? Es geht besser , wenigstens sagt Bruno so ; aber ich fürchte , nichts weniger als gut . Sie wissen , er ist ein Held , auch im Ertragen von Schmerzen . Ja , das ist er ! sagte Helene ; ich liebe ihn wie einen Bruder ; nein ! viel , viel mehr , als einen Bruder . Der Gedanke , ihn zu verlieren , ist für mich entsetzlich . Sie glauben nicht , wie ich mich seinetwegen quäle . Gewiß nicht mehr , als er sich Ihrethalben ; sagte Oswald . Wie das ? fragte Helene , ihre großen Augen forschend auf Oswald ' s Gesicht heftend . Ich will nicht durch eine lange Einleitung die kostbaren Augenblicke , in denen ich ungestört mit Ihnen sprechen kann , verlieren ; sagte Oswald . Diesen Brief hier , dessen Aufschrift von Ihrer Hand ist , der Ihnen also ohne Zweifel gehört , hat Bruno vorgestern Abend gefunden , an der Kapelle , unmittelbar nach einer Unterredung , welche die Frau Baronin mit Baron Felix über Familienangelegenheiten auf derselben Stelle gehabt hatte , und die Bruno , der sich zufällig in der Kapelle befand , mit anzuhören nicht umhin konnte . Er hat mich gebeten , Ihnen Ihr Eigenthum wieder zuzustellen . Ich brauche Ihnen nicht zu sagen , daß es von dem Augenblick an , wo es in Bruno ' s Hände gelangte , heilig gehalten worden ist . Helenens Verwirrung war mit jedem Worte , das Oswald sprach , größer geworden . Purpurgluth wechselte auf ihrem schönen Angesicht mit einer geisterhaften Blässe . Ihr Busen wogte ; ihre Hand zitterte , als sie den Brief , den ihr der junge Mann überreichte , und auf den sie nur einen Blick zu werfen brauchte , um ihn als denselben zu erkennen , den sie gestern Morgen an Mary Burton geschrieben hatte , entgegennahm . Entsetzen über den schwarzen Verrath , den man an ihr geübt ; jungfräuliche Scham , ihre innersten , geheimsten Gedanken schonungslos profanirt zu sehen ; der Unwille , daß Jemand , er sei wer er sei , erfahren habe , wie sie von den Ihrigen , von ihrer eigenen Mutter schmachvoll behandelt worden sei - Alles stürmte auf sie ein , wie ein Orkan , vor dessen Gewalt jeder Widerstand vergeblich ist . Und dies letzte Gefühl des beleidigten Stolzes fand zuerst einen Ausdruck . Ich danke Ihnen , sagte sie , sich zu ihrer ganzen stattlichen Höhe emporrichtend , für Ihren Eifer , mir zu dienen . Indessen , Sie und Bruno haben der Sache , wie es scheint , ein weit größeres Gewicht beigelegt , als sie in der That verdient . Ich habe diesen Brief , weil Einiges darin stand , was ich nach reiflicher Ueberlegung nicht gutheißen konnte , geflissentlich nicht abgehen lassen ; ich werde ihn aus der Tasche verloren haben . Ich erinnere mich , daß ich gestern Abend in der Nähe der Kapelle war ; ich - Weiter vermochte sie nicht zu sprechen ; die Thränen , die sie so lange zurückgehalten , brachen gewaltsam hervor , und rollten über ihre Wangen . Sie wandte sich ab , sie fühlte , daß sie sich nicht länger würde beherrschen können , und winkte Oswald mit der Hand , sie allein zu lassen . Oswald war vielleicht nicht weniger außer sich , als Helene . Seine Liebe zu dem schönen , stolzen Mädchen , für das er so freudig sein Leben hingegeben hätte und von dem er jetzt so verkannt zu werden fürchten mußte , wogte wie ein frei gewordener Quell in ihm empor , und erfüllte seine Brust bis zum Zerspringen . Er hätte ihr zu Füßen stürzen , ihr Alles , Alles , was er so lange vor ihr verborgen , gestehen mögen ; aber er bezwang sich und sagte so ruhig wie er vermochte : Ich versichere Sie , mein Fräulein , daß diese Scene Ihnen kaum peinlicher sein kann , als mir selbst , und daß ich dieselbe um keinen Preis herbeigeführt haben würde , wenn mir Bruno ' s fieberhafte Ungeduld , die ich durch eine Weigerung zu steigern fürchten mußte , eine Wahl gelassen hätte . Es ist mir schmerzlich , sehr schmerzlich , von Ihnen verkannt zu werden ; ich ahnte es gleich , daß es Ihnen unmöglich sein würde , den Boten von seiner Botschaft zu trennen . Er verbeugte sich vor dem noch immer weinenden Mädchen , und wandte sich , zu gehen . Nein , nein ! rief sie , wie , um ihn zurückzuhalten , die Hand nach ihm ausstreckend ; Sie dürfen so nicht gehen . Mögen es Die verantworten , welche mich zum Aeußersten getrieben haben , wenn ich die Ehre meiner Familie , die Ehre der Meinigen preisgeben muß . Ja , Sie haben mir einen Dienst geleistet , einen großen Dienst . Dieser Brief ist nur durch Verrath in die Hände derer gekommen , die ihren Raub so schlecht zu bewahren verstanden . Dieser Brief trennt mich auf immer von den Meinigen ; er soll mich nicht auch von Bruno trennen , den ich so herzlich liebe , von Ihnen , der Sie stets so gut und freundlich zu mir gewesen sind . Ich habe Sie immer für einen Freund gehalten , Sie immer hoch geschätzt und geehrt - wie hoch , das möge Ihnen dieser Brief selbst beweisen . Lesen sie ihn ! Wenn alle Welt weiß , wie ich über Sie denke , so dürfen Sie es am Ende ja wohl auch wissen . Und das junge Mädchen reichte Oswald den Brief hin . Ihr Antlitz glühte , aber nicht mehr vor Zorn und Scham . Ihre dunkeln Augen leuchteten , aber wie einer Heldin , die sich für eine heilige Sache zu opfern im Begriff steht . Lesen Sie nur ! sagte sie mit einem eigenthümlichen Lächeln , als Oswald sie ungläubig anstarrte ; fürchten Sie nicht , daß es mich