abconterfeit . Sein Nervensystem zitterte in allen Fugen , Ekel und Gram quollen ihm zum Magen auf , so daß er eine Art Angst-Cholerine bekam . Schlaflos wälzte er sich hin und her , Nacht für Nacht .. Was würde sie thun ? Er erwartete bestimmt , daß sie ihm schreiben werde . Nichts .. Sie hatten ja freilich einander nichts vorzuwerfen . Allein ein Weib denkt über so etwas ganz anders . Gräßliche Träume plagten ihn , die einen seltsamen erotischen Schrecken verriethen , der seinem Zustand entsprach . Er sah sich als Zwangsgeliebter der Semiramis , den sie in rasender Tobsucht mänadisch erdrosselt und zerreißt . Und dabei spürte er sich widerstandsunfähig und empfand eine gewisse tödtliche Wollust bei diesem entehrenden Liebestod . War ' s auch nur ein Traum , aus dem er schweißgebadet erwachte , so lag doch eine düstre Beichte darin , die er sich wachend kaum zu bekennen wagte . Liebte er jenes Weib ? Nein . Er liebte überhaupt nichts . Er suchte nur vergeblich nach einem würdigen Objekt seiner verhaltenen Sinnengier . Die entsetzliche Liebeskrankheit befiel ihn wieder und nagte an seinen Eingeweiden . Was hilfts dagegen anzukämpfen ! Die erotische Leidenschaft herrscht als stärkste von allen , und hat sie sich auf einen einzigen Gegenstand concentrirt , so bricht sie ewig wieder nach derselben Richtung hin hervor . Welch ein Gefühl , mit einem Geheimniß solcher Art umherwandeln zu müssen ! Ein Gefühl , das man wie eine Selbstentehrung verbirgt und wie einen Makel empfindet . Ewig sah er sie vor sich . Vergaß sie ihn wirklich ? Was war geschehen ? Hatte sie ihm nicht unzähligemal geschworen , daß sie ihn wahnsinnig liebe » ihn nur allein « und nur sein mephistophelisches Hohnlächeln fürchte ? » Ich sage Dir alles , alles , und glaube Dir alles , und Du sagst mir nichts , gar nichts . « Nun wußte sie ja - - Ein niedlicher Tasso mit solch einer Leonore ! Und doch ! Schon in der antiken Entfesselung aller Genußsuchtinstinkte erklärten Lukrez und andere Jünger des Epikur Entäußerung von allen Leidenschaften für das wahre Glück des Menschen . Scheint dies nicht vielmehr Temperamentssache ? Bietet nicht die Leidenschaft der Liebe eine stärkere Erfüllung jener inneren Sehnsucht , welcher kein Mensch sich entschlagen kann , als die olympische Ruhe des Denkers oder des Christen ? Und andrerseits , man betrachte das Leben eines Mannes der That , der aus eigener Kraft die höchsten Ziele des Ehrgeizes erklomm , welch ein unermeßlich unglückliches Leben ! Wieviel süßer eine Stunde am warmen Busen des geliebten Weibes , als alle Stunden » krönender Gnade « , höchsten Triumphes ! Und dort kommt wenigstens die Nervenreizung durch schmetternde Trompeten , Rosseschnauben , wehende Standarten , Blut und Pulverdampf hinzu . Hingegen die Befriedigung des geistigen Arbeiters , etwa durch das schale Lob auf bedrucktem Papier , wie werthlos wäre sie , wenn nicht die Arbeit selbst ihm Nervenreizung gewährte ! Die Sinne wollen gesättigt sein , koste es was wolle . Wozu das Belasten mit allem möglichen Wissen ! Was frommt es , sich mit den Begebenheiten der Vergangenheit vertraut zu machen ! Wieviel glücklicher der Handwerker in seinen vier Pfählen bei Weib und Kind , dessen Gedanken nicht über sein Tagewerk hinausgehn ! Traurige Ehre , ein » Erwählter des Herrn « zu sein ! Sei lieber der Erwählte eines Weibes , das dein Gemüth und deine Sinne befriedigt ! Die geschlechtliche Liebe ist die einzige Poesie des Glücks , die einzige Leidenschaft , die kein wesenloses Ziel erheischt . Halb Empfindsamkeit , halb Schmutzerei . Man sollte für jede Hälfte zugleich ein verschiedenes Liebesobjekt wählen . Natur verlangt ' s ..... Als er nach längerer Pause , dämonischem Zwange folgend , seine alte Flamme aufsuchte , fand er sogleich die Lösung des Räthsels , nämlich die Schöne Helena scharmuzirt von dem schönen Erich v. Lämmerschreyer . Dieser glatte schleimige Bursch hatte eiligst , sobald ihm Schmoller davon klatschte , seinen Finger in die erotischen Wundenmale seines früheren Gönners gelegt und denselben gar leicht in der Gunst dieser ehrgierigen Donna Laura verdrängt , die sich durchaus vom Schicksal erkoren fühlte als morganatisches Ideal eines lorbeergekrönten Petrarka zu dienen ! Da wäre sie bald schön hereingefallen mit ihrem » festen Verhältniß « . Sie mochte ihn ja sehr gern - that er doch immer , wer weiß wie , als ob er mindestens der Großtürke wäre , dieser überspannte Exaltado - nein , dieser pauvre bürgerliche Leonhart , über dessen Schimpfmaul die allwissende » Berliner Tagesstimme « stets so witzig herfiel , konnte ihrem hohen Streben nicht genügen - lang für den erhabenen Herrn von Alvers gehalten ! Hingegen , Herr von Lämmerschreyer , Redakteur der » Berliner Tagesstimme « - wie anders wirkte dies Zeichen auf sie ein ! Ja , der ideale Jüngling war wirklich zu der weltbeherrschenden » Berliner Tagesstimme « durch Schlangenwindungen ankriechender Streberei emporgeglitten . Auch sein Freund Rafael Haubitz tauchte zugleich als Theaterkritiker einer größeren Zeitung auf , so daß nun das Jüngste Deutschland alle Segel seines idealen Schwunges zur Reinigung der Litteratur einsetzen konnte . Betrachtete doch Haubitz die gesammte Theaterwelt als eine Mistjauche , die im weitesten Umfange ausgepumpt werden müsse ! Lämmerschreyer aber erstand dem deutschen Volke als geschätzter Kunstkritiker . Wie er das wurde , o es geschehn noch Zeichen und Wunder ! Nach seiner eignen Erzählung ( er übte sich manchmal in einer wohlfeilen Selbstpersiflage ) verhielt sich die Sache so : - - - » Sie wollen bei uns eintreten ? « schnob ihn der Chef des großen Blattes imperatorisch an . » Was können Sie ? Womit empfehlen Sie sich ? « » Mein Styl - « begann Jener zaghaft . » Ich schreibe - « » Ach was ! Bei uns wird überhaupt nicht geschrieben - da wird nur geschnitten und geschmiert - geschnitten mit der Scheere , geschmiert mit dem Kleistertopf . Ich frage nach Ihren journalistischen Fähigkeiten