» Bouvet « , der nun den Kampf eröffnete . Es blitzte auf , der Donner rollte über das Wasser , doch die Kugel schlug in weiter Entfernung vom preußischen Schiff ins Wasser . » Wir schießen nicht , bis die Entfernung zwischen beiden Schiffen auf vierhundert Meter herabgesunken ist « , sagte Kapitänleutnant Knorr ruhig . Ein Hoch der Mannschaft auf ihren Kommandanten antwortete seinen Worten . Jedes Herz schlug erwartungsvoll , während das Schiff mit höchster Fahrt durch die Wellen stampfte . Schuß auf Schuß erschütterte vom Bord des Bouvet die stille Morgenluft , ohne jedoch zu treffen , während auf dem Meteor gleichsam zur Herausforderung von allen drei Masten die Toppflaggen lustig flatterten . Endlich aber konnte das deutsche Geschütz antworten . Auf dem Meteor blitzte es auf , und ein erster Gruß aus seinen Rohren pfiff durch das Takelwerk des Franzosen . Im gleichen Augenblick schien sich jedoch das Glück gegen die Deutschen zu wenden . Es erhob sich ein plötzlicher Wind , dem das Kanonenboot entgegenarbeiten mußte , während er andererseits den Bouvet mit schneller Fahrt auf die Breitseite des Feindes zutrieb . Das alles ereignete sich innerhalb weniger Minuten , und die Entfernung der beiden Schiffe verringerte sich auf dreihundert Meter , bevor man noch an Bord des Meteor die neue Lage richtig erkannte . Das Schlingern des weit kleineren Fahrzeuges war durch den aufkommenden Wind so stark geworden , daß kaum noch ein richtiges Zielen möglich war . Der Ernst des Augenblicks war unverkennbar . Der Kapitänleutnant behielt jedoch seine ruhige Geistesgegenwart . Er stand auf der Kommandobrücke und übersah mit sicherem Blick die Lage . » Ruhe « , befahl er mit tiefer Stimme . » Ruder hart Steuerbord ! Klar zum Entern ! « Der Befehl wurde sofort vollzogen . Robert , der dicht bei der Kommandobrücke stand , sah mit einer Art begeisterter Verehrung auf den Kommandanten , der so vollkommen ruhig und sicher die Lage überblickte . » Ein solcher Mann will ich werden ! « dachte er und packte sein Gewehr fester . Alles an Bord war totenstill , aller Augen sahen auf den Kommandanten . Durch die hochgehenden , fast tobenden Wellen brausten die beiden Schiffe aufeinander zu . Jetzt - jetzt kam die Entscheidung - - Nur noch Augenblicke , dann waren vielleicht fünfundsechzig Menschen in den Fluten des Meeres begraben , dann berichteten die Zeitungen von einem glänzenden Siege der Franzosen über das kleine preußische Kanonenboot Meteor . Und jetzt , - beide Fahrzeuge berühren einander - - Aber da fliegt ein befreiendes Lächeln über das Gesicht des Kommandanten - - Sein geübter Blick hatte ihn nicht getäuscht , er hatte richtig gehandelt . Im spitzen Winkel trafen beide Schiffe zusammen , es knirschte und krachte , die Bordwände berührten sich , nur wenige Sekunden lang sahen sich die Gegner aus nächster Nähe ins Auge , dann war die größte Gefahr vorüber . Niemand hatte Zeit gehabt , ans Entern zu denken . Jetzt aber eröffneten die Franzosen ein heftiges Gewehrfeuer , das von den Deutschen lebhaft erwidert wurde . Neben Robert fiel der Steuermann und stürzte , sofort getötet , auf die Decksplanken . Robert sah auf . Ein wilder Zorn hatte ihn gepackt . Er suchte mit den Augen auf dem Bouvet den Schützen und hatte ihn nur zu bald entdeckt . Halb von der Takelage verborgen lauerte der Mann und erhob schon sein Gewehr zum nächsten Schuß . Es war unverkennbar der Kapitän , auf den er zielte . Das erkennen und unbekümmert um die eigene Sicherheit zwischen die Kugel und ihr Ziel springen , war für Robert Sache eines Augenblicks . Er fühlte einen Schlag gegen die linke Schulter , so daß er für einen Moment schwankte , dann aber nahm er noch einmal seine Kräfte zusammen , legte an und gab Feuer . Wie damals in der Prärie der getroffene Adler , so stürzte der Franzose aus den Marsen herab . Ein lautes Bravo des Kapitänleutnants belohnte den gelungenen Schuß . » Sie haben für mich Ihr Leben in die Schanze geschlagen , Kroll « , sagte der Kommandant laut . » Ich danke Ihnen und werde es Ihnen nicht vergessen . « Robert wankte , aber ein Glücksgefühl , wie er es nie gekannt hatte , durchzog sein Herz . Schon nahmen ihn einige Matrosen , unter ihnen der blonde Maat , in ihre Mitte , um ihn ins Lazarett zu führen . » Laßt doch ! « stammelte er , » laßt nur - ich kann allein gehen . « Aber Gerber ließ nicht locker . » Du Tausendsassa , du Schwerenöter « , raunte er . » Kommt dieser Junge kaum an Bord , hat noch keinen Schuß abgefeuert und zeichnet sich schon vor allen aus . Na , das hätte aber leicht dein letzter Augenblick werden können . « Robert lächelte matt . » Es kam ja nicht auf mich an « , flüsterte er , » sondern auf den Kommandanten . « Und dann verließ ihn das Bewußtsein . Gerber trug ihn wie ein kleines Kind ins Zwischendeck , wo der Schiffsarzt mit seinem Assistenten bereitstand , um die Verwundeten zu verbinden . » Schnell , Herr Doktor « , bat der keuchende Unteroffizier , » bitte , sagen Sie mir , ob es schlimm ist . Ich möcht ' s gern wissen und muß doch wieder hinauf . « » Das Gewehrfeuer hat aufgehört « , bemerkte der Arzt , während er Roberts Kleider öffnete und die Wunde untersuchte . » Wie kommt das ? « » Gotts ein - - « Der gemütliche Maat hätte fast einen Kernfluch vom Stapel gelassen , aber er besann sich noch zur rechten Zeit , daß auch der Arzt ein Offizier sei , wenigstens dem Range nach , und verschluckte seinen energischen Satz , indem er laut sagte : » Zu Befehl , Herr Doktor , die Entfernung ist dafür zu groß geworden . Aber wie steht