Wesen , über alles hinwegtrat ! « » Das war nur für die Welt ! « sagte ein Stutzer ; » unter vier Augen , ich versichre auf Ehre , war sie nichts weniger , als spröde ! « » Sie soll von Zwillingen entbunden seyn ! « sagte eine paußbackigte Räthin . » Allerliebste Buben ! ich versichere . Sie sind bei einer Muhme von der Muhme meiner Kammerfrau in Kost ! « antwortete das Weib eines Oberpriesters . » Wer war an Allem Schuld , als die gelehrte Närrin , ihre Mutter , die durchaus ein kleines Wunder haben wollte ! Zu der Zeit ihrer Geburt raunte man sich seltsame Dinge zu ! « sagte wieder Einer . Das Täubchen ächzete leise , und schlug die Flügel einigemal , wie wenn sie die Arme zum Himmel ausbreiten wollte , um Sühne des Vergangenen herabzuflehen . Die Prinzessin litt unsäglich . Sie hörte sich schmähen , schändlich verleumden , ihre wirklichen und angedichteten Fehler aufs Bitterste herrechnen . Die Operation war schmerzlich , aber sie bewirkte eine gründliche Kur . Sie hörte , duldete und schwieg ! - Jetzt nahte sich ihr eine junge Dame , die sie oft ihren ganzen Übermuth hatte fühlen lassen , weil sie diese schlichte , unverkünstelte Natur für Beschränkung hielt . » Was werd ' ich nun hören ! « sagte sich die Prinzessin . Ihr Herz schlug fast hörbar unter dem Marmor . » Gewiß , meine Damen ! « sagte Eliante , » Sie tadeln die Prinzessin höchst unbillig . Sie war , wo möglich , schöner noch , als dies Marmorgebilde . Sie war meine Freundin nie , so gern ich die ihrige geworden wäre . Denn hinter jener unglücklichen Verbildung , welche die Folge einer schiefen Ansicht ihrer Mutter war , schlummerten hundert schöne Anlagen . Ich , an meinem Theile , habe sie nimmer gehaßt , so tief sie mich auch kränkte . « » Sie haben recht , Eliante ! « sagte ein stattlicher Herr ; » die arme Prinzessin wurde zu viel erzogen . Die schwerfälligste Schmeichelei umgab schon ihre Wiege . Sie hat nie durch die Gelehrsamkeit bis zum Menschen durchdringen können . « - Das Täubchen bewegte immerfort die Flügel und gurrte . Man fand es auffallend , daß das Sinnbild treuer Liebe auf dem kalten Marmor hause . So vergingen der Prinzessin Tage und Wochen , und die Fee ließ sich immer noch nicht weder sehen , noch hören . Fast erlag sie unter der Last unerhörter Schmähungen . Was die Großen so selten glauben , hörte sie jetzt mit eignen Ohren : daß dem Publiko keine einzige ihrer noch so geheim gehaltenen Handlungen entgehet ; daß ihre Schiefheiten scharf bemerkt , das Gute aber nur entstellt und im verjüngten Maaßstabe erwähnt wird . Der Strom verlief sich endlich ; man fand es gar nicht mehr amüsant , in die Ausstellung zu gehen ; denn endlich trafen sich immer dieselben Gesichter wieder . Überdem war in der Stadt ein Hundetheater eröffnet , wohin die schöne Welt ihre , ihr so lästige , Zeit zu tödten ging . Alle Pfeile der Schmähsucht waren nun auf die arme steinerne Dame verschossen , und sie hatte in edler Selbstüberwindung verharrt , keinen Seufzer gespendet , kein Ach ! kein Oh ! vernehmen lassen . - Die Fee erschien ! Sophia1 , deine Klugheit macht dich fortan dieses Namens , womit ich dich beehre , werth . - Sophia , du hast nun in kurzer Frist ein Leben voll Erfahrung gewonnen . - Gehe hervor , und benutze sie redlich ! « Ein Donner endete die Metamorphose . Sophia ging wie ein stralender Stern hinter einer Wolke , aus ihrer Marmorhülle hervor . Die Duegnen und Zofen quikten vor Schreck , und die Hofdamen lagen reihenweise in Ohnmacht , wobei keine an Attitüde oder Faltenwurf gedacht hatte ; denn es kamen wirklich ganz curiose Stellungen zum Vorschein . Die Höflinge waren , sich mechanisch verbeugend , erstarrt mit krummen Rücken stehen geblieben und erwarteten ihr Urtheil . Sophia war nun ihre Königin , und sagte , statt zu strafen , allen Huld und Gnade zu ; nur die Schmeichelei lag unter dem strengsten Bannfluche . Die Lehre , die sie bekommen hatte , wirkte bis auf ' s Mark bei ihr . Eliante wurde ihre theuerste Freundin , und der stattliche Herr , der mit Elianten gesprochen hatte , ihr Rathgeber und Führer . Doch blieb die Waldmutter immer die erste Instanz . Lange noch blieb Sentimentale eine Taube , weil sie sich selbst unter dieser zarten Gestalt gefiel und die ewigen Liebkosungen ihr wohl thaten . Nur nach und nach bequemte sie sich wieder zur menschlichen Gestalt ; doch behielt sie am längsten die Flügel . Ihr zu Ehren , trugen nun alle Damen Chemisen à la Sentimentale , von welchen sie sich bis auf den heutigen Tag noch nicht ganz haben befreien können ; sie bedienen sich ihrer , wie man sagt , zum rastlosen Umherflattern . Das soll aber auch das Einzige seyn , was sie von der Tauben-Natur sich angeeignet haben . Die Waldmutter freute sich nun ihres Werkes , und brachte viel Zeit an diesem Hofe zu , wo sie das Amt eines geheimen Archivarius verwaltete . » Du mußt dich vermählen ! « sagte sie einst zu Sophien . - » Ich habe gewählt , Mutter ! Er ist es werth ! « - Bescheiden erröthend reichte Sophia dem Sohne ihres alten Freundes und Rathgebers , einem Edlen des Landes , die Hand ; und so machte sie an der Hand der Erfahrung , der Weisheit und Freundschaft , ihre Staaten zu den glücklichsten , welche je die Sonne beschien . - Siebentes Kapitel Wir haben diese Kleinigkeit , die Albert der Kritik des Klubbs zum Besten gab , in einer unabgebrochenen Folge hergesetzt ; Er selbst las sie in drei Abenden . Onkel Dämmrig amüsirte es trefflich ; er rieb