nur ! es ist Alles für dich ! Sieh , das prächtige Clavier und die Harfe , und die Kiste mit lauter feinen weissen Kleidern hat dir der Fürst , das schöne Stück Leinwand und die hübsche Nählade die Mutter , und das Gesangbuch mit Silber beschlagen der Vater , und wir haben dir Alle von unserm Honigkuchen , Zuckergebackenen , Aepfeln und Nüssen dazu beschert . Nimm ! nimm ! - riefen die Kleinen darein - schmeckt gut , und sollst doch , wenn wir auch unsers aufgegessen haben , Alles behalten , und wollen nichts wieder von dir fordern ! Nun entstand mit einemmale im Nebenzimmer ein Gelächter . Es ist der Fürst und Herr Stephani und der Vater ! - flüsterten die Aeltesten - sie haben sich versteckt und zugesehen , wie du erschrocken bist , und dich gefreut hast , und du wirst jetzt eine ordentliche vornehme Dame , und sollst Clavier und Harfe spielen , und Singen und Zeichnen lernen , und gar nicht mehr für die Leute nähen . Was schwatzt ihr denn da ? - sagte endlich die Frau Präsidentin - Laßt doch das arme Mädchen zu sich selbst kommen ! Und nun zeigte sie mir Alles und sagte : es sey wirklich für mich , und der Fürst wolle mich Alles lernen lassen , und wenn es die Mutter und der Herr Vetter zufrieden wären , wolle sie mich ganz zu sich ins Haus nehmen . Ich solle es ihr heute gleich schreiben und bitten , daß sie es überlege , und mir bald Antwort gäbe . Es sey ja Alles zu meinem wahren Glücke ; denn zu etwas Anderem werde sie nimmermehr rathen . Das sagte sie auch zu dem Herrn Vetter . Der wurde aber ganz betrübt , und sagte : er werde es nicht verschmerzen , und werde ihm kein Essen mehr schmecken . Da hieß mich aber die Frau Präsidentin hinausgehen , und sagte , sie wolle mit dem Herrn Vetter allein sprechen . Sie muß ihm gewiß recht zugeredet haben , denn als er zu Hause kam , sagte er : packe zusammen Gretchen , und mache , daß du aus dem Hause kommst . Aber thue ' s heimlich , sprich mir nichts von Abschied , und wenn du mich alten Mann nicht kränken willst , so sieh des Tages wenigstens einmal nach mir . Hoffärtig wirst du nicht werden , das weiß ich schon , und so gehe mit Gott ! Ich will in die Werkstätte und will ' s verarbeiten . Ich hielt ' ihn aber fest bei der Hand , und sagte : liebster Herr Vetter ! sey er doch nicht gar zu betrübt ! sonst kann ich nicht aus dem Hause , und was hilft mir all mein Glück , wenn er es nicht ertragen kann ? Ich will ' s ertragen - sagte er wischte sich aber die Thränen ab - und jetzt laß mich gehen ! Ich will dir ein Andenken machen , das sollen mir die jungen , neumodischen Bursche ungehudelt lassen , und soll Jedermann Respect dafür haben . Ich aber konnte nun auch das Weinen nicht mehr lassen , und hätte beinahe gewünscht , es mögte ganz anders gekommen seyn . Als ich mich aber recht ausgeweint hatte , wurde ich mit einemmale wieder heiter , und dachte : wie , wenn du nun aber dem Vetter in der einen Stunde , wo du etwa kommen kannst , mehr Freude machtest , als sonst am ganzen Tage ? - Kannst ja immer vorher daran denken , kannst ihm ein Gericht , was er gern ißt , oder sonst etwas Angenehmes bereiten , kannst dir die Zeitungen anschaffen , und ihm gleich , ehe er es noch sonst wo erfährt , das Neueste daraus erzählen . Den Mägden kannst du auch immer etwas mitbringen , daß sie besser arbeiten und mit der Frau Base nicht uneinig werden , und wenn sie ' s geworden sind , läßt sich auch in einer Stunde viel wieder gut machen . So dacht ' ich , und packte meine Sachen zusammen . Als ich nun aber Alles ausgeleert hatte , wurde mir doch wieder ganz wehmüthig , und als ich mich endlich in der Dämmerung fortschlich , kam ich doch mit ganz rothgeweinten Augen zu der Frau Präsidentin . Nun lebe sie wohl , herzliebste Mutter ! Ich hoffe doch , daß sie nicht böse darüber wird , daß ich ihre Erlaubniß nicht abgewartet habe . Der Herr Vetter hatte aber keine Ruhe mehr , und sagte : was geschehen müsse , solle gleich geschehen , denn das Aufschieben könne er vollends nicht aushalten , und er wolle es schon bei ihr verantworten . Nun lebe sie nochmals wohl , herzliebste Mutter ! Ich wünsche ihr ein fröliches neues Jahr , und bitte Gott , daß er sie auf all ihren Wegen begleite . Stephani an seine Verwandten . Ich habe eine himmlische Erscheinung gehabt , und in meine ganz umdüsterte Seele ist ein belebender Lichtstral gefallen . Alles schien mir dem Grabe geweiht ; aber das Glockengeläute zum heiligen Feste scheint mir jetzt nur Auferstehung zu verkündigen . Ein unverwelklicher Frühling ist mir aufgegangen , alle Blumen öffnen mir Seligen den Kelch , und ich kann nichts denken , als Leben . O es war kein Traum ! Das göttliche Mädchen , was mir einst Trank im brennenden Fieber reichte , was Niemand gesehen haben wollte , ich hab ' es gesehen . O ihr versteht mich nicht , und so muß ich erzählen . Die spielenden Knaben waren ganz fertig , der Fürst trug grosses Verlangen , sie zu sehen , und wollte mich mit Bernhard , der gerade bei ihm war , in meine Werkstätte begleiten . Als wir aber vor das Haus kamen , schien mein ganzes Vorzimmer in Flammen zu stehen . Bernhard erschrack so wie wir , faßte sich aber bald , und rief zu unserm