so feine Zeichnerin ! Wie gings aber zu ? Habt Ihr denn das holde Kind gar nicht gekannt ? « - » Einen Frühling lang « ( sagte schnell Albano ) - » Mein guter Dian , ich will jetzt zum Vater zurück und antworte nicht mehr . « - » O meinetwegen ! - Ich muß aber mehr erfahren « , beschloß Dian . Und so stiegen sie schweigend und eilend über Schutt und Säulentorsos , und keiner gab auf die große Rührung des andern acht . Siebenundzwanzigste Jobelperiode Peterskirche - Rotonda - Coliseo - Brief an Schoppe - der Krieg - Gaspard - der Korse - Verwicklung mit der Fürstin - die Krankheit - Gaspards Bruder- Peterskuppel und Abschied 104 . Zykel Rom ist wie die Schöpfung ein ganzes Wunder , das sich allmählich in neue Wunder zergliedert , in das Coliseo , in das Pantheon , die Peterskirche , in Raffael u.s.w. Mit dem Durchgang durch die Peterskirche fing der Ritter den schönen Lauf durch die Unsterblichkeit an . Die Fürstin ließ sich von der Kunst mit dem Männer-Kreise verbinden . Da Albano mehr von Gebäuden als von jedem andern Kunstwerk ergriffen wurde : so sah er mit heiligem Herzen von weiten das lange Kunst-Gebürg , das wieder Hügel trug - so trat er vor die Ebene , um welche zwei ungeheuere Kolonnaden wie Korsos laufen , ein Volk von Statuen tragend ; in der Mitte steigt der Obeliskus und zu seiner Rechten und Linken ein ewiges Wasser auf , und von den hohen Stufen schauet die stolze Kirche der Welt , innen mit Kirchen besetzt , auf sich einen Tempel gen Himmel reichend , auf die Erde herunter . - Aber wie waren in der Nähe ihre Säulen und ihre Felsenwand ungeheuer aufgestiegen und flohen den Blick ! Er trat in die Zauberkirche , die der Welt Segen , Fluch , Könige und Päpste gab , - mit dem Bewußtsein , daß sie wie das Weltgebäude sich immer mehr erweitere und entferne , je länger man in ihr ist . Auf zwei Kinder von weißem Marmor , die eine Weih-Muschel von gelbem hielten , gingen sie hin ; die Kinder wuchsen durch das Nahen , bis sie Riesen waren . Endlich standen sie am Hauptaltar und dessen hundert ewigen Lampen - welch eine Stelle ! - Über sich das Himmelsgewölbe der Kuppel , auf vier innern Türmen ruhend , um sich eine überwölbte Stadt von vier Straßen , worin Kirchen standen . - Am größesten wurde der Tempel durch Gehen ; und wenn sie um eine Säule traten , so lag ein neuer vor ihnen , und heilige Riesen schaueten ernst herab . Hier wurde dem Jüngling nach langer Zeit das große Herz gefüllt : » In keiner Kunst « ( sagt ' er zu seinem Vater ) » wird die Seele so gewaltig vom Erhabnen angefasset als in der Baukunst ; in jeder andern steht der Riese in ihr und in den Tiefen der Seele , aber hier steht er außer und dicht vor ihr . « - Dian , dem alle Bilder deutlicher waren als abstrakte Ideen , sagte : » Er hat vollkommen recht . « - Fraischdörfer versetzte : » das Erhabene stecke auch hier nur im Kopfe , denn die ganze Kirche stehe doch in etwas Größerem , nämlich in Rom und unter dem Himmel , wobei wir ja nichts empfänden . « Auch klagt ' er , » daß dem Erhabnen der Platz in seinem Kopfe sehr verengt werde durch die unzähligen Schnörkel und Monumente , die der Tempel zugleich mit sich in ihn hineintreibe « Gaspard sagte , alles mit einem großen Sinne nehmend : » Steht nur einmal das Erhabne wirklich da , so verschlingt und vertilgt es eben seiner Natur nach alle kleinen Zierden um sich her . « Er führte zum Beweise den Münsterturm und die Natur selber an , die durch ihre Gräser und Dörfer nicht kleiner werde . Die Fürstin genoß unter so vielen Kunstverständigen schweigend . Das Ersteigen der Kuppel riet Gaspard einem regen- und wolkenlosen Tage aufzuheben , um die Welt-Königin Roma auf und von dem rechten Throne zu schauen ; er schlug dafür sehr eifrig den Besuch des Pantheons vor , weil er es gern schnell hinter den Eindrücken der Peterskirche wollte folgen lassen . Sie gingen dahin . Wie einfach und groß tut sich die Halle auf ! Acht gelbe Säulen tragen ihre Stirn , und majestätisch wie das Haupt des Homerischen Jupiters wölbt sich sein Tempel ! Es ist die Rotonda oder das Pantheon . - » O der Niedrigen , « ( rief Albano ) » die uns neue Tempel geben wollen ! Hebt die alten aus dem Schutte höher , so habt ihr genug gebauet . « 175 - Sie traten hinein ; da wölbte sich ein heiliges , einfaches , freies Weltgebäude mit seinen hinaufstrebenden Himmelsbogen um sie , ein Odeum der Sphärentöne , eine Welt in der Welt ! - Und oben176 leuchtete die Augenhöhle des Lichts und des Himmels herab , und das ferne Flug-Gewölk schien die hohe Wölbung zu berühren , über die es wegschoß ! Und um sie her standen nichts als die Tempel-Träger , die Säulen ! Der Tempel aller Götter vertrug und verbarg die kleinlichen Altäre der spätern . Gaspard befragte Albano über sein Gefühl . Dieser zog die größere Peterskirche vor . Der Ritter billigte es und sagte , » daß überall der Jüngling gleich den Völkern das Erhabene besser empfinde und leichter finde als das Schöne , und daß der Geist des Jünglings vom Starken zum Schönen reife , wie der Körper desselben vom Schönen zum Starken ; indes zieh ' er selber das Pantheon vor . « - » Wie könnten auch Neuere « ( sagte der Kunstrat Fraischdörfer ) » etwas bauen , außer einige Berninische Türmlein ? « - » Dafür « ( sagte der verletzte Land-Baumeister Dian , der den Kunstrat verachtete , weil