in der Hand einen langen Stab , an dessen Spitze eine Anzahl Arekanüsse hingen und über ihnen eine weiße Pappe mit dem Zeichen » Shen « . Er stellte die Chinesen in einer Reihe quer vor uns auf , setzte sich in seine eindrucksvollste Positur , schwang den Stab einige Male hin und her und begann , teils arabisch , teils englisch , malajisch und chinesisch , wie es ihm grad auf die Zunge kam , folgendermaßen zu sprechen : » Wir sind eine Deputation von Aufwieglern , Rebellen und Empörern . Wir wollten eine große Revolution machen , aus der aber nichts geworden ist , weil wir nichts davon wußten . Und als wir es erfuhren , da machten wir nicht mit . Denn als der Ho-Schang seine Rede auf dem großen Platze in Shen-Fu gehalten hatte , da wurden plötzlich alle gescheit , die dumm gewesen waren . Das darf aber bei einer richtigen Revolution nicht sein , und darum wurde es eben keine ! Die Fremden aus dem Abendlande hatten uns über die große , menschenfreundliche Shen belogen . Sie hatten sich sogar lustig über sie gemacht und sie als eine Albernheit bezeichnet , die bei ihnen gar nicht vorkommen könne . Aber hier bei Euch erkannten wir dies als die größte Lüge , zu welcher in unserm Lande und in unserm Volke gar Niemand fähig wäre . Darum bereuten wir es , diesen Fremden unser Vertrauen geschenkt zu haben . Wir beschlossen , Euch um Verzeihung zu bitten , und wählten unter uns eine Gesandtschaft von zwölf Männern aus , welche die Macht besaßen , sich als unsere Deputation zu Euch zu begeben , um an unserer Stelle zu Euch zu reden . - - - Sobald wir uns gewählt hatten , gingen wir aus dem Dorfe herauf nach dem Schlosse . Aber als wir es erreichten , war unsere Macht zu Ende , denn wir bekamen Angst und fürchteten uns , vor Euch zu erscheinen . In dieser Not waren wir so glücklich , mich zu finden , weil ich grad von der Kapelle herunterkam und dabei an uns vorüberging . Wir faßten Mut und fragten mich nach Euch . Ich aber antwortete uns sehr freundlich und bereitwillig , weil ich doch zu unserer Shen gehöre . Ich erteilte uns den besten Rat , den es gab . Ich sagte uns , daß ich der einzige Mann sei , der uns Hülfe bringen könne , weil ich so gut chinesisch rede . Ich machte ihnen diesen Stab des Friedens und der Verzeihung , und sie putzten mich mit Blättern und mit Blumen an . Dann führte ich uns hierher . Seit ich zum Rädelsführer der Verschwörer ernannt worden bin , haben wir ganz neuen Mut gewonnen , und ich bitte um die Erlaubnis , meine Rede halten zu dürfen , damit ich sagen kann , was wir von Euch und von der Shen uns wünschen ! « Diese Einleitung machte einen so vorzüglichen Eindruck auf uns , daß wir gleich alle zusammen antworteten , er solle nur so schnell wie möglich anfangen . Da hielt er uns denn eine Rede , die ich trotz ihrer Mängel als ein kleines Meisterstück bezeichnen möchte . Ja , es ist wahr , wir kamen aus dem Lächeln über seine eigenartige Ausdrucksweise gar nicht heraus , aber auch nicht aus der herzlich tiefen Rührung , in der er uns ohne Unterbrechung festzuhalten wußte . Sie hätten gar keinen bessern Dolmetscher ihrer Reue , ihrer Umkehr und ihrer guten Vorsätze finden können , diese sogenannten Rebellen und Empörer . Daß sie einsahen , verführt worden zu sein und üble Vorsätze gehabt zu haben , das brauchte uns nicht zu wundern , denn sie waren ja denkende Menschen . Aber sie ließen uns bitten , sich oben an der Kapelle versammeln zu dürfen , wo der Reverend im Namen der » Shen « zu ihnen sprechen und ihnen ihre Sünden verzeihen möge ! Und nach der Ursache dieses Wunsches gefragt , ließen sie durch den Sejjid erklären , sie seien aus Feinden in Freunde der » Shen « verwandelt worden , sie möchten aber noch mehr werden , nämlich Mitglieder ; dies sei aber ohne vollständige Vergebung nicht möglich , und hierzu müsse ihrer Ansicht nach nicht ein gewöhnlicher Mann , sondern ein Priester erforderlich sein . Das war doch mehr als das , was man erklärlich oder gar selbstverständlich nennt ! Der Reverend fragte bei Fu und John mit einem Blicke an . Beide nickten . Darum gab er den Bittstellern den Bescheid : » Der Tag der Feindschaft gegen uns ist fast vorüber . Nur eine Stunde noch , dann ist es Mitternacht . Bringt Eure Leute her , um diese Zeit des Schrittes in das Neue ! Ich will mit einem Gotteswort beim Klang der Orgel Euch hinüberleiten . Ihr ahnt den bessern Morgen . Ihr sollt ihn nicht bloß ahnen , sondern sehen , mit erleben . Jetzt geht ! « Kaum daß sie sich entfernt hatten , wurde Fu abgerufen . Es sei soeben ein Pao-Chin-Ti69 mit einem kaiserlichen Schreiben angekommen . Er kehrte erst nach einiger Zeit zurück , da dieser Mann in gebührender Weise empfangen und als hoch willkommener Gast behandelt werden mußte . Sein Gesicht war ernst , außerordentlich ernst . Man sah ihm an , daß es sich um eine ungewöhnliche , sehr wichtige Sache gehandelt hatte . Er hielt das Schreiben in der Hand , ging nach seinem Platze , setzte sich aber nicht , sondern blieb stehen und sagte , während Aller Augen an seinen Lippen hingen : » Dieser erste Tag der Shen schließt für mich ernst und schwer . In meiner Hand liegt hier das Schicksal ganzer Völker . Wir alle sind einander eng verwandt . Es ist also nicht nötig , daß ich schweige . Ich darf es nicht nur sagen ; Ihr sollt das Schreiben hören , Wort für Wort . « Er faltete es auseinander