ausrichtet . Oft lockt ihn ein betrügliches Trum aus der wahren Richtung ; aber bald erkennt er den falschen Weg , und bricht mit Gewalt querfeldein , bis er den wahren erzführenden Gang wiedergefunden hat . Wie bekannt wird hier nicht der Bergmann mit allen Launen des Zufalls , wie sicher aber auch , daß Eifer und Beständigkeit die einzigen untrüglichen Mittel sind , sie zu bemeistern , und die von ihnen hartnäckig vertheidigten Schätze zu heben . Es fehlt euch gewiß nicht , sagte Heinrich , an ermunternden Liedern . Ich sollte meinen , daß euch euer Beruf unwillkührlich zu Gesängen begeistern und die Musik eine willkommne Begleiterin der Bergleute seyn müßte . Da habt ihr wahr gesprochen , erwiederte der Alte ; Gesang und Zitherspiel gehört zum Leben des Bergmanns , und kein Stand kann mit mehr Vergnügen die Reize derselben genießen , als der unsrige . Musik und Tanz sind eigentliche Freuden des Bergmanns ; sie sind wie ein fröliches Gebet , und die Erinnerungen und Hofnungen desselben helfen die mühsame Arbeit erleichtern und die lange Einsamkeit kürzen . Wenn es euch gefällt , so will ich euch gleich einen Gesang zum Besten geben , der fleißig in meiner Jugend gesungen wurde . Der ist der Herr der Erde , Wer ihre Tiefen mißt , Und jeglicher Beschwerde In ihrem Schooß vergißt . * Wer ihrer Felsenglieder Geheimen Bau versteht , Und unverdrossen nieder Zu ihrer Werkstatt gellt . * Er ist mit ihr verbündet , Und inniglich vertraut , Und wird von ihr entzündet , Als wär ' sie seine Braut . * Er sieht ihr alle Tage Mit neuer Liebe zu Und scheut nicht Fleiß und Plage , Sie läßt ihm keine Ruh . * Die mächtigen Geschichten Der längst verfloßnen Zeit , Ist sie ihm zu berichten Mit Freundlichkeit bereit . * Der Vorwelt heilge Lüfte Umwehn sein Angesicht , Und in die Nacht der Klüfte Strahlt ihm ein ewges Licht . * Er trift auf allen Wegen Ein wohlbekanntes Land , Und gern kommt sie entgegen Den Werken seiner Hand . * Ihm folgen die Gewässer Hülfreich den Berg hinauf ; Und alle Felsenschlösser , Thun ihre Schätz ' ihm auf . * Er führt des Goldes Ströme In seines Königs Haus , Und schmückt die Diademe Mit edlen Steinen aus . * Zwar reicht er treu dem König Den glückbegabten Arm , Doch frägt er nach ihm wenig Und bleibt mit Freuden arm . * Sie mögen sich erwürgen Am Fuß um Gut und Geld ; Er bleibt auf den Gebirgen Der frohe Herr der Welt . * Heinrichen gefiel das Lied ungemein , und er bat den Alten , ihm noch eins mitzutheilen . Der Alte war auch gleich bereit und sagte : Ich weiß noch ein wunderliches Lied , was wir selbst nicht wissen , wo es her ist . Es brachte es ein reisender Bergmann mit , der weit herkam , und ein sonderlicher Ruthengänger war . Das Lied fand großen Beyfall , weil es so seltsamlich klang , beynah so dunkel und unverständlich , wie die Musik selbst , aber eben darum auch so unbegreiflich anzog , und im wachenden Zustande wie ein Traum unterhielt . Ich kenne wo ein festes Schloß Ein stiller König wohnt darinnen , Mit einem wunderlichen Troß ; Doch steigt er nie auf seine Zinnen . Verborgen ist sein Lustgemach Und unsichtbare Wächter lauschen ; Nur wohlbekannte Quellen rauschen Zu ihm herab vom bunten Dach . * Was ihre hellen Augen sahn In der Gestirne weiten Sälen , Das sagen sie ihm treulich an Und können sich nicht satt erzählen . Er badet sich in ihrer Flut , Wäscht sauber seine zarten Glieder Und seine Stralen blinken wieder Aus seiner Mutter weißem Blut . * Sein Schloß ist alt und wunderbar , Es sank herab aus tiefen Meeren Stand fest , und steht noch immerdar , Die Flucht zum Himmel zu verwehren . Von innen schlingt ein heimlich Band Sich um des Reiches Unterthanen , Und Wolken wehn wie Siegesfahnen Herunter von der Felsenwand . * Ein unermeßliches Geschlecht Umgiebt die festverschlossenen Pforten , Ein jeder spielt den treuen Knecht Und ruft den Herrn mit süßen Worten . Sie fühlen sich durch ihn beglückt , Und ahnden nicht , daß sie gefangen ; Berauscht von trüglichem Verlangen Weiß keiner , wo der Schuh ihn drückt . * Nur Wenige sind schlau und wach , Und dürsten nicht nach seinen Gaben ; Sie trachten unablässig nach , Das alte Schloß zu untergraben . Der Heimlichkeit urmächtgen Bann , Kann nur die Hand der Einsicht lösen ; Gelingt ' s das Innere zu entblößen So bricht der Tag der Freyheit an . * Dem Fleiß ist keine Wand zu fest , Dem Muth kein Abgrund unzugänglich ; Wer sich auf Herz und Hand verläßt Spürt nach dem König unbedenklich . Aus seinen Kammern holt er ihn , Vertreibt die Geister durch die Geister , Macht sich der wilden Fluten Meister , Und heißt sie selbst heraus sich ziehn . * Je mehr er nun zum Vorschein kömmt Und wild umher sich treibt auf Erden : Je mehr wird seine Macht gedämmt , Je mehr die Zahl der Freyen werden . Am Ende wird von Banden los Das Meer die leere Burg durchdringen Und trägt auf weichen grünen Schwingen Zurück uns in der Heymath Schooß . * Es dünkte Heinrichen , wie der Alte geendigt hatte , als habe er das Lied schon irgend wo gehört . Er ließ es sich wiederholen und schrieb es sich auf . Der Alte ging nachher hinaus und die Kaufleute sprachen unterdessen mit den andern Gästen über die Vortheile des Bergbaues und seine Mühseligkeiten . Einer sagte : der Alte ist gewiß nicht umsonst hier . Er ist heute zwischen den Hügeln umhergeklettert und hat gewiß gute Anzeichen gefunden . Wir wollen ihn doch fragen , wenn er wieder herein kömmt . Wißt ihr wohl , sagte ein Andrer ,