sah in das verzerrte Gesicht . Dann seufzte er tief auf : » Jetzt hab ' ich die Rache . O hätt ' ich mein Kind . « Mit Ingrimm hatte Belisar die so ungünstige Eröffnung des Kampfes mit angesehen . Aber seine Ruhe , seine Zuversicht verließ ihn nicht , als er Ambazuchs und Bessas ' Armenier weggefegt , als er des Calpurnius Reiter durchbrochen und geworfen sah . Er erkannte jetzt die Übermacht und Überlegenheit des Feindes . Allein er beschloß , auf der ganzen Linie vorzurücken , eine Lücke lassend , um den Rest der fliehenden Reiter aufzunehmen . Jedoch scharf bemerkten dies die Goten und drängten , Witichis voran , Totila und Hildebrand , welche die Umzingelten vernichtet hatten , folgend , den Flüchtlingen jetzt so ungestüm nach , daß sie mit ihnen zugleich die Linie Belisars zu erreichen und zu durchdringen drohten . Das durfte nicht sein . Belisar füllte diese Lücke selbst durch seine Leibwache zu Fuß und schrie den fliehenden Reitern entgegen , zu halten und zu wenden . Aber es war , als ob die Todesfurcht ihres gefallnen Führers sie alle ergriffen hätte . Sie scheuten das Schwert des Gotenkönigs hinter sich mehr als den drohenden Feldherrn vor sich : und ohne Halt und Fassung rasten sie , als wollten sie ihr eignes Fußvolk niederreiten , im vollen Galopp heran . Einen Augenblick - ein furchtbarer Stoß : - ein tausendstimmiger Schrei der Angst und Wut , - ein wirrer Knäuel von Reitern und Fußvolk minutenlang : - darunter einhauende Goten : - und plötzlich ein Auseinanderleben nach allen Seiten unter gellendem Siegesruf der Feinde . - Belisars Leibwache war niedergeritten , seine Hauptschlachtlinie durchbrochen . - Er befahl den Rückzug ins Lager . Aber es war kein Rückzug mehr : es war eine Flucht . Hildebads , Guntharis und Tejas Fußvolk waren jetzt auf dem Schlachtfeld eingetroffen : die Byzantiner sahen ihre Stellung im ganzen geworfen : sie verzweifelten am Widerstand , und mit großer Unordnung eilten sie nach dem Lager zurück . Gleichwohl hätten sie dasselbe noch in guter Zeit vor den Verfolgern erreicht , hätte nicht ein unerwartetes Hindernis alle Wege gesperrt . So siegesgewiß war Belisar ausgezogen , daß er das ganze Fuhrwerk , die Wagen und das Gepäck des Heeres , ja selbst die Herden , die ihm nachgetrieben wurden nach der Sitte jener Zeit , den Truppen auf allen Straßen zu folgen befohlen hatte . Auf diesen langsamen , schwer beweglichen und schwer zu entfernenden Körper stießen nun überall die weichenden Truppen , und grenzenlose Hemmung und Verwirrung trat ein . Soldaten und Troßknechte wurden handgemein : die Reihen lösten sich zwischen den Karren , Kisten und Wagen . Bei vielen erwachte die Beutelust und sie fingen an , das Gepäck zu plündern , ehe es in die Hände der Barbaren falle . Überall ein Streiten , Fluchen , Klagen , Drohen : dazwischen das Krachen der Lastwagen , die zerbrochen wurden , und das Blöken und Brüllen der erschrocknen Herden . » Gebt den Troß preis ! Feuer in die Wagen ! schickt die Reiter durch die Herden ! « befahl Belisar , der mit dem Rest seiner Leibwachen in guter Ordnung mit dem Schwert sich Bahn brach . Aber vergebens . Immer unentwirrbarer , immer dichter wurde der Knäuel : - nichts schien ihn mehr lösen zu können . Da zerriß ihn die Verzweiflung . Der Schrei , » die Barbaren über uns ! « erscholl aus den hintersten Reihen . Und es war kein leerer Schreck . Hildebad mit dem Fußvolk war jetzt in die Ebene hinabgestiegen und seine ersten Reihen trafen auf den wehrlosen Knäuel . Da gab es eine furchtbare wogende Bewegung nach vorn : ein tausendstimmiger Schrei der Angst - der Wut - des Schmerzes der Angegriffenen , der Leibwachen , die , alter Tapferkeit gedenk , fechten wollten und nicht konnten : - der Zertretenen und Zerdrückten - und plötzlich stürzte der größte Teil der Wagen , mit ihrer Bespannung , und mit den Tausenden , die darauf und dazwischen zusammengedrängt waren , mit donnerndem Krachen in die Gräben links und rechts neben der Hochstraße . So ward der Weg frei . Und unaufhaltsam , ordnungslos ergoß sich der Strom der Flüchtigen nach dem Lager . - Mit lautem Siegesgeschrei folgte das gotische Fußvolk , ohne Mühe mit den Fernwaffen , mit Pfeilen , Schleudern und Wurfspeeren , in dem dichten Gewühl seine Ziele treffend , während Belisar mit Mühe die unaufhörlichen Angriffe der Reiter Totilas und des Königs abwehrte . » Hilf , Belisar , « rief Aigan , der Führer der massagetischen Söldner , aus dem eben gesprengten Knäuel heranreitend , das Blut aus dem Gesicht wischend : » meine Landsleute haben heut ' den schwarzen Teufel unter den Feinden gesehen . Sie stehn mir nicht . Hilf : dich fürchten sie sonst mehr als den Teufel ! « Mit Knirschen sah Belisar hinüber nach seinem rechten Flügel , der aufgelöst über das Blachfeld jagte , von den Goten gehetzt . » O Justinianus , kaiserlicher Herr , wie erfüll ' ich schlecht mein Wort ! « Und die weitere Deckung des Rückzugs ins Lager dem erprobten Demetrius überlassend - denn das hügelige Terrain , das jetzt erreicht war , schwächte die Kraft der verfolgenden Reiter - , sprengte er mit Aigan und seiner berittenen Garde querfeldein mitten unter die Flüchtenden . » Halt ! « donnerte er ihnen zu , » halt , ihr feigen Hunde . Wer flieht , wo Belisar streitet ? Ich bin mitten unter euch , kehrt und siegt ! « Und aufschlug er das Visier des Helmes und zeigte ihnen das majestätische , das löwengewaltige Antlitz . Und so mächtig war die Macht dieser Heldenpersönlichkeit , so groß das Vertrauen auf sein sieghaftes Glück , daß in der Tat alle , welche die hohe Gestalt des Feldherrn auf seinem Rotscheck erkannten , stutzten , hielten , und mit einem Ruf der