mir gewiß , « entgegnete Clara , und ließ ihm ihre Hand , die er bei den letzten Worten ergriffen . Fast hätte sie sie aber wieder zurückgezogen , denn er genirte sich nicht im Geringsten , sondern küßte vor den Augen des Vaters ihre Finger , was er früher nur beim Abschiednehmen auf der halbdunkeln Treppe gethan . Sie erröthete stark , fürchtete sich aber , vor ihm zurückzutreten , denn seine Augen glänzten so selig , er blickte sie so überaus freundlich an , daß sie noch viel Aergerem entgegen sah , wenn sie sich das nicht geduldig gefallen ließ . » Aber Sie müssen rathen , was ich habe ! « rief er und hielt etwas in der rechten zusammen geballten Hand empor . » Wie ist das möglich ? « sagte Clara . » Nein , nein , ich will nicht rathen ; ich habe Ihnen ja gleich offen und ehrlich gezeigt , was ich für Sie gemacht , und das Gleiche müssen Sie auch thun . « » Sie hatten Ihr Geschenk zuerst mit einem Tuche bedeckt , « entgegnete er lustig , » und damit Sie auch das meinige nicht gleich sehen , so machen Sie die Augen zu , bis ich sage , Sie dürfen sie wieder öffnen . - Nicht wahr , lieber Herr Staiger , das kann Clara schon thun ? « » Ja , das meine ich auch , « erwiderte der alte Mann ; » du kannst in dem Falle die Augen schon zumachen . « » Um so mehr , da Ihr Vater sehen wird , was geschieht , « fuhr Arthur nicht ohne Bedeutung fort . » Nun meinetwegen denn , « sprach das liebliche Mädchen , indem sie über ihre glänzenden Augen die Augenlider sanft herabfallen ließ . - Dabei sah sie sehr blaß aus , und jetzt noch mehr als wie einen Moment vorher ; ihr Herz schlug gewaltsam und sie konnte sich eines eigenthümlichen Gefühls nicht erwehren . Ja , sie zuckte fast zusammen , als nun Arthur ihre Hand wieder ergriff , als er langsam ihre Finger öffnete , um einen kalten , glatten Ring daran zu stecken . Sie hob ihre Hand empor , wagte es aber erst ihre Augen zu öffnen , als sie der junge Mann bat , dies zu thun . - Da fielen ihre Blicke auf einen kleinen goldenen Reif , den sie am Finger hatte , einen Ring ohne Zierrath und Stein , einen Ring , dessen Form sie aber wohl kannte . Was sollte das Alles bedeuten ? Der alte Mann sah fragend auf Arthur ; Clara schlug ihren Blick nieder und zitterte so heftig , daß sie sich am Tische festhalten mußte . Auch Arthur war in diesem Augenblicke erblaßt , und auch sein Athem wand sich mühsam aus der Brust . - » Was das heißen soll ? « sprach er mit einem sonderbaren Lächeln , wobei seine Augen eigenthümlich blinzelten , » das soll heißen - daß ich die Clara unendlich liebe , und daß sie und keine Andere meine Frau werden soll ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der geneigte Leser wird uns verzeihen , daß wir hier dieses Kapitel schließen , aber ein Moment , wie der , welchen nun die drei glücklichen Menschen verlebten , läßt sich unmöglich der Wahrheit gemäß schildern . Wir wollen nur noch sagen , daß Herr Staiger , so glücklich er sich fühlte , doch den Kopf schüttelte und von einer Einwilligung seitens der Eltern Arthurs als von einer fast unmöglichen Sache sprach , und daß Clara , die anfangs wie betäubt gestanden , bald darauf so voll Glück und Freude war , wie selten eine menschliche Seele ; sie küßte tausendmal den Ring an ihrem Finger , denn dieser Ring gab ihr ein Recht auf die Liebe Arthurs ; sie brauchte jetzt nicht mehr sich selbst und ihm zu verheimlichen , wie unaussprechlich sie ihn liebe , sie war vollkommen glücklich , sie kannte weiter keine Wünsche und Hoffnungen . - Wenn sie in dem Augenblicke gestorben wäre , so wäre sie hingegangen im glücklichsten Moment ihres Lebens - ein reiner , unschuldsvoller Engel . - Zweiundfünfzigstes Kapitel . Ein nächtlicher Gast . Wenn man nach einem Abende , wie ihn Arthur im vergangenen Kapitel verlebt , nach Hause geht , das Herz voll Seligkeit , die Augen strahlend , wenn man zum ersten Male von dem Mädchen , welches man liebt , öffentlich einen zärtlichen Abschied genommen und sie fest an ' s Herz gedrückt , unbekümmert um Vater und Mutter , Tante und ältere Schwestern , die vielleicht in großer Verlegenheit , daß ihnen das selbst noch nicht begegnet , den Kopf auf die Seite wenden und bedeutsam husten , so betritt man die Straße mit einem sonderbaren Gefühle . Man lacht in sich hinein , man reibt sich die Hände , man betrachtet die Häuser , ob es in Wahrheit noch dieselben seien , die da standen , während man heute Abend schon einmal hier vorbei kam ; man freut sich über den klaren Himmel und über den finsteren , über Mondschein , Schnee und Regen ; man findet es , wenn der letztere herabrieselt , von ihm eine überflüssige Mühe , daß er den Versuch macht , uns verdrießlich zu stimmen . - Wir lachen über ihn , auch über den Wind , der unsern Regenschirm empor kehrt und unsern Hut zu entführen droht . Blase nur , blase ! Wir wandeln dahin , im Herzen ein schönes , strahlendes Bild , das uns warm und trocken erhält , das uns leuchtet in finsterer Nacht , und das uns wärmt trotz Kälte und Wind . Alle unangenehmen Zufälligkeiten , die sonst wohl uns zu erzürnen im Stande sind , existiren für uns heute Abend gar nicht .