eine Art schwarzer Suppe , welches sie jahraus , jahrein , einen Tag wie den andern um die Mittagszeit kochte , auf einem Feuerchen , welches gleichermaßen fast von nichts brannte und eine Ladung Holz eine Ewigkeit dauern ließ . Sie deckte an den Werktagen nicht mehr den Tisch , da sie nun ganz allein aß , nicht um die Mühe , sondern die Kosten der Wäsche zu sparen , und setzte ihr Schüsselchen auf ein einfaches Strohmättchen , das immer sauber blieb , und indem sie ihren abgeschliffenen Dreiviertelslöffel in die Suppe tauchte , rief sie pünktlich den lieben Gott an , denselben für alle Leute um das tägliche Brot bittend , besonders aber für ihren Sohn . Nur an den Sonn- und Festtagen deckte sie den Tisch mit reinlichem Weißlinnen und setzte ein Stückchen Rindfleisch darauf , welches sie am Sonnabend eingekauft . Diesen Einkauf selber machte sie weniger aus Bedürfnis - denn sie hätte sich für ihre Person auch am Sonntage noch mit der spartanischen Suppe begnügt , wenn es hätte sein müssen - als vielmehr , um einen Zusammenhang mit der Welt und die Gelegenheit zu haben , wenigstens einmal die Woche auf dem alten Markte zu erscheinen und den Weltlauf zu sehen . So marschierte sie denn still und eifrig , ein Körbchen am Arme , erst nach den Fleischbänken ; und während sie dort klug und bescheiden hinter dem Gedränge der großen Hausfrauen und Mägde stand , die lärmend und verwegen ihre Körbe füllen ließen , stellte sie kritische Betrachtungen über das Behaben der Weiber an und ärgerte sich sonderlich über die munteren leichtsinnigen Dienstmägde , welche sich von den lustigen Metzgerknechten also betören ließen , daß diese während des Scherzes und Gelächters unvermerkt eine ungeheure Menge Knochen und Luftröhrenfragmente in die Waagschale warfen , so daß es die Frau Elisabeth Lee fast nicht mit ansehen konnte . Wenn sie die Herrin solcher Mädchen gewesen wäre , so hätten diese ihre Verliebtheit an den Fleischbänken teuer büßen und jedenfalls die Knorpeln und Röhren der trügerischen Gesellen selbst essen müssen . Allein es ist dafür gesorgt , daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen , und diejenige , welche von allen anwesenden Frauen vielleicht die gestrengste gewesen wäre , hatte dermalen nicht mehr Macht als über ihr eigenes Pfündlein Fleisch , das sie mit Umsicht und Ausdauer einkaufte . Sobald sie es im Körbchen hatte , richtete sie ihren Gang nach dem Gemüsemarkt am Wasser und erlabte ihre Augen an dem Grün der Kräuter , den bunten Farben der Früchte , an allem , was aus Gärten und Feldern herbeigeschafft war . Sie wandelte von Korb zu Korb und über die schwanken Bretter von Schiff zu Schiff , das aufgehäufte Wachstum übersehend und an dessen Schönheit und Billigkeit die Wohlfahrt des Staates und dessen innewohnende Gerechtigkeit ermessend , und zugleich tauchten in ihrer Erinnerung die grünen Landstriche und die Gärten ihrer Jugend auf , in welchen sie einst selbst so gedeihlich gepflanzt hatte , daß sie zehnmal mehr wegzuschenken imstande war , als sie jetzt bedächtig einkaufen mußte . Hätte sie noch große Vorräte für einen zahlreichen Haushalt zu ordnen gehabt , so würde das ein Ersatz gewesen sein für das Säen und Pflanzen ; aber auch der war ihr genommen und die Handvoll grüner Bohnen , Spinatblättchen oder gelber Rübchen , welche sie endlich in ihr Körbchen tat , nachdem sie manchen scharfen Zuspruch wegen Überteuerung ausgeteilt , für sie nur ein notdürftiges Symbol der Vergangenheit , samt dem Büschelchen Petersilie oder Schnittlauch , das sie als Dreingabe erkämpfte . Das weiße Stadtbrot , das bislang in ihrem Hause gegolten , hatte sie auch abgeschafft und bezog alle acht Tage ein billigeres rauhes Brot , welches sie so sparsam aß , daß es zuletzt steinhart wurde ; aber zufrieden dasselbe bewältigend , schwelgte sie ordentlich in ihrer freiwilligen Askese . Um die gleiche Zeit wurde sie karg und herb gegen jedermann , im gesellschaftlichen Verkehr vorsichtig und zurückhaltend , um alle Ausgaben zu vermeiden ; sie bewirtete niemanden oder , wenn es geschah , so knapp und ängstlich , daß sie bald für geizig und ungefällig gegolten , hätte sie nicht durch eine verdoppelte Bereitwilligkeit mit dem , was sie durch die Mühe ihrer Hände , ohne andere Kosten , bewirken konnte , jene herbe Sparsamkeit aufgewogen . Überall , wo sie mit Rat und Tat beistehen konnte , war sie immer wach und rüstig bei der Hand , keine Ausdauer scheuend , und da sie für sich bald fertig war , so verwendete sie eine schöne Zeit zu solchen Dienstleistungen , bald in diesem , bald in jenem Hause , wo Krankheit oder Tod die Menschen bedrängten . Aber überallhin brachte sie ihre genaue Einteilungskunst mit , so daß die behäbigeren Leute , während sie dankbar sich die unermüdliche Hilfe gefallen ließen , doch hinter ihrem Rücken sagten , es wäre doch eigentlich eine Sünde von der Frau Lee , daß sie gar so ängstlich , so spröde sei und dem lieben Gott nichts überlassen könne oder wolle . Sie hingegen überließ freilich der Vorsehung Gottes alles , was sie nicht verstand , vorerst die Verwickelungen der moralischen Welt , mit denen sie nicht viel zu tun hatte , weil sie sich nicht in Gefahr begab . Nichtsdestoweniger war Gott ihr auch der Grundpfeiler in der Ernährungsfrage ; aber diese schien ihr so wichtig , daß sie niemals zauderte , sich zuerst selber zu wehren , so daß es den Anschein gewann , als ob sie nur auf sich allein vertraute . Mit eherner Treue hielt sie an ihrer Weise fest ; weder durch Sonnenblicke der Fröhlichkeit noch durch düsteres Unbehagen , weder im Scherz noch im Ernste ließ sie sich verleiten , auch die kleinste unnötige Ausgabe zu machen . Sie legte Groschen zu Groschen , und wo diese einmal lagen , waren sie so sicher aufgehoben wie im Kasten des eingefleischten Geizes . Mit der Ausdauer des Geizes sammelte sie