nur ein Funken von Reue in Deiner rauhen Brust aufschlägt . « - Die Alte schlug erbittert die dargebotene Hand aus , und stand ergrimmt auf . Judith seufzte aus tiefer Brust , und ließ , ruhig sitzen bleibend , geduldig geschehen , daß die Mutter die arme Esther ziemlich derb und roh aus ihrer Betäubung aufschüttelte , und ihr befahl , sich in die Kammer zu begeben , wo sie bis zu Zodick ' s Rückkehr eingeschlossen verbleiben sollte . Esther warf scheue Blicke um sich her , als befürchte sie , den gräßlichen Bräutigam zu schauen ; dann schlug sie die Augen noch einmal mit bitterm Vorwurf gen Himmel , und ließ sich halb bewußtlos von der Alten an die Thüre der elenden , ringsum dunkeln Kammer gleiten . Judith war indessen aufgestanden , und faßte auf der Schwelle ihre Hand . » Thue nicht vorschnell ! « ermahnte sie das leidende Mädchen : » Der Mensch kann sich aus dem Leben reissen , wann und wo er will , aber nicht zu rasch beginne er das traurige Werk . Bete in dem Dunkel dieser Kammer , aber tödte Dich nicht , und kämpfe gegen die Verzweiflung . Wahrlich , ich sage Dir , Du wirst leben , und Dein Frühling wird nicht in dieser Sturmnacht untergehen , denn schon rollt über Himmel und Gebirge der Wagen desjenigen , der Dich retten wird , so gewiß als sein Sohn Mensch geworden ist . « Die Alte stieß Judith unwillig zurück : » Blödsinnige ! « schalt sie : » Deine Tollheit steigt . Laß die Dirne im Frieden . Nicht jeder bringt sich um , der damit droht , und was gilts . Ehe es Morgen wird hat die Spröde hier in des Buhlen Arm den abgeschmackten Vorsatz vergessen , und begehrt nichts besseres , denn zu leben . « - Mit einem Blicke der tiefsten Verachtung wendete sich Esther von der Unverschämten , und gieng stolz in die Kammer , deren Thüre die Alte hinter ihr verriegelte . Judith zuckte die Achseln mit finsterm Gesicht , und gieng zum Fensterlein ; während Marthen ' s Weib still und verdrossen an den Herd schlich , und sich auf seinen gewohnten Platz niederließ . Mutter und Tochter sprachen kein Wörtlein , und eine angstvolle Stille lagerte sich in der Stube , nur unterbrochen von dem Schluchzen Esthers , das manchmal laut wurde , und von dem näher und näher rauschenden Hochgewitter . Die Kienspäne flackerten traurig , und der Blitz der Wolken welcher von Zeit zu Zeit einen Strahl seines blendenden Lichtes in die Hütte warf , schien der armseligen Fichtenflamme zu spotten . Mit der Heftigkeit des Gewitters stieg die Beklommenheit des alten Weibes , das alle Überreste von Bußseufzern und Wettergebeten aus seinem Gedächtnisse hervorsuchte , um dieselben gedankenlos mit bebender Lippe abzuplärren . Die Alte sang bald , bald betete sie mit lauter Stimme ein Stücklein eines andern Betspruchs , bald grommelte sie zwischen den Zähnen Worte ohne Verstand und Zusammenhang . Dabei wurde ihre Angst immer mächtiger , und Judith , die das verzweiflungsvolle Treiben der Mutter ersah , trat endlich wieder zu ihr . - » Mutter ; « sagte sie zu ihr : » Nicht thuts Noth , Euern Leib zu peinigen , da doch die Seele nimmer gesunden will . Was sollen die Worte der Angst aus Eurem Munde , da doch das Herz nichts von ihnen weiß ? Warum zerschlagt Ihr die Brust , da doch nicht der Heiland darinnen seinen Tempel erbaut ? Ach Mutter , so Ihr nicht Euer Elend erkennt , wird Euch die Bitte auch nur zum Fluch . Aber auch nur ein Gedanke kann hinwiederum Euch retten ; ich besorge jedoch , er wird sich nicht einfinden in Euerm verstockten Gehirne , der Gedanke Eures entsetzlichen Jammers , erzeugt durch die Ruchlosigkeit Eures Wandels . Verdreht nicht die Augen , seufzt nicht , als ob ein Berg auf Eurer Brust läge , denn nicht Eure Schuld belastet Euch , sondern die Mahnung an das Ende . Stoßt mich nicht von Euch , denn wie bald werden nicht Eure zitternden Hände nach mir langen ? O Mutter , .. Mutter , die mich gesäugt hat zum elenden Daseyn ! Warum ist Dein Haar schon grau vom Schimmel des Alters ? Warum ist Dein Leib vertrocknet , und darinnen nicht minder Dein Herz ? Daß Du zum Kinde werden könntest , mit offenen Ohren und vertrauender Seele , und weichem Gefühl . Du würdest dann in jenem Donner der Höhe nicht den Schritt des zornigen Gottes vernehmen , sondern die Siegesklänge seiner Liebe ... Du würdest Dich sehnen hinaufzugehen zu ihm auf der Leiter seiner flammenden Blitze ; - aber nicht dem himmlischen Feuer ist Dein Leben verfallen , Unglückliche . « - Das Wort auffahrenden Zornes auf der Zunge der mitten in ihrer Angst erbitterten Mutter erstarb unter dem krachenden Gebrüll eines fürchterlichen Donnerschlags , welcher die Erde beben machte . Der Blitz , der mit ihm zugleich vom Himmel fiel , schien die Umgegend rings in Feuer zu setzen ; er war indessen schon lange erloschen , als seine falbe Helle noch von den geblendeten Augen der Weiber flatterte , die nun langsam sich weiter auftathen . Ihre Ohren summten aber noch lange den gräulichen Wetterschlag nach , der noch jetzt dumpf und langsam fortdröhnte , und sich wie in einen jammernden Schmerzruf aus der Ferne auflöste . Judith , die der armen Esther klagende Stimme zu vernehmen dachte , lehnte lauschend das Haupt an der Kammer Thür . Das Mädchen darinnen betete laut in hebräischer Sprache , eifrig und stark . Durch das Fenster jedoch , das Sturm und Wettergewalt aufgerissen hatte , drang durch den heftig niederströmenden Regen der vorige Schmerzruf in die Stube , und wollte nimmer verstummen , und erneute sich immer wieder , und wurde gräßlicher , je länger er währte , und schien der Hütte näher zu kommen . --