der ersten sicher zu stellen hoffte . Aber bei kälterm Blute hielt ich für besser , dem Rathe meiner Freunde zu folgen , denen es zu viel gewagt schien , den jungen Alcibiades , der damals eben auf der höchsten Stufe der Volksgunst stand , so geflissentlich zum Kampf herauszufordern . Denn daß Alcibiades , der ohnehin sich alles zu erlauben gewohnt war , sich des feurigsten seiner Liebhaber mit verdoppeltem Eifer annehmen würde , war leicht genug vorherzusehen . Ich . Seiner Liebhaber ? - Du willst doch damit nichts sagen , was einen zweideutigen Schein auf die Sitten des weisen Sokrates werfen könnte ? Er . Ich weiß nicht wie ihr andern Cyrener diese Dinge nehmt ; zu Athen weiß jedermann genau , was er dabei zu denken hat , wenn sich jemand öffentlich als der Liebhaber eines so schönen und liederlichen Jünglings beträgt , wie der Sohn des Klinias damals war . Ich . Mich dünkt das Verhältniß des Sokrates zu dem Sohn des Klinias lasse sich auf eine ganz ungezwungene Art so erklären , daß seine Freundschaft für einen der Republik so wichtigen jungen Mann , und der moralische Zauber , wodurch er den hoffärtigsten , muthwilligsten und verwegensten aller Griechischen Jünglinge an sich zu fesseln wußte , ihm bei einem unbefangenen Richter vielmehr zum Verdienst als zum Vorwurf gereichen muß . Aber , wenn du ( wie es scheint ) anders dachtest , wie kam es , daß du von diesem Umstande keinen Gebrauch in den Wolken machtest ? Er . Soll ich dir die reine Wahrheit gestehen ? Ich wußte damals noch so wenig von dem ehrlichen Sokrates , daß mir sogar sein vertrauter Umgang mit dem jungen Alcibiades unbekannt war , bis mir der Fall meines Stücks Gelegenheit gab , gelehrter über diesen Punkt zu werden . Ich hatte ihn nur selten in der Nähe gesehen und nicht für bedeutend genug gehalten , ihm genauer nachzufragen ; das meiste , was ich von ihm wußte , war von zufälligem Hörensagen . Aus seinem öftern Umgang mit den Sophisten , welche Perikles nach Athen gezogen hatte , schloß ich , daß er selbst von ihrer Kunst Profession mache . Ich glaubte damals wie viele andere , und glaub ' es noch , daß diese kunstreichen Leute , die sich dafür ausgaben , daß sie Schwarz zu Weiß und Recht zu Unrecht machen könnten , einen schädlichen Einfluß auf unsre Jugend hätten , und also dem Staate selbst gefährlich wären . Nun gehört es , wie du weißt , zum Beruf eines Komödiendichters bei uns , Leute dieser Art dem Volke auf der Schaubühne in unsrer eignen Manier zu denunciren ; und ich für meinen Theil hatte mir , von der Zeit an da ich mich der komischen Muse widmete , zu meinem besondern Zweck vorgesetzt , meinen Stücken eine politische Richtung auf die Verwaltung und den Zustand der Republik überhaupt zu geben , und mich dadurch von meinen Vorgängern zu unterscheiden , die ihren stolzesten Wunsch erfüllt sahen , wenn ihnen ein wieherndes Gelächter aus allen Bänken des Theaters entgegen schallte , und die ihre Pritschenhiebe den einzelnen Personen , denen sie zum Spaß oder aus bösem Willen zu Leibe wollten , nur im Vorbeigehen auszutheilen pflegten . In der That war ich der erste , der den Muth hatte , nicht nur einen Mann des Volks , wie Kleon , in Person auf die Bühne zu stellen , und ohne alle Schonung und Barmherzigkeit zu behandeln , sondern sogar den Heliasten62 , dem Senat , den Prytanen63 , ja dem souveränen Volke selbst die derbesten Wahrheiten ins Gesicht zu sagen . Ich hatte dieß in den Rittern so weit getrieben , daß es mir aus mehr als Einem Grunde rathsam schien , in meinem nächsten Stücke einen andern Weg einzuschlagen , meine Geißel gegen eine andere , für mich weniger gefährliche Gattung von Menschen zu führen , und aus dem häuslichen Leben einen Stoff zu wählen , der mir Gelegenheit gäbe , die Nachtheile der neumodischen Erziehung und den verderblichen Einfluß der Sophisten auf die Denkart und Sitten der Alten und Jungen in Athen nach meiner Weise darzustellen . Dieß , Aristipp , war ' s im Grunde , was ich mit den Wolken beabsichtigte , und wer sie für eine Personalsatyre auf den guten Sokrates ansieht , hat meine Meinung und Absicht ganz unrecht gefaßt . Ich kannte den Mann , wie gesagt , zu wenig dazu , und er war keine so wichtige Person in meinen Augen , daß ich für nöthig gehalten hätte , nun auch an ihm zu thun , was ich ein Jahr zuvor an Kleon gethan hatte . Auch sollt ' es , denke ich , aus der ganzen Anlage des Stücks in die Augen fallen , daß es mit der komischen Person , der ich seinen Namen gab , bloß darauf abgesehen war , aus den stärksten Charakterzügen eines abgeschmackten Pedanten , eines sophistischen Taschenspielers , und eines armen Schluckers , ein Zerrbild zusammenzusetzen , womit ich die ganze löbliche Sophisten-Innung der unverdienten Achtung , worin sie bei den Unwissenden steht , verlustig machen könnte . Uebrigens läugne ich nicht , daß die Verachtung , welche Sokrates ( wie mir gesagt wurde ) bei allen Anlässen gegen die neuern Komödiendichter und ihre Werke äußerte , natürlicherweise mit ins Spiel kam , und daß ich es für meine Schuldigkeit hielt , ihm bei dieser Gelegenheit im Namen der ganzen Brüderschaft unsre Dankbarkeit zu beweisen . Ich . Bei dem allen kann ich - verzeihe meiner Freimüthigkeit ! - nicht anders als beklagen , daß , da es dir nur um ein Zerrbild zu thun war , gerade ein so tugendhafter und ehrwürdiger Mann wie Sokrates seinen Namen und seinen guten Ruf dazu hergeben mußte . Er . Vielleicht kann ich deinen Schmerz durch ein paar kleine Betrachtungen lindern , die auch wohl nebenher zu meiner Rechtfertigung dienen mögen . Ich finde sehr natürlich , daß dir Sokrates