nicht mehr zureichen wollte , er war eine Brücke ins Größere , wenn auch eine brennende . Welch eine Anreizung wäre mir das , mich ihm zu verschreiben ? Ihr vergeßt solche Verhältnisse ganz und gar , weil Ihr Prosaisch nivelliert seid , Euer Titanenelement verwässert habt . Manchmal , wenn es in den dichten Nebeln dieses Meeres gar nicht Tag werden kann , sitze ich hier am Borde und schrei ' in die Wasserewigkeit hinaus , ob es keinen Dämon gibt , der sich mit mir einlassen will ; hier wäre doch wahrlich der Ort für einen wüsten , schweifenden Urgeist . Versuch ' es , in totenstiller Nacht und Einsamkeit dem Teufel zu rufen , aber direkt in der Volkssprache zu rufen , mit klarer , verständlicher Stimme : Teufel , hole mich ! Es liegt eine Reizung darin . Aber die wüsten Wasser schweigen . Der Kapitän hat Reisebeschreibungen , in denen lese ich . Da finde ich in der einen folgendes : Der Sultan war ein eifrig Gläubiger , und als er nach Jerusalem kam , und die große Moschee zum Gottesdienste einrichten wollte , wo der alte Salomonische Tempel gestanden , und wo der Christ gebetet hatte , da ließ er die ganze Moschee von oben bis unten mit Rosenwasser abwaschen , damit kein Stäubchen übrig sei , das vom Christen verunreinigt wäre . Von dem , was Ihr religiöses Moment heißt , mag nichts in mir sein , denn Ihr seid gewohnt , nur das also zu nennen , was mit Eurer positiven Überlieferung , mit der entsagenden zerknirschten Demut verbunden ist , und mein Bezug zur Gottheit ist ein forderndem , ein trotziger ist dasjenige , was die Griechen im Prometheus zusammendichten - aber jener Sultan ist mir recht . Hat man sich einen Gott charakteristisch gebildet und angekleidet , dann soll ihm auch kein Stäubchen vorenthalten sein . Aber Euer Glaube ist nicht gefaßt , nicht geschlossen , schweift in Erklärungen - was ist ein Glaube , der erklärt wird ! Und dazu mögt Ihr Euch noch wundern , daß eine Zeit in Verwirrung umhergeworfen sei , die weder eine klassische Religion , noch eben darum einen klassischen Staat , noch eine klassische Poesie hat ! Für meinen Blick gibt es nur zwei Seiten des Menschen , die Pole des Herzens , und darum zwei Ströme der Welt , um welche sich alles bewegt . Das ist die Selbstsucht und die Selbstaufopferung . Jene hat das ungeheure Altertum geschaffen , diese ist mit dem Christentume eingetreten und hat beinahe zweitausend Jahre Geschichte erzeugt . Gegen sie hat sich ein dreister , neuer Geist erhoben , der halb von ihr , halb vom Altertume stammt , Philosophien haben sich gebildet , die auf eigenem Fuße sich erheben , und eine Selbständigkeit neben der positiven Religion , in Anspruch nehmen , als selbständige Staaten mit ihr unterhandeln . Jede solche Philosophie ist unchristlich , auch wenn sie zu christlichen Resultaten kommt . Durch sie ist der Weltgedanke einer durchgehenden Selbstaufopferung erschüttert und nun mordet sich die Größe des andern Prinzips , der Selbstsucht , wieder heraus , um neues Element zu bringen , und vielleicht ein neues Dritte zu erzeugen , und dieser Kampf ist unsere klägliche Zeit . Um so kläglicher , da niemand mit der geteilten Wahrheit seines Herzens offen herausgeht , jeder ein Geordnetes lügt , um sich selbst zu beschönigen . So seid Ihr alle beschränkte Menschen , weil Ihr furchtsam oder frech abteilt , Euer Herz hat keinen Mut gegen Euer Gedächtnis , die Besseren halten zurück wegen der Gesellschaft , und darüber verlieren sie ihr Wahres und Großes ; ich will mich aber nicht beschränken , darum werde ich ein Gott oder ein Ungeheuer . Da meine Geduld und meine Kraft schwindet , so wird wohl ein Ungeheuer entstehen , Du magst recht haben . Herrschen , herrschen ! um dies eine Wort tobt aller Kampf der Welt . Ich wollte lieber ein Meer sein , als ein so großer Ohnmacht sich bewußter Mensch ; das Meer in seiner weiten Macht bäumt sich gegen eindringende Gewalten , heulend und schüttelnd ringt es mit dem Sturme , sich zerschellend stürzt es an das Gestein des Landes . Ich aber liege kraftlos auf Brettern und Balken , und wo ich sei , ich bin preisgegeben . 15. Valerius an Hippolyt . Du gehst zu Grabe , Du gehst zu Grabe , Genosse meiner Jugendzeit ! Du hast Dich allein in den Ozean geworfen , Dein Arm ist stark , Deine Kraft ist groß , aber wenn der Mensch allein mit den Elementen ringen will , da ist ihm der Tod gewiß , nur in der Gemeinschaft ist der Mensch mächtig . Weil er die Gesellschaft erfunden hat , ist er Herr der Welt , und Du höhnst und tötest die Gesellschaft . Ich habe Deine letzten Briefe aus England erhalten - Deine Tragödie geht zu Ende , Du raffinierst schon mit Tallon und Lord Henry nach Äußerungen des Herzens und Leibes ; erinnerst Du Dich Lotharios in Wilhelm Meister , als er inne wird , daß eine Blutsverwandtschaft zwischen ihm und Theresen sei , erinnerst Du Dich , daß er flieht ? Mag sein , daß andere anders empfinden , daß alles Ähnliche nur ein Zivilisationsgefühl ist ; aber es will als solches geachtet sein , die Zivilisation muß Dich erschlagen , und wenn sie es nicht tut , so werden ' s die Rothäute Amerikas tun , denn auch sie sind eine Gesellschaft . Wo zwei Geschöpfe nebeneinander treten , da entsteht ein Verhältnis , und ein Verhältnis braucht ein Gesetz . Ich bin traurig bewegt . Hippolyt , Du bist der letzte , an dem meine Geschichte , mein Herz , mein Geist hängt , alles , neben dem ich geworden , ist zerplündert , verwüstet ; Konstantin erstarrte und schied , William , der uns nie mit Wärme nah ' getreten war , ist im kalten Hochmute