dem Unglücklichen entflohen . Ich war in diesen Stunden so vielfach aufgeregt worden , daß ich meine Pflicht für mein Regiment etwas aus den Augen verloren hatte , und jetzt , indem ich mich darauf besann , wußte ich nicht , wie ich meine Versprechungen mit diesen Pflichten vereinigen sollte . Ich empfahl die Wittwe dem Pfarrer , die ich zwar betrübt , aber doch viel gefaßter fand , als ich es erwartet hatte , und eilte nach dem Sammelplatze meines Regiments , mit dem Versprechen , vielleicht noch diesen Abend wiederzukehren . Als ich den Ort erreicht hatte , wo ein Rasttag gehalten werden sollte , überraschte mich angenehm der Befehl , drei Tage hier zu verweilen , um ein anderes Regiment zu erwarten , das sich mit dem meinigen vereinigen sollte . Ich brauchte die Vorsicht , dem Manne der Marketenderin streng zu befehlen , seine Frau nicht aus den Augen zu lassen , und ich fügte diesem Befehle die Versicherung hinzu , daß die Folgsamkeit freigebig belohnt werden sollte . Hierauf kehrte ich beruhigter zu dem Pfarrer zurück , der schon alle vorbereitenden Anstalten zu der Beerdigung zu treffen begann , die am folgenden Tage Statt finden sollte . Das Glück war mir günstiger , als ich hoffen durfte , denn wenige Stunden nach der Beerdigung zog ein französisches Regiment durch die Gebirge , das nach Frankreich beordert war und dessen Obristen ich als einen sehr achtbaren Mann kannte . Ihm durfte ich die Wittwe empfehlen , und ich war überzeugt , daß sie unter seinem Schutze Frankreich sicher erreichen würde . Es blieb mir nun nichts übrig , als sie mit der Nothwendigkeit der baldigen Abreise bekannt zu machen . Sie nahm meine Erklärung mit Ruhe auf und sagte , sie sei bereit ihrem Schicksale zu folgen und ihr Vaterland auf immer zu verlassen , das sie nie wieder wohlwollend aufnehmen würde . Sie bemerkte die Verwunderung , welche diese Worte in mir erregten , und sagte : Ich bin Ihnen , Obrist , so viel Dank schuldig , daß es mir eine Pflicht scheint , Ihnen manche Aufklärungen zu geben , ohne die Sie vielleicht mein verletztes Gefühl nicht begreifen könnten und das Unglück meines Lebens nicht einzusehen vermöchten . Sie haben es in Madrid leicht bemerken können , fuhr sie fort , mit welcher Glut der Seele ich Don Fernando liebte , denn ich war unabhängig und brauchte eine Neigung , die ich für anständig und edel hielt , nicht zu verbergen . Noch heftiger , schien es , flammte die Glut der Liebe in Don Fernandos Seele , und wir schlossen einen Bund , der , wie ich hoffte , uns beide beglücken sollte . Sie wissen , daß ich der französischen Partei aus der reinen Ueberzeugung ergeben war , daß nur durch sie das Wohl meines Vaterlandes zu erreichen möglich sei . Auch diese Ansicht schien Don Fernando zu theilen . Wir waren vereinigt , und wenige Wochen waren hinreichend , um den Schleier vor meinen Augen zu zerreißen . Ich mußte es bald erkennen , daß ihn nicht ein hohes Interesse für die Fortschritte menschlicher Veredlung nach Spanien geführt hatte , er scherzte über meine Begeisterung und glaubte , da wir so innig verbunden waren , nicht mehr nöthig zu haben , mir seine wahre Ansicht zu verbergen . Sein Vortheil bestimmte ihn allein ; er wollte bei der Verwirrung , die die verschiedenen Parteien erregten , gewinnen ; er wollte steigen , und das allgemeine Unglück sollte ihm dazu helfen , die höchsten Stufen der Ehre zu erreichen . Er hatte gehofft , dieß durch französischen Einfluß zu erlangen , doch wurde ihm dieß zweifelhaft bei dem abwechselnden Glück , womit in Spanien gekämpft wurde . Er suchte sich also der entgegengesetzten Partei vorsichtig zu nähern , ohne es mit der französischen verderben zu wollen , und hoffte so auf jeden Fall seinen Zweck zu erreichen . Abscheu und Verzweiflung erfüllten meine Seele , als ich diesen Charakter in ihm erkannte , und dennoch gab es Stunden , wo die Täuschung zurückkehrte und das Gefühl der Liebe von Neuem meine Brust belebte , wo mich der thörichte Wahn ergriff , ich könne dieß Herz vielleicht läutern , diese Seele auf eine edlere Bahn leiten ; aber bald sollte für mich auch die letzte Täuschung verschwinden . Einen Augenblick schwieg die schöne Kastilianerin , eine tiefe Röthe glühte auf ihren Wangen und die Flamme des Zornes brannte in den dunkeln Augen bei der Erinnerung erlittener Schmach . Nach kurzem Schweigen fuhr sie mit unterdrückter Bewegung fort : Nicht bloß mein Vermögen wollte er benutzen , um seine ehrgeizigen Plane zu erreichen , sondern mich selbst . Ich sollte ihm dazu dienen , die Machthaber aller Parteien zu fesseln , zu blenden - doch genug über meine Erniedrigung , die jedes Band der Seele zwischen uns löste , ohne die Fesseln zerreißen zu können , die mich unauflöslich an seine Person schmiedeten . Ich glaubte nun , ich hätte den Kelch des Elends bis auf die Hefen geleert , aber zu diesem im Herzen nagenden Unglück drängte sich noch ein Leiden von außen herein . Die Intriguen Don Fernandos waren nicht mit Feinheit geleitet , sie wurden von allen Seiten durchschaut , und wir wurden bei der französischen Partei ein Gegenstand der Verachtung . Der Hof war uns so gut als verboten , und mein Haus , das Sie als den Sammelplatz der glänzendsten Gesellschaft gekannt haben , war eine Einöde . Die Gegner der Franzosen betrachteten uns mit dem reinsten , ganz unverhehlten Abscheu und wir wurden wie Verpestete gemieden . Unter solchen Umständen fand ich es natürlich , daß Don Fernando Spanien verlassen wollte , und ich weigerte mich nicht ihm nach Italien zu folgen , das er mir als künftigen Aufenthaltsort vorschlug . Er hatte sich gleich nach unserer Verbindung mit liebender Zudringlichkeit der Verwaltung meines Vermögens bemächtigt , und in der Stimmung , in der sich meine Seele