arbeitete bereits seit zwei Jahren , wie aus dem Amtsblatt vom 28. Februar 1758 hervorgeht , puncto furti , receptationis et celationis facinorosorum mit angehängter Kugel im Zuchthause . Bei diesem Anlasse muß noch hervorgehoben werden , daß durch die Enthüllungen des Verbrechers kein eigentlicher Landsmann desselben betroffen worden ist : denn die zuletzt Genannten gehörten ritterschaftlichem Gebiete an . Aus seiner Heimat hat er niemand verraten , als die Genossin seines Unglücks von Anfang an , die blonde Christine . Wenn hienach das damalige Herzogtum Württemberg , obgleich sein Zuchthaus stets gefüllt war , doch im Vergleiche mit den umliegenden Herrschaften und adeligen Besitzungen als der einzige gesunde Kern von Süddeutschland erscheint , so kann man dies , da die Nachbarn mit ihm das Christentum gemein hatten , nur dem Vorzuge zuschreiben , daß dieser Bruchteil des schwäbischen Volkes , wenn auch in sehr verkümmerter Gestalt , allein noch einen kleinen Rest von Freiheit und Selbstherrlichkeit besaß . » Dermalen « - so schließt die merkwürdige Aufzeichnung - » soll nun die Obrigkeit betrachten , was ich in den kurzen etlichen Jahren schon an Aufenthalten gemeldet habe , und das wird unter den tausend Aufenthalten kaum ein Teil sein , was nämlich die , welche zeit- und taglebens schon mitlaufen , sagen könnten , wenn sie eine beständige Erkenntnis ablegen wollten . Ich sage an : wie es denn möglich sei , Schelmen oder Diebe zu fangen , wenn man nicht solche Aufenthalte zuerst ausrottet ? Es gehet etwa ein Schreiben aus von den gnädigsten Herrschaften - so sind solche Leute da und machen es den Räubern zu wissen , oder verbergen sie selbst gar . Wie will man dieselben dann bekommen ? Es ist keine Möglichkeit , wenn man solche Orte nicht verderbt ; es entspringt der ganze Ursprung von Stehlen und Rauben aus solchen Häusern . Nur um eine kleine Andeutung zu machen , wie mir ' s in denen Häusern selbst gepassieret ist : als meine erste Frau , die Christina Müllerin , in Verhaft gekommen , und mich diese Christina Schettingerin durch ihre liebliche Redensarten zu sich gezogen und mir die Gelegenheit und solche Aufenthalte gewiesen , die mir nicht bekannt waren , und wie ich nun von einem Haus in das andere gegangen , und zum ersten kam , sprach er : Hat Christina wieder geheiratet ? - Sie sprach : ja ! Ist er aber auch ein so guter Räuber wie euer erster ? - Sie antwortete : ja ! Hätte sie gesagt : nein , so war ich schon nicht wohl daran gewesen . Sie sprach im Haus herum : er hat bald eine Sau geholet , bald ein Schaf , bald dies bald das . Er hat uns sehr viel Gutes getan , wenn ihr nur auch so gut werdet . - Das eine sprach : ich bin heut über Feld gewesen , ich habe da und dort was von Tierfleisch gesehen ; ich habe auch die Schäferpferche auf der Brache gesehen - holet das Fleisch oder holt ein Schaf , daß wir auch wieder Fleisch essen dürfen ! - ferner : habt ihr nichts Gestohlenes bei euch ? Ich brauche was von Kleidern , mein Mann hat nichts und meine Kinder haben auch nichts ; wir müssen gekleidet sein - machet , daß ihr was zu stehlen bekommet , und schaffet uns was an ! Ich bin nicht weit über Feld hinausgekommen , sonst wollte ich euch etwas ausersehen haben , wo ihr was erwischen könntet , aber bis ihr wiederkommet , will ich was ausersehen ! Und so sind alle diese Aufenthalte . Eine manche Weibsperson , die auf dem Lande gehet , hat schon bis drei oder vier am Galgen ; sie führet noch einen aus einem Dorf heraus , der nur ein Liebhaber des schönen Frauenzimmers ist ; sie bringt ihn an solche Örter hin ; er höret solche Reden ; was dieses Mensch nicht Böses genug an ihm vollbringen könnte , das wird ihm da vollends eingepflanzt und er mit Gewalt zum Stehlen gereizet und gelocket . Bei mir aber , da war schon ein kleines Fünklein zum Stehlen aufgegangen gewesen ; aber bei einem solchen Menschen , die zeit- und taglebens nichts anderes getan , und in solchen Häusern , wo nichts als von Rauben und Stehlen geredet und täglich an einem gepflanzt und geschüret wird , da muß ein großes Feuer daraus werden , und nicht mehr nachlassen , bis er dem Henker unter die Hände fällt . Und so geht es mit einem manchen . Das sind die ärgsten Schelmen , die Aufenthalt geben , und sie bleiben doch ehrliche Leute , haben auch den größten Nutzen und Genuß , und der Kleine wird gehenkt und die Großen läßt man laufen - man fürchtet , sie möchten ausgerottet werden . Wann man aber einem Vogel das Nest nimmt , so kann er keine Junge mehr liegen oder ziehen . 29. Juli 1760 . Arrestant in Vaihingen : Joh . Friedr . Schwan . « Das gerichtliche Verfahren nahm unter dieser Zeit beständig seinen Gang , ja es wurde sehr beschleunigt , da man in Stuttgart fürchtete , der Seelenzustand des Gefangenen möchte nicht für die Dauer haltbar sein . Nach geschlossener Untersuchung trat jetzt eine andere Rechtsform ein , welche , in der Verfassung und im Tübinger Vertrage begründet , bei peinlichen oder sehr schweren Fällen , deren sich ein Landesangehöriger schuldig gemacht , angewendet wurde , und einen Schatten der alten selbstherrlichen Volksgerichtsbarkeit enthielt . Der in Stadt und Amt allmächtige Beamte , nachdem er an die Regierung berichtet und von ihr die nötigen Weisungen erhalten , verwandelte sich jetzt in einen bescheidenen Ankläger , der bei der Stadtgemeinde , die er sonst regierte , als Fiskal im Namen des Staates oder vielmehr des Herzogs gegen seinen Inquisiten Recht suchte . Als solcher mußte er den gewohnten Vorsitz in der obersten Gemeindebehörde , dem Gerichtskollegium , abtreten und mit der Gemeinde ,