den Garten beschränken wollte , kündigten sich Zeichen einer geheimen innerlichen Wut an , welche die Besorgnis vor einer verhängnisvollen Szene erwecken mußten , und zu einer raschen Aufhebung des Verbots nötigten . Am folgsamsten war er gegen die Frau des Predigers , welche , eine gute schlichte Matrone , ihn auch sehr zweckmäßig zu behandeln wußte . Während die andern ihn doch mehr oder minder merken ließen , wofür sie ihn hielten , tat diese , als sei sein Zustand nichts Abweichendes , als müsse alles so sein , wie es war . Es war ihr aufgefallen , daß er von seinem Rocke , welcher , obgleich völlig rein gehalten , doch kaum noch in den Nähten hing , durchaus nicht lassen , ja nicht einmal die Säuberung dieses Kleidungsstücks einem andern übertragen wollte . Jeden Morgen klopfte und bürstete er selbst ihn aus . Irgend etwas Besondres hierunter ahnend , schlich sie eines Abends spät , da Hermann schon fest schlummerte , in sein Zimmer , nahm den Rock hinweg , und untersuchte ihn . Plötzlich fühlte sie etwas Hartes vorn in der Gegend der Brustteile , trennte an der Stelle das Futter vorsichtig vom Tuche , und zog jene Brieftasche hervor , nach deren Eröffnung eine so unglückliche Wendung in den Schicksalen unsres Freundes eingetreten war . Sie war verschlossen . Der Prediger , welcher herbeigerufen und mit dem Funde bekanntgemacht wurde , wollte sie gewaltsam öffnen , seine Frau war aber dagegen und sagte : » Dies möchte , wenn unser Pflegling es entdeckte , ihn aufbringen ; seien wir zufrieden , zu wissen , wo aller Wahrscheinlichkeit nach das Wort des Rätsels steckt , und stellen wir der Zeit die Lösung anheim . « Sie nähte hierauf die Brieftasche wieder ein und tat den Rock an seinen Ort . Am andern Morgen trat Hermann , den Rock über den Arm gehängt , in ihr Zimmer und erklärte , er werde sich einen neuen machen lassen , dieser sei nachgerade gar zu schlecht und dünn geworden . » Ich will dir es nur gestehn , Mutter « , fügte er hinzu , » der Rock war mir lieb , weil er so viel mit mir ausgehalten hat , aber es ist etwas damit vorgegangen , und nun mache ich mir auch aus ihm nichts mehr . Hebe ihn wohl auf , meine Geheimnisse sind darin . « » Wenn dem so ist , mein Freund « , versetzte sie , » so laß uns die Geheimnisse zusammen erwägen . Dergleichen Dinge werden oft besser , wenn vier Augen darüber kommen . « » Das ist unmöglich « , erwiderte er , entblößte seine Brust , und ließ sie ein Schlüsselchen sehn , welches er am schwarzen Bande um den Hals trug . » Sieh , dieser Schlüssel ist eigen zu der Brieftasche gemacht , von meinen Vätern - denn du mußt wissen , daß ich deren zwei habe - mir vererbt und doch schließt er nicht mehr dazu . Ich habe es oft versucht , und es wollte immer nicht gehn , auch bin ich überzeugt , daß keine Menschenhand einen dazu verfertigen kann . Also laß du diese Dinge immerhin unter dem Schlosse . « Er zog sie an sich und flüsterte ihr zu : » Es ist mir recht lieb , daß du mich nicht für verrückt hältst . In meinen guten Tagen traf ich einmal einen Menschen an , den sie in Rußland in die Bergwerke gesetzt hatten , und dem nun Mutter , Vater , Brüder und Braut gleichgültig geworden waren . So ist es mir auch ergangen ; muß man deshalb blödsinnig sein ? « Sie erzählte ihrem Manne den Inhalt dieses Gesprächs . Ihm wurde die Sache immer unheimlicher , da sein geordneter einfacher Lebensgang einen so fremdartigen Bestandteil nicht wohl vertragen mochte . Er schrieb unter der Hand an den Arzt und Wilhelmi , von deren früheren Verbindung mit Hermann er allerhand erkundet hatte . Der Arzt antwortete nicht ; er war wieder auf einer gelehrten Reise begriffen . Von Wilhelmi liefen dagegen umgehend einige Zeilen voll des regsten Eifers für den kranken , so lange verschollen gewesenen , Freund ein . Er versprach seinen Besuch , sobald ihm nur ein abermaliges Kindbette seiner Frau die Reise gestatten möchte . Viertes Kapitel Das Familiengrabgewölbe war vollendet . Säulen von grauem Marmor stützten ein ernstes Portal , von dessen Stirnfläche ein freundliches : Willkommen ! in großen goldnen Buchstaben leuchtete . Am innern Eingange lehnten zwei Genien sich als träumerische Hüter auf die umgestürzte Fackel , das Gewölbe selbst war einfach aber würdig mit großen Werkstücken ausgesetzt , und empfing durch eine Kuppelöffnung , deren Seitenlucken das stärkste Kristallglas verschloß , ein dämmerndes Licht . Diese Begräbnisstätte hatte der Oheim mit großen Kosten und vieler Mühe in dem Berge , den seine verstorbne Gattin geliebt , austiefen und schmücken lassen . Je näher er sich selbst so dem Ziele seiner Tage fühlte , desto eifriger wurde sein Bestreben , das Werk noch vollendet , die Asche der ihm so teuren Frau dorthin gebracht zu sehen . Nach seinem Willen sollte der Ort und dessen Umgebung zwar etwas Feierliches , aber nichts Düstres haben . Er ließ den Platz vor dem Gewölbe mit klarem Kies belegen ; Zypressen , Taxus und andres dunkelfarbiges Gesträuch mußte die Umsäumung desselben bilden , Mauerwerk , welches in die Runde geführt ward , war bestimmt , den Vorplatz vor dem Verwaschen und Abschießen durch Regenfluten zu schützen , an dasselbe lehnten sich schönblühende Rankengewächse , damit das Auge nirgends durch tote Massen ermüdet werden möchte . In der Tat bekam die Anlage durch den Kontrast der gediegnen Architektur mit der umgebenden Baum-Pflanzen- und Blumenwelt einen eignen Reiz , so daß jeder sich gern auf den zu beiden Seiten des Portals zum Verweilen einladenden Steinsitzen niederließ . Noch ganz zuletzt hatte sich ein bedeutendes Hindernis aufgetan . Der Architekt sah nämlich , als das Gewölbe schon