seinen Bruder erschlagen , und lechzend blieb er endlich hinter einem Rebenhügel liegen . Das große Herbstfest hatte während dieser Zeit immer mehr Stimmen in seinen Jubel und Strudel hineingerissen . Die Kinder waren mit einem andächtigen Ernteliede in den Hof gekommen , wo die Geschenke ihnen ausgeteilt werden sollten und wo die Bürger sich eine Mahlzeit hatten bereiten lassen . Der kleine Anton hing nach kurzer Einsegnung durch einen Geistlichen die Blumenkrone vor dem Muttergottesbilde auf , der Geistliche betete dann in einer der Feierlichkeit angemessenen Rede für diese Jugend , daß sie der milden Gesinnung treu bleiben möchte , in der dieses Fest von dem Bürgermeister war gestiftet worden , daß keine falsche Deutung das freudige Wesen desselben lieblos herabwürdige und daß die Kindheit mit der Wunderwelt , die sie erzieht , beschützt bleibe wie die Pracht der Kirche , durch Meister Antons Standhaftigkeit in jenen Schreckenstagen der Bilderstürmerei bewahrt worden sei . Bei diesen Worten suchte er Anton in der Versammlung , weil er seine Rückkehr erfahren hatte und ihn gegenwärtig meinte , da er ihn indessen nicht ersehen konnte , rief er den kleinen Anton zu sich auf die erhöhten Stufen , ermahnte ihn , dem Beispiele seines Vaters in allem Guten zu folgen , der Knabe weinte über die hohe Auszeichnung , die ihm wurde , nachdem er von allen auf dem Pachthofe , wohin er nach dem Tode Oswalds untergebracht , als ein Missetäter angesehen worden ; allgemein verbreitete sich die Rührung und das stille Gebet für den Kleinen , der die ganze Stadt an jenem Tage für sich eingenommen hatte . Der Geistliche glaubte nach diesem Augenblicke allgemeiner Teilnahme nichts Bedeutendes mehr sagen zu können , er schloß daher , indem er zum Frieden im fröhlichen Genusse ermahnte ; eine Warnung , die in dieser Gegend besonders notwendig war , wo die Bauerfrauen , die aus entfernteren Gegenden zu Kirchweihen zogen , gern das Totenhemd für ihre Männer ihrem Sonntagsstaate beipackten , um für alle Fälle gesorgt zu haben ; das Volk wollte Blut sehen , um nüchtern zu werden . Nach der feierlichen Rede wurde wieder ein angemessener Dank für die reiche Ernte aus einem alten Kirchenliede gesungen , dann wurden die Kinder auf den grünen Bleichplatz geführt , wo Bretter als Tische , und Decken zum Sitzen gelegt waren , die Milchsuppe wurde in großen Braukesseln herbeigetragen und auf die Teller gekellt , die Weizenbröte wurden ausgeworfen , die irdenen Weinkannen ausgeteilt , der Schweinebraten nach den Einschnitten seiner harten knupprigen Schwarte in breite Stücke zerlegt , deren weißer Glanz mit brauner vieläugiger Brühe bedeckt , den Kindern ungeduldig in die Augen leuchtete ; dann der Äpfelkuchen , reichlich mit Honig bestrichen , das Mahl und den Mund der Kinder schloß . Nach feierlichem Gebete standen sie auf und durften sich selbst in den Gärten die reifen Frühäpfel abschütteln . Da gab ' s ein Leben , als sie die Mäntel und Barette und aus Schonung ihre neuen Wämser und Hemden abgelegt hatten , jeder Baum schien ein volles Nest von Engeln , ein Adler schwebte lange über ihnen und senkte sich nieder , weil der kleine Anton , auf den höchsten Ästen immer voran , und der kühnste , obgleich einer der jüngsten , ihm winkte , aus sehnlichem Verlangen auf ihm zur Sonne zu reiten . Da ließ sich der Adler bis nahe über dem Haupt des Kleinen herab , der ihm freundlich einen Apfel reichte ; der Adler nahm ihn mit seinem Schnabel , und sei es , daß ihm die Gabe genügte , oder daß ihn das Geschrei der andern Kinder erschreckte , er stieg mit rastlosem Fittich der Sonne zu und verlor sich dem geblendeten Auge in ihrer rollenden Scheibe . Frau Anna saß halb träumend auf dem Ehrenplatze des bezahlten Gasttisches , ihr zur Seite war ein Platz für Anton leer , sie wurde durch die Erzählung aus einem Taumel erweckt , in welchen sie das Außerordentliche der Begebenheiten verzaubert hatte , sie freute sich über dies Ereignis , aber dieser kleine Anton , wenn sie ihn auch nicht mehr haßte , war ihr gleichgültig , sie trank kaum seine Gesundheit mit , die ihm gebracht wurde , und fragte nur zuweilen nach dem kleinen Wilhelm , den sie der Verwalterin im Pachthofe übergeben hatte , um ihn zu ihrem Kinde in die Wiege zu legen . Katharina sah sie mit großer Verwunderung an , sie konnte nicht begreifen , daß diese Frau , deren Wesen ihr so gemein und niedrig erschien , die Frau ihres Bruders sein könne , und wie Frau Anna die Versicherung des Ratsherrn Arnold , daß es nichts koste , dazu benutzen wollte , sich einmal ganz satt zu essen , so stieg der Hochmut in Katharinen so gewaltig , daß sie über den Geruch der Speisen , die reichlicher gewürzt waren , als es in der Hexenküche ihrer Mutter herkömmlich , die Nase rümpfte , ja wohl gar darauf nieste , daß keiner den Teller anrühren mochte und alle nur aus Rücksicht , weil sie mit den Fremden gekommen , es beim Zischeln bewenden ließen . Als der Hunger aber so mächtig in ihr wurde , während die meisten andern schon den Käse schabten , daß sie die fortgeschobenen Teller einen nach dem andern vornahm und mit dem Brote bis zum letzten ausputzte , da konnten sich viele nicht mehr des Lachens enthalten . Sie wollte trotzig die Ursache wissen eine dreiste Frau vertraute es ihr , da wurde sie so beleidigt , daß sie mit so elendem Volke gar nicht mehr ausdauern mochte und die Gesellschaft verließ . Kaum war sie fort , so legten die Pforzheimer mit allen sonderbaren Geschichtchen los , die sie von ihr unterwegs erfahren , wie sie ein Kind gehabt und doch Jungfrau sei , daß sie ein unehelich Kind und ihre Mutter eine Hexe . Zum Unglück war Güldenkamm und Susanna bei diesen Erzählungen nicht gegenwärtig , sie hätten ihnen sonst Einhalt