es denn mit der Wunde ? « » Die ist nicht gefährlich ! « entschied der Arzt . » Das Fleisch ist zerrissen und die Muskeln haben stark gelitten , - Knochen oder edlere Teile sind nicht verletzt . « Gerber lächelte sehr zufrieden . Er ergriff sofort seine Mütze und stürzte wieder hinauf . Oben an Deck hatte sich inzwischen die Lage völlig verändert . Bei der scharfen Berührung der beiden Schiffe waren die Boote vom » Meteor « vollständig weggerissen , die Fockraa abgebrochen und die Wanten zerschnitten , der Großmast aber durch den schweren eisernen Kranbalken des Franzosen sogar eingeknickt . Kurz darauf stürzte der beschädigte Mast um , riß den Besanmast mit sich und schlug die Kommandobrücke in Trümmer . Und nun entstand eine heillose Verwirrung . Die über Bord gegangenen Masten wurden vom Schiff an ihren Tauen nachgeschleift und hemmten dadurch die Fahrt fast vollständig . In diesem Augenblick hätte der » Bouvet « entern und den Kampf vielleicht gewinnen können , aber ein derartiger Versuch wurde von seinem Kommandanten nicht unternommen . Der » Meteor « machte jetzt kaum noch Fahrt , aber Kapitänleutnant Knorr gab deshalb nichts verloren . Er befahl , die Taue zu kappen , und gab der Geschützbedienung Anweisung , nach Möglichkeit auf den Dampfkessel des » Bouvet « zu zielen . Der Schuß krachte und alle sahen gespannt zu dem feindlichen Schiff hinüber . » Er versucht zu entkommen ! « murmelte der Kapitänleutnant und stampfte mit dem Fuß auf , » noch eine halbe Stunde , und der Hafen ist erreicht ! « Aber da sahen plötzlich alle eine weiße Wolke , die sich rings um das Schiff verbreitete , stärker und stärker anschwoll und endlich den » Bouvet « ganz einhüllte . Es konnte nicht zweifelhaft sein , daß die Maschine getroffen war . » Hurra ! « kam es aus hundert Kehlen . » Hurra , das war ein Treffer ! « Der » Hernan Cortez « , der sich immer ganz in der Nähe des » Meteor « gehalten hatte , setzte ein Boot aus und wollte mehrere Ärzte sowie Erfrischungen und Verbandmittel an Bord des deutschen Kriegsschiffes bringen , aber Kapitänleutnant Knorr lehnte mit höflichem Dank jede Hilfeleistung ab , einmal um zu zeigen , daß auf seinem Fahrzeug alles in Ordnung sei , zum andern aber auch , um bei der Verfolgung des bewegungsunfähig gewordenen Franzosen keine Zeit zu verlieren . Noch immer war der » Bouvet « in eine weiße Wolke gehüllt , noch immer lag er auf demselben Fleck , aber auch der » Meteor « hatte genug zu tun , um die Schraube von Splittern und Tauwerk zu reinigen und alles zu kappen , was auf beiden Seiten die Fahrt hinderte . Der Kapitänleutnant ging von einer Seite zur andern wie ein Löwe im Käfig . » Wir müssen entern ! « wiederholte er , » wir müssen ihn nehmen ! « Aber es kam anders . Die Maschine des » Bouvet « war zerstört , das Dampfrohr durchschossen und die Fahrt gehemmt , doch gerade , als die Schraube des » Meteor « wieder voll in Tätigkeit getreten war , hatten die Matrosen des » Bouvet « Segel gesetzt , und nun begann die Flucht nach dem Hafen von Havanna . Mit voller Kraft arbeitete die Maschine des » Meteor « , aber - die Entfernung zwischen beiden Schiffen wurde größer und größer , die Kugeln des Buggeschützes auf dem Kanonenboot konnten den » Bouvet « nicht mehr erreichen , und die Verfolgung mußte aufgegeben werden . Außerdem verkündete ein Schuß vom Bord des » Hernan Cortez « , daß jetzt das Gebiet des Hafens wieder erreicht sei , also mußte nach dem Völkerrecht der Kampf eingestellt werden . Nach einer halben Stunde lagen beide Schiffe wieder friedlich nebeneinander auf ihren alten Plätzen . Robert hatte während dieser ganzen letzten Zeit körperliche und seelische Qualen zu bestehen . Sein Bewußtsein kehrte schon unter den Händen des Arztes zurück , und die Schmerzen , die er ertragen mußte , waren furchtbar , aber mehr noch verlangte er danach , über den Verlauf des Kampfes Genaueres zu hören . Von Zeit zu Zeit kam jemand ins Zwischendeck , und dann fragte der Arzt solange , bis er - und mit ihm Robert - alles gehört hatte . Erst als die Ankerketten durch die Klüsen rasselten und nun auch der Doktor Zeit fand , sein gelehrtes Haupt aus der Decksluke hervorzustrecken , erst dann legte sich Robert auf die Seite , um zu schlafen . Als ihn der Arzt in Begleitung des Kapitäns am Abend noch einmal besuchte , und als der Kommandant lange und freundlich mit dem jungen Freiwilligen gesprochen hatte , da meinte Gerber , aber er behielt es für sich , daß doch der verteufelte , siebenmal übersegelte und von neun Millionen Haifischen gefressene Bursche , der Kroll , ein wahres Glückskind sei . » Um diese Wunde beneide ich ihn « , dachte er , » sie ist eine - hm - na , ich will sie eine Schicksalswunde nennen . Hast du nicht gesehen , wird die Beförderung zum Maaten hinterdreinfliegen , wenn auch der Herr Freiwillige eben erst ausexerziert hatte , als die Geschichte losging . « Und der gemütliche Maat sollte recht behalten . Als Robert mit dem Arm in der Binde , blaß und abgemagert , nach vier Wochen wieder umhergehen konnte , da kam aus Kiel ein Telegramm , in dem Kapitänleutnant Knorr das eiserne Kreuz verliehen wurde , und das außerdem mehreren Leuten eine Beförderung brachte . Robert wurde , wie es Gerber vorausgesehen hatte , richtig zum Maaten ernannt , obgleich der Kapitänleutnant lächelnd dieser Nachricht hinzufügte , wenn die da in Kiel ganz genau wüßten , wie kurz er erst - - Robert erlaubte sich gegen alle Dienstordnung seinen Vorgesetzten zu unterbrechen . » Der ganze Winter wird ja vergehen , bis die Ausbesserungsarbeiten am Meteor beendet sein können «