Hinderndes erinnert , allein kaum hatte er es ausgesprochen , so erschrak er auch auf das heftigste vor dem entsetzlichen Gedanken . Ja , ja , rief er , mein Anblick wird sie stören , muß sie ewig stören ! wie ein Gespenst werde ich zwischen ihre fromme Ergebung treten , werde die ungeheure Pflicht mir verzeihen zu müssen , in die zurückgezogene Herzen drücken . Unter Eisesschauern , scheu , in Todesangst werden sie mir gegenüber stehn . Kann ich den Schmerzesstachel aus ihrer Seele ziehn , kann ich das Geschehene ungeschehen machen ? Wie soll die Mutter mir vergeben ! Sie dachte es wohl , da das Unglück ihr so fern schien , jetzt aber ! - Blansche - und du ? wirst du hassen und lieben zugleich ! Ach Gott ! was die Rührung , was des offnen Grabes Stimme Dir aus dem Herzen riß , was Du bewegt verhießest , es ist auch wohl jetzt verklungen . Der stumme Schmerz verschließt dir nun die Welt , du bist ernst und ruhig ; von da zur Kälte und Strenge ist nur ein Schritt ! Verdammen wird deine Engelsmilde mich just nicht , doch abwehren , zurückdrängen wirst du den feindlichen Störer ! Er ging heftig in den dunkeln Schattengängen auf und ab . Die Nacht war wolkig und kühl , durch die Fenster sah er Licht , nur am Gartensaale hin war alles verschlossen , vor der Glasthüre war noch eine äußere hölzerne angelehnt , breite eiserne Querstangen lagen wie Riegel darüber . Hier , dachte Alonzo , hier trugen sie den Sarg hinaus zwischen den Blumen hin ! alle rauschten und klagten über das früh gebrochene Leben ! Er sahe den Leichenzug , den bleichen Kerzenschein , der Blumen wunderliches Wanken . Zufällig stieß der Wind gegen die Thür , sie bebte zwischen den Eisenklammern , ihm war als falle sie jetzt erst zu . Gruft und Gewölbe und des Todes dunkle Angst zog durch seine Sinne . Er blieb vor der Thüre stehen . Alles ausgestorben , rief er ! und durch dich Unglückseliger ! Das war der namenlose Druck , die Pein , die mich hier in Frankreich folterte . Der Haß , der Freiheitsdurst war es nicht allein ! Das stolze Herz verlangte nach den großen Worten , es konnte nichts die heiße Brust füllen , die unbestimmte Angst wollte einen Namen haben . Darum befeindete ich das arme , verblendete Volk und dich , du lieber verführter Jüngling ! So hämisch riß mich mein Geschick in den Abgrund . Ich hätte dich versteh ' n sollen ! der Vorschmack dieser Höllenqualen der lag mir in der Seele ! Hier klopfte es leise auf seine Schulter . Er fuhr rasch zurück . Jesus ! mein Erlöser rief er , das Kreutz schlagend . Ihm war nicht anders , als sehe er Türgis vor sich steh ' n. Was erschrecken Sie nur so heftig , rief eine bekannte Stimme fast unter gleichen Schauern bebend ! Sind Sie es Philipp , sagte Alonzo etwas beschämt . Ja , entgegnete dieser , zutraulich seine Hand fassend , ich komme für einige Tage Abschied zu nehmen . Alonzo konnte sich noch nicht recht von dem gehabten Schreck erholen , er betrachtete ihn ganz verwirrt . Philipp war in einen weißen Beutemantel gewickelt , das kleine Barett lag nachläßig auf die dunkeln Locken , so daß diese hervorquillend die Stirn beschatteten und vom Nachthauch bewegt , einen unkenntlich machenden Schein aufs Gesicht warfen . Ich werde , sagte er , jenen durch seine Stimme beruhigend , noch in dieser Nacht von hier in Aufträgen versandt . Ich denke es ist das letzte Geschäft der Art , was mir überkommt . Morgen wird der Friede unterzeichnet , ich fodre dann meinen Abschied . Er kann mir nicht entstehn . Bis dahin bleibe ich bei meinem Regimente . Doch sobald ich frei bin , kehre ich noch einmal zurück , um alsdann von hier meinen Weg nach Rom zu nehmen . Nach Rom , wiederholte Alonzo gedankenvoll . Meine ganze Seele , fuhr jener fort , durstet danach . Haben Sie nicht gelesen , wie der heilige Vater , auf dem Altane stehend , den Segen austheilte und das Weihwasser mild träufelnd vom Himmel sprühete ? O die ewige Liebe weiß es , wieviel tausend Wunden jetzt an diesem Balsam heilen müssen ! Sein herrliches Auge glänzte wie ein milder Stern im Dunkeln . Alonzo fühlte sich leise erschüttert . Glauben Sie mir , fuhr Philipp fort , wir leben in einer dreisten , kühnen Zeit , die tiefsinnigsten Wunder werden herausgerissen , ans Licht geworfen , beklügelt , besprochen . Alle wollen alles wissen , es thut uns Noth , daß wir uns in Demuth zurückziehn und still und heimlich werden . Die Luft hier ist trocken und kühl , sie wirft einen fahlen Staub auf das Mysterium des Lebens . Wir halten den blassen Nebel für Licht und wenden das Auge bequem ohne Blendung hier hin und dorthin , und bleiben doch immer auf dem alten Fleck . Vor jener Sonne aber reißt das Netz , wir werden erschrecken und das eben brauchen wir . - Sie gingen schweigend weiter . Vor Alonzos Wohnung standen sie noch einen Augenblick . Sie kommen also gewiß wieder , fragte Alonzo ? - gewiß , erwiederte Philipp , doch meines Bleibens darf hier nur kurz sein . Auch Sie , setzte er hinzu , thun wohl bald von hier fortzukommen . Alonzo drückte verlegen seine Hand . Der Kampf , sagte Philipp ernst , ist kein Unglück , wohl aber die Beschwichtigung . Nichts ist dem Menschen so gefährlich als sich mit dem aussöhnen , was ihm feindlich entgegenstehen soll , und Frevel wird es , alles Hohe und Herrliche der Seele augenblicklichen Beziehungen unterwerfen , und denken zu wollen , man sei eben nicht größer als das Herz es wolle . Sein Blick flammte , des Geistes fromme Erleuchtung hob