Gesellschaft auf eine so feine Art beizustehen , daß dieser Beistand , statt bemerkt zu werden , nur dazu diente , Aureliens natürlichen Verstand und tiefes richtiges Gefühl so herauszuheben , daß man sie bald mit der höchsten Achtung auszeichnete . Der Baron ergoß sich bei jeder Gelegenheit in Euphemiens Lob , und hier traf es sich vielleicht zum erstenmal in unserm Leben , daß wir so ganz verschiedener Meinung waren . Gewöhnlich machte ich in jeder Gesellschaft mehr den stillen aufmerksamen Beobachter , als daß ich hätte unmittelbar eingehen sollen in lebendige Mitteilung und Unterhaltung . So hatte ich auch Euphemien , die nur dann und wann nach ihrer Gewohnheit , niemanden zu übersehen , ein paar freundliche Worte mit mir gewechselt , als eine höchst interessante Erscheinung recht genau beobachtet . Ich mußte eingestehen , daß sie das schönste , herrlichste Weib von allen war , daß aus allem , was sie sprach , Verstand und Gefühl hervorleuchtete ; und doch wurde ich auf ganz unerklärliche Weise von ihr zurückgestoßen , ja ich konnte ein gewisses unheimliches Gefühl nicht unterdrücken , das sich augenblicklich meiner bemächtigte , sobald ihr Blick mich traf oder sie mit mir zu sprechen anfing . In ihren Augen brannte oft eine ganz eigne Glut , aus der , wenn sie sich unbemerkt glaubte , funkelnde Blitze schossen , und es schien ein inneres verderbliches Feuer , das nur mühsam überbaut , gewaltsam hervorzustrahlen . Nächstdem schwebte oft um ihren sonst weich geformten Mund eine gehässige Ironie , die mich , da es oft der grellste Ausdruck des hämischen Hohns war , im Innersten erbeben machte . Daß sie oft den Hermogen , der sich wenig oder gar nicht um sie bemühte , in dieser Art anblickte , machte es mir gewiß , daß manches hinter der schönen Maske verborgen , was wohl niemand ahne . Ich konnte dem ungemessenen Lob des Barons freilich nichts entgegensetzen als meine physiognomischen Bemerkungen , die er nicht im mindesten gelten ließ , vielmehr in meinem innerlichen Abscheu gegen Euphemien nur eine höchst merkwürdige Idiosynkrasie fand . Er vertraute mir , daß Euphemie wahrscheinlich in die Familie treten werde , da er alles anwenden wolle , sie künftig mit Hermogen zu verbinden . Dieser trat , als wir soeben recht ernstlich über die Angelegenheit sprachen und ich alle nur mögliche Gründe hervorsuchte , meine Meinung über Euphemien zu rechtfertigen , ins Zimmer , und der Baron , gewohnt in allem schnell und offen zu handeln , machte ihn augenblicklich mit seinen Plänen und Wünschen rücksichts Euphemiens bekannt . Hermogen hörte alles ruhig an , was der Baron darüber und zum Lobe Euphemiens mit dem größten Enthusiasmus sprach . Als die Lobrede geendet , antwortete er , wie er sich auch nicht im mindesten von Euphemien angezogen fühle , sie niemals lieben könne und daher recht herzlich bitte , den Plan jeder näheren Verbindung mit ihr aufzugeben . Der Baron war nicht wenig bestürzt , seinen Lieblingsplan so beim ersten Schritt zertrümmert zu sehen , indessen war er um so weniger bemüht , noch mehr in Hermogen zu dringen , als er nicht einmal Euphemiens Gesinnungen hierüber wußte . Mit der ihm eignen Heiterkeit und Gemütlichkeit scherzte er bald über sein unglückliches Bemühen und meinte , daß Hermogen mit mir vielleicht die Idiosynkrasie teile , obgleich er nicht begreife , wie in einem schönen interessanten Weibe solch ein zurückschreckendes Prinzip wohnen könne . Sein Verhältnis mit Euphemien blieb natürlicherweise dasselbe ; er hatte sich so an sie gewöhnt , daß er keinen Tag zubringen konnte , ohne sie zu sehen . So kam es denn , daß er einmal in ganz heitrer , gemütlicher Laune ihr scherzend sagte , wie es nur einen einzigen Menschen in ihrem Zirkel gebe , der nicht in sie verliebt sei , nämlich Hermogen . - Er habe die Verbindung mit ihr , die er , der Baron , doch so herzlich gewünscht , hartnäckig ausgeschlagen . Euphemie meinte , daß es auch wohl noch darauf angekommen sein würde , was sie zu der Verbindung gesagt , und daß ihr zwar jedes nähere Verhältnis mit dem Baron wünschenswert sei , aber nicht durch Hermogen , der ihr viel zu ernst und launisch wäre . Von der Zeit , als dieses Gespräch , das mir der Baron gleich wieder erzählte , stattgefunden , verdoppelte Euphemie ihre Aufmerksamkeit für den Baron und Aurelien : ja in manchen leisen Andeutungen führte sie den Baron darauf , daß eine Verbindung mit ihm selbst dem Ideal , das sie sich nun einmal von einer glücklichen Ehe mache , ganz entspreche . Alles , was man rücksichts des Unterschieds der Jahre oder sonst entgegensetzen konnte , wußte sie auf die eindringendste Weise zu widerlegen , und mit dem allen ging sie so leise , so fein , so geschickt Schritt vor Schritt vorwärts , daß der Baron glauben mußte , alle die Ideen , alle die Wünsche , die Euphemie gleichsam nur in sein Inneres hauchte , wären eben in seinem Innern emporgekeimt . Kräftiger , lebensvoller Natur , wie er war , fühlte er sich bald von der glühenden Leidenschaft des Jünglings ergriffen . Ich konnte den wilden Flug nicht mehr aufhalten , es war zu spät . Nicht lange dauerte es , so war Euphemie zum Erstaunen der Hauptstadt des Barons Gattin . Es war mir , als sei nun das bedrohliche grauenhafte Wesen , das mich in der Ferne geängstigt , recht in mein Leben getreten und als müsse ich wachen und auf sorglicher Hut sein für meinen Freund und für mich selbst . - Hermogen nahm die Verheiratung seines Vaters mit kalter Gleichgültigkeit auf . Aurelie , das liebe , ahnungsvolle Kind zerfloß in Tränen . Bald nach der Verbindung sehnte sich Euphemie ins Gebirge ; sie kam her , und ich muß gestehen , daß ihr Betragen in hoher Liebenswürdigkeit sich so ganz gleich blieb , daß sie mir unwillkürliche Bewunderung abnötigte . So verflossen