was sie nicht kannt . Es war die Rute , die verguldet Mit leeren Nüssen ausgeziert , Die gibt sie ihm so unverschuldet , Dem Herren , dem sie nicht gebührt . Es nimmt der Herr die goldne Rute Und zeigt sich , wie er einst erschien , Gegeißelt , daß vom roten Blute Auf Erden rote Rosen blühn . Sein Haupt hängt schwach , er kann ' s nicht tragen , Sein Blick ist jammervoll gesenkt , Er spricht : » So willst auch du mich schlagen , Die ich so reichlich hab beschenkt ! « Was sie verworfen und zertreten , Sieht sie mit andern Augen an , Des Herrn Geschenk in den Geräten Zeigt sich im einfach tiefen Plan . Im Wein , im Brot sein Angedenken Und seiner Mutter heilig Bild , Sie muß den Blick zur Erde senken , Manch heilig Bild dort auf sie schilt . Sie schauet rings zu ihren Füßen Sein kunstreich Werk , das sie zertrat , Zusammen hätte bleiben müssen , Des Spieles Lust , der ernste Rat . Des Buxbaums Flechtwerk war die Kirche , Der glatte Fels war der Altar , Doch öde steht nun das Gebürge , Die Kirche ist verbrannt sogar . Das Kind will nach den Gaben langen Und sammeln , was es erst verwarf ; - Da wacht es auf und sieht mit Bangen Sich ganz verschneiet , kalt und scharf . Es kommt ein Tag , doch ohne Klarheit , Die Kälte mit Entsetzen spricht : Was du versäumet , ist die Wahrheit , Was du verspielet , ist das Licht . Diese allegorische Dichtung wurde der Gräfin treulich überliefert , aber sie verstand kein Wort davon ; sie las es von hinten rückwärts , es war ihr unbegreiflich , denn beinahe hatte sie den Vorfall mit den kleinen Heiligenbildern über eine Komödie ganz vergessen , die sie aufführen wollte . Es ist mit den Dichtungen überhaupt das Eigene , daß viele Mädchen wie mit einem scharfen Striche von dem Verständnisse gewisser Arten ganz abgesondert sind , ganz insbesondre von allen , die ihrem Wesen und ihrer Natur zu nahe rücken , um in ihrer Bedeutung ihnen erfreulich zu werden ; Schmeicheleien verstehen sie dagegen in dem allerbarockesten , unverständigsten Wortgepolter , und Bosheiten gegen Bekannte ebenfalls ; am meisten scheuen sie sich vor wirklich ernsthaftem Ernst und scherzhaftem Spaß , weil beide durch die oberflächliche Schminke ihres gewohnten Lebens hindurch brechen . Nach langem Lesen brachte sie endlich heraus , der Graf halte sich für unsern Herrn Jesus , weil sie mit dem Kinde bezeichnet sei ; daß jede Dichtung etwas für sich Bestehendes sei , wenn sie auch Beziehungen auf ein gewisses Ereignis habe , das war ihr nie in den Sinn gekommen . Sie lachte der ganzen Sache und ließ sie auf sich beruhen ; sie wartete auf den Grafen , um sich über ihn aufzuhalten , er kam nicht , da er keine Antwort erhalten . Sie wartete mit Ungeduld , zuletzt ärgerte sie sich über ihn ; er machte , daß sie eine Gesellschaft versäumte , wohin sie mit ihm gehen sollte ; zuletzt fielen ihr allerlei Reden einer sehr fatalen Stadtmamsell ein , die ihr von dem alten Knecht Ruprecht , der sich nirgend mehr sehen läßt , nämlich von der Tyrannei der Männer viel erzählt hatte und wie man sie erziehen müsse . Sie empfand bald Mitleiden mit ihrem eigenen Unglücke , weinte über ihr Schicksal , das sie einem so harten Manne verbunden ; endlich erschien sie sich selbst als Heldin , sie wolle sich zeigen in ihrer Stärke , sie wolle ihre Nachgiebigkeit unterdrücken , was solle in der Ehe erst daraus werden , wenn es schon so schwer im Brautstande begonnen . Also entwickelte sich der hochmütige Eigensinn , das törichte Vertrauen zu sich , an welchen sie endlich zu Grunde gehen mußte . Der Graf war indessen viel unglücklicher als seine Beleidigerin ; oft glaubte er ihr zu viel getan zu haben , immer wartete er auf eine Nachricht von ihr ; langsam schlich ihm der erste Tag dahin und hätte ihn sein Wirt , der ihn für krank hielt , nicht ungefragt mit Essen versorgt , er hätte gehungert . Den zweiten Tag reifte sein Entschluß , auf und davon zu ziehen ; aber wohin sollte er , es schien ihm die Sonne nur hier , hier nur konnte er atmen . Der Krieg fiel ihm wohl als Zerstreuung ein , wie so manchem Unglücklichen , aber er kannte ihn aus der Nähe , was er eigentlich sei , keine immerwährende Folge kühner Unternehmungen , großer Begebenheiten , mächtiger Taten , ungeheurer Kräfte ; das ist ein Traum aus Dichtern , er ist reizend . In Wahrheit ist aber der Krieg , wie er jetzt geführt wird , ein langweiliges Warten auf etwas , das nie erscheint ; denn am Ende ist die Schlacht selbst nur ein Abwarten , daß der andre davon laufen mag , und dieses traurige Warten in der nüchternsten Gesellschaft , in der kleinlichsten Schererei , bei den rohesten Schandtaten , unter den größten Ekelhaftigkeiten und Krankheiten , würde es nicht eine unermeßliche Zeit in ihm gelassen haben , seinem Kummer nachzuhängen ? Das ganze Kriegswesen kann nur durch einen unwiderstehlichen Trieb nach Auszeichnung belebt und geheiligt werden ; darum haben wir auch immer bemerkt , daß alle , die ohne Zwang aus einem bloß wohlwollenden Triebe sich darin einließen , unglücklich und ungeschickt waren ; nicht das Schwert soll die Welt belehren , denn wer das Schwert zieht , der soll durch das Schwert umkommen . Am dritten Tage kam ihm der Gedanke , wenn er mit Dolores auch nicht glücklich leben könne , so wolle er doch für ihr Glück leben ; ihre Sehnsucht nach dem Vater entlockte ihr wahrhaft Tränen ; sie hatte ihm erzählt , daß ein Gerücht erschollen , er sei in Ostindien ; er beschloß ihn aufzusuchen und zurück zu bringen