sagte mir endlich auch von der Reise nach der Kirche , von welcher Eustach gesprochen hatte , und lud mich zu derselben ein . Ich nahm die Einladung an . Wir fuhren eines Morgens von dem Asperhofe fort , mein Gastfreund , Eustach , Gustav und ich . Gustav wird , wie mir mein Gastfreund sagte , auf jede kleinere Reise von ihm mitgenommen . Wenn dies bei ausgedehnteren Reisen nicht der Fall sein kann , so wird er zu seiner Mutter in den Sternenhof gebracht . Wir kamen erst am zweiten Tage bei der Kirche an . Roland , welcher von unserer Ankunft unterrichtet gewesen war , erwartete uns dort . Die Kirche war ein Gebäude im altdeutschen Sinn . Sie stammte , wie meine Freunde versicherten , aus dem vierzehnten Jahrhunderte her . Die Gemeinde war nicht groß und nicht besonders wohlhabend . Die letztvergangenen Jahrhunderte hatten an dieser Kirche viel verschuldet . Man hatte Fenster zumauern lassen , entweder ganz oder zum Teile , man hatte aus den Nischen der Säulen die Steinbilder entfernt , und hatte hölzerne , die vergoldet und gemalt waren , an ihre Stelle gebracht . Weil aber diese größer waren als ihre Vorgänger , so hat man die Stellen , an die sie kommen sollten , häufig ausgebrochen und die früheren Überdächer mit ihren Verzierungen weggeschlagen . Auch ist das Innere der ganzen Kirche mit bunten Farben bemalt worden . Als dieses in dem Laufe der Jahre auch wieder schadhaft wurde und sich Ausbesserungsarbeiten an der Kirche als dringlich notwendig erwiesen , gab sich auch kund , daß die Mittel dazu schwer aufzubringen sein würden . Die Gemeinde geriet beinahe über den Umfang der Arbeiten , die vorzunehmen wären , in großen Hader . Offenbar waren in früheren Zeiten reiche und mächtige Wohltäter gewesen , welche die Kirche hervorgerufen und erhalten hatten . In der Nähe stehen noch die Trümmer der Schlösser , in denen jene wohlhabenden Geschlechter gehaust hatten . Jetzt steht die Kirche allein als erhaltenes Denkmal jener Zeit auf dem Hügel , einige in neuerer Zeit erbaute Häuser stehen um sie herum , und rings liegt die Gemeinde in den in dem Hügellande zerstreuten Gehöften . Die Besitzer der Schloßruinen wohnen in weit entfernten Gegenden und haben , da sie ganz anderen Geschlechtern angehören , entweder nie eine Liebe zu der einsamen Kirche gehabt , oder haben sie verloren . Der Pfarrer , ein schlichter , frommer Mann , der zwar keine tiefen Kenntnisse der Kunst hatte , aber seit Jahren an den Anblick seiner Kirche gewöhnt war und sie , da sie zu verfallen begann , wieder gerne in einem so guten Zustande gesehen hätte , als nur möglich ist , schlug alle Wege ein , zu seinem Ziele zu gelangen , die ihm nur immer in den Sinn kamen . Er sammelte auch Gaben . Auf letztem Wege kam er zu meinem Gastfreunde . Dieser nahm Anteil an der Kirche , die er unter seinen Zeichnungen hatte , reiste selber hin und besah sie . Er versprach , daß er , wenn man seinen Plan zur Wiederherstellung der Kirche billige und annehme , alle Kosten der Arbeit , die über den bereits vorhandenen Vorrat hinausreichen , tragen und die Arbeit in einer gewissen Zahl von Jahren beendigen werde . Der Plan wurde ausgearbeitet und von allen , welche in der Angelegenheit etwas zu sprechen hatten , genehmigt , nachdem der Pfarrer schon vorher , ohne ihn gesehen zu haben , sehr für ihn gedankt und sich überall eifrig für seine Annahme verwendet hatte . Es wurde dann zur Ausführung geschritten , und in dieser Ausführung war mein Gastfreund begriffen . Die Füllmauern in den Fenstern wurden vorsichtig weggebrochen , daß man keine der Verzierungen , welche in Mörtel und Ziegeln begraben waren , beschädige , und dann wurden Glasscheiben in der Art der noch erhaltenen in die ausgebrochenen Fenster eingesetzt . Die hölzernen Bilder von Heiligen wurden aus der Kirche entfernt , die Nischen wurden in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt . Wo man unter dem Dache der Kirche oder in anderen Räumen die alten schlanken Gestalten der Heiligenbilder wieder finden konnte , wurden sie , wenn sie beschädigt waren , ergänzt und an ihre mutmaßlichen Stellen gesetzt . Für welche Nischen man keine Standbilder auffinden konnte , die wurden leer gelassen . Man hielt es für besser , daß sie in diesem Zustande verharren , als daß man eins der hölzernen Bilder , welche zu der Bauart der Kirche nicht paßten , in ihnen zurückgelassen hätte . Freilich wäre die Verfertigung von neuen Standbildern das Zweckmäßigste gewesen ; allein das war nicht in den Plan der Wiederherstellung aufgenommen worden , weil es über die zu diesem Werke verfügbaren Kräfte meines Gastfreundes ging . Alle Nischen aber , auch die leeren , wurden , wenn Beschädigungen an ihnen vorkamen , in guten Stand gesetzt . Die Überdächer über ihnen wurden mit ihren Verzierungen wieder hergestellt . Zu der Übertünchung des Innern der Kirche war ein Plan entworfen worden , nach welchem die Farbe jener Teile , die nicht Stein waren , so unbestimmt gehalten werden sollte , daß ihr Anblick dem eines bloßen Stoffes am ähnlichsten wäre . Die Gewölbrippen , deren Stein nicht mit Farbe bestrichen war , so wie alles andere von Stein wurde unberührt gelassen und sollte mit seiner bloß stofflichen Oberfläche wirken . Die Gerüste zu der Übertünchung waren bereits dort geschlagen , wo man mit Leitern nicht auslangen konnte . Freilich wäre in der Kirche noch vieles andere zu verbessern gewesen . Man hatte den alten Chor verkleidet und ganz neue Mauern zu einer Emporkirche aufgeführt , man hatte ein Seitenkapellchen im neuesten Sinne hinzugefügt , und es war ein Teil der Wand des Nebenschiffes ausgenommen worden , um eine Vertiefung zu mauern , in welche ein neuer Seitenaltar zu stehen kam . Alle diese Fehler konnten wegen Unzulänglichkeit der Mittel nicht verbessert werden . Der Hauptaltar in altdeutscher Art war geblieben