hat mich nicht beglückt und diejenigen nicht beglückt , die zu beglücken ich gewünscht habe ! Hier sind zufriedene Menschen , die nicht über sich denken und hinleben in gleichgültiger Gedankenlosigkeit ; ich will hingehen und werden wie sie ! Ich will werkthätig werden wie sie und meine geheimen Neigungen nicht prüfen , ich will den Menschen wohlthun , dem Tage leben , der Zeitlichkeit leben , wie diese Familie hier , und wenn dann meine Stunde schlägt , so will ich hintreten vor den Thron des Herrn und ihm sagen : Du hast mich geschaffen mit meiner Schwäche und Sündhaftigkeit , du hast die Versuchung in meinen Weg gestellt , ohne mir die Kraft des freudigen Siegens zu geben ; dein ist meine Schuld , nicht mein - ich wasche meine Hände in Unschuld ! Er hätte noch lange so fortsprechen können , ohne daß die Baronin ihn unterbrochen haben würde . Sie hatte ihre Hände auf ihren Knieen gefaltet , ihr Haupt ruhte auf ihren Händen . Wie die Stimme des Gerichtes tönten die langsam und gewichtig gesprochenen Worte des Geistlichen auf sie hernieder , sie glaubte eine Offenbarung zu vernehmen , ein Wunder zu erleben ; denn dies Alles , eben dies Alles hatte sie sich gesagt , diese Zweifel hatten ihr Herz bewegt , zu diesen Schlüssen hatte es sie gedrängt . Wie ein Erleuchteter , ein Seher erschien ihr der Mann , der also ihre innerste Seele erkannte . Sie war wieder völlig willenlos in seine Hand gegeben . Freilich hatte er ihr Nichts gesagt , als was sie ihm seit Jahren immer und immer wieder in ihren Bekenntnissen anvertraut , und doch traf es sie wie mit einem Zauber ; denn der Mensch , wie oft er sich auch seine eigene Seele zergliedert und enthüllt , ist sich neu und überraschend , wenn ein Anderer ihm das Bild entrollt , das er diesem selbst geliefert hat , und in der Ueberraschung vergißt er , daß er dies gethan . Der Caplan hatte seinen Sitz verlassen . Hoch und ruhig auf die Gebeugte niederblickend , hütete er sich , sie zu erheben . Er wußte , daß er sie zu schonen hatte , und die Baronin war ihm theuer ; aber auch jetzt wieder empfand er , was er sich als einem der Glieder jener großen hierarchischen Verbrüderung schuldig sei , die sich die Herrschaft über den Menschengeist als ihr angestammtes Erbe und Recht zuerkennt . Es war nicht sein persönliches Belieben und Empfinden , es war nicht nur das Wohl und Wehe , nicht nur die Unterwerfung dieser einen , am Abhange ihres Lebens stehenden Frau , mit denen er es zu thun hatte . In dieser Frau hatte er das Geschlecht derer von Arten an der Kirche und in der Kirche festzuhalten ; aus ihrer Hand mußte und konnte er am sichersten die Machtvollkommenheit über den Knaben gewinnen , der bestimmt war , den stolzen Namen fortzupflanzen ; und wäre das auch nicht gewesen - er schuldete es sich und seiner Kirche , eine Seele in ihren Banden festzuhalten , die ihr einmal gewonnen worden war und deren Bekehrung seiner Zeit viel von sich sprechen machen . Es war still in dem Zimmer ; der Caplan stand sinnend an der Seite der Baronin . Da er sie also in sich versunken sah , reichte er ihr die Hand . Es ist jetzt an Ihnen , meine arme Freundin , sprach er , mich meines Irrthums , wie ich Sie bat , zu zeihen , wenn ich mir einen solchen zu Schulden kommen ließ . Sie hob ihr Antlitz in die Höhe , es war von Thränen überströmt . O , Vergebung , Vergebung ! war Alles , was sie sagen konnte , denn ein krampfhaftes Weinen unterdrückte ihre Worte . Seba , die sich während dieser Unterredung im Nebenzimmer aufgehalten , trat , ohne eine Aufforderung abzuwarten , in die Thüre . Der Ton der Weinenden gab ihr nach ihrer Meinung ein Anrecht dazu , denn sie hatte einzustehen für das Befinden der ihr anvertrauten Kranken . Um Gottes willen , was ist geschehen ? rief sie , unbeirrt durch die gebietende Erscheinung des Caplans , indem sie auf die Baronin zueilte und an ihrem Sessel niederknieete . Nichts , nichts ! entgegnete Angelika mit sanfter Abwehr . Nichts ? wiederholte Seba , während ihre klugen Augen sich von der Kranken zu dem Geistlichen und von diesem zu der Kranken wandten . Nichts - und Sie weinen , daß es Ihnen den Athem versetzt , und Ihre Hände sind so kalt ? - Sie wollte auffahren in ihrer zornigen Besorgniß , aber sie überwand sich , und mit schneller Ueberlegung sich an den Geistlichen wendend , sagte sie : Herr Caplan , wir haben die Ehre , Sie unsern Gast zu nennen , und sind sehr glücklich darüber ; da man aber mit seinen Gästen doch in Frieden und Freundschaft leben soll , lassen Sie uns ein Abkommen mit einander treffen ! Dem Caplan , der mit erprobtem Scharfblicke in der ganzen Haltung Seba ' s die Entschlossenheit eines festen Herzens erkannte und der von der Baronin bereits erfahren hatte , wie sehr diese für ihre Pflegerin eingenommen war , kam es darauf an , in Angelika keine Art von Mißtrauen gegen ihn aufkommen zu lassen . Er hielt sie wieder fest in seiner Hand , und er war wie immer gern bereit , ihr so viel Freiheit der Bewegung zu vergönnen , als er ihrem Heile angemessen glaubte . Es war sonst nicht in seiner Art , ähnlichen Aufrufen , wie Seba an ihn richtete , mit Leichtigkeit zu begegnen . Die Sprache der Galanterie , die er mit seiner Würde unvereinbar fand , hatte seinem Ernste ohnehin nie zugesagt und lag ihm jetzt noch ferner ; aber er ging , von einer plötzlichen Ueberlegenheit bestimmt , auf Seba ' s Forderung freundlich ein und versicherte , daß er sehr bereit sei