zu plaudern . Heinrich mußte ihr erzählen , wie die heutige Lustbarkeit sich veranlaßt habe , wer draußen zu treffen und wo Ferdinand sei . Sie wurde immer vertraulicher , sah ihm freundlich lächelnd in die Augen und ergriff seine Hand ; denn er war ihr wie ein guter Engel erschienen , der sie zum Glücke führen sollte . Die Landleute am Wege sahen mit Verwunderung das einzelne Pärchen dahinfahren , das wie aus einer anderen Welt kam , und Heinrich fühlte sich zufrieden und beglückt . Der Mensch nährt sich , wird gut oder böse , vom Schein . Wenn ihm das Glück eine bloße Situation gibt , so wurzelt er daran , wie eine Pflanze am nackten Felsen . Weil Heinrich nun wieder mit einem reizenden und ungewöhnlichen Mädchen , in schöner Tracht , in vertrautem Zusammensein unter dem blauen Himmel dahinfuhr wie vor Jahren , als er mit einem wirklichen Liebchen über den Berg geritten , erklärte sich sein Herz zufrieden und verlangte nichts Besseres . Er faßte sich also zusammen und nahm sich vor , ordentlich zu sein . Zwar fühlte er sich noch mehr als gestern in Agnes verliebt , aber er fühlte nun auch , daß er ihr herzlich gut war und nur Gutes wünschte . Daher entschloß er sich , ihr als treuer Freund zu dienen und alles daranzusetzen , daß ihr kein Unrecht geschähe . Als sie schon das weiße Landhaus in geringer Entfernung glänzen sahen , geriet Agnes aufs neue in große Aufregung ; sie wurde bald rot , bald blaß , und da sich eine kleine ländliche Kapelle am Wege zeigte , verlangte sie auszusteigen . Sie eilte , ihr langes Silbergewand zierlich zusammennehmend , in die Kapelle ; der Kutscher nahm seinen Hut ab und stellte ihn neben sich auf den Bock , um die fromme Muße auch zu einem Vaterunser zu benutzen , und Heinrich trat verlegen unter die offene Tür . Das Innere der Kapelle zeigte nichts als einen wurmstichigen Altar , bedeckt mit einer verblichenen veilchenblauen Decke . Das Altarbild enthielt einen Englischen Gruß , und vor demselben stand noch ein kleines Marienbildchen in einem starren Reifröckchen von Seide und Metallflittern in allen Farben . Rings um den Altar hingen geopferte Herzen von Wachs , in allen Größen und auf die mannigfaltigste Weise verziert ; im einen stak ein Papierblümchen , im andern eine Flamme von Rauschgold , das dritte durchbohrte ein Pfeil , wieder ein anderes war ganz in rote Seidenläppchen gewickelt und mit Goldfaden umwunden , eines war gar mit großen Stecknadeln besteckt , wie ein Nadelkissen , wohl zum Zeichen der schmerzvollen Pein seiner Spenderin . Auf den Bänken aber lagen zahlreiche Abdrücke eines Gebetes , das auf Pappe gezogen auch an der Tür hing und folgende Überschrift trug Gebet zur allerlieblichsten , allerseligsten und allerhoffnungsreichsten heiligen Jungfrau Maria , der gnadenreichen und hilfespendenden Fürbitterin Mutter Gottes . Approbiert und zum wirksamen Gebrauche empfohlen für bedrängte weibliche Herzen durch den hochwürdigsten Herrn Bischof usf. Dazu war noch eine Gebrauchsanweisung gefügt , wie viele Ave und andere Sprüche dazwischen zu beten seien . Agnes lag auf den Knien vor dem Altar , und den Rosenkranz , den sie aus dem Busen gezogen , um die Hände gebunden , betete sie leise , aber inbrünstig , das Gebet vor sich auf dem Boden . Wenn sie einige Worte abgelesen hatte , so schaute sie flehend auf zu dem Marienpüppchen und bat die göttliche Frau mit heiligem Ernst , ihr beizustehen in ihrer Bedrängnis und in ihrem Vorhaben . Endlich stand sie mit einem großen Seufzer auf und ging nach dem Weihkessel , in welchen sie ihre weißen Finger tauchte . Da sah sie Heinrich in die Tür gelehnt , wie er sie unverwandt betrachtete , und an seiner Haltung sah sie , daß er ein Ketzer sei . Ängstlich tauchte sie den vorhandenen Wedel tief in den Kessel , eilte damit auf Heinrich zu , wusch ihm förmlich das Gesicht und besprengte ihn über und über mit Wasser , indem sie mit dem Wedel unaufhörliche Kreuze schlug . Nachdem sie so die schädliche Einwirkung seiner Ketzerei auf ihre Andacht gebannt , ergriff sie beruhigter seinen Arm und ließ sich wieder in die Kutsche heben . Heinrich zog sein Taschentuch und trocknete sich das Gesicht , welches von Weihwasser troff ; Agnes wollte ihn daran verhindern und zog ihm das Tuch weg , und indem sie so in einen Streit gerieten , der zuletzt zum mutwilligen Scherz wurde , vergaßen sie ganz , daß sie bereits an dem Garten Rosaliens angekommen waren . Die zahlreiche Gesellschaft , welche schon in dem Landhause versammelt war , begrüßte die liebliche Erscheinung mit lauter Freude . Rosalie hatte außer den Künstlern und den Damen von gestern noch mehrere ihrer Verwandten und Freunde holen lassen , welche sich nun in sonntäglicher moderner Kleidung unter die Vermummten mischten , wovon die Gesellschaft ein zufälliges und leichtes Ansehen gewann . Rosalie selbst , um ihren Pflichten als Wirtin besser nachzukommen , zeigte sich in einfacher häuslicher Tracht , welcher sie auf das anmutvollste einigen heitern Schmuck beigefügt hatte . Als Agnes Ferdinand in seinem fremdartigen und fast weiblichen Schmucke erblickte , blieb sie einen Augenblick offenen Mundes stehen und geriet in eine verwirrte Berauschung , da er zärtlich auf sie zueilte , Heinrich für seine Mühe dankte und mit voller Aufmerksamkeit für sie besorgt war . Erst nach und nach kam sie wieder zum Bewußtsein , wachte nun auf in froher Hoffnung und ging , indem es ihr wie ein Stein vom Herzen fiel , in eine blühende Fröhlichkeit über . Sie fing an zu zwitschern , wie ein Vögelchen im Frühling , und schaute vergnügt um sich ; denn sie sah nun wirklich Ferdinand neben sich sitzen und hörte seine vertraute Stimme in artigen Worten , die er an sie richtete . Das kleine , schön gebaute Haus war mit Gästen angefüllt . In dem mäßigen Saale und den wohnlichen Zimmern