, als die Geheimräthin langsam nach der Thür sich entfernte . Sie wandte sich noch einmal um : » Noch eins , was ich von Dir fordern kann . Wir sind nun einmal an einander gekettet . Wir müssen es tragen bis der Zufall die Kette zerreißt . Hüte Dich vor jedem Impuls . Wenn Du etwa auf die Straße stürztest - echauffirt , halbnackt , wie damals - Du verstehst mich - würde es an mitleidigen Seelen nicht fehlen , die Dich wieder aufnähmen . Auch in Sammet und Seide würden sie Dich kleiden , aber nicht aus Liebe zu Dir , nur aus Feindschaft gegen mich , mir einen Possen zu spielen . Nimm Deine ganze Vernunft zusammen , Adelheid . Mir spielten sie den Possen , aber Du müsstest zuletzt doch bezahlen . Wer so oft eine Rolle spielt und mit sich spielen lässt , hat den Kredit verloren . « Die Thür klinkte hinter ihr zu . Adelheid stand eine Weile regungslos : » Das Weib ! das Weib ! « rief sie . » Das Weib vergiftet mich ! « und warf sich schluchzend auf das Bett . Neunundvierzigstes Kapitel . Auch Vater und Sohn . Wenige Minuten nach dieser Scene erhielt Walter van Asten ein Billet von seiner Braut , so geeignet ihn aus seiner Ruhe aufzureißen , als es von Adelheids äußerster Unruhe Zeugniß ablegte . Er erkannte in den wild hingesprühten Worten seine besonnene , klare Freundin nicht wieder . Er verstand das ganze Bittet nicht , denn zu Anfang sprach es von einem Abgrunde , an dem sie schaudernd stünde , sie strecke vergebens die Arme nach Hülfe aus , dann entzifferte er in den von Thränen ausgelöschten Worten , daß er sie retten könne , aber die Schlußworte widerriefen das Vorangehende . Sie sei in einem Fieberzustand , er möge nicht auf sie hören , sie lassen wo sie sei , sich selbst ihrem Schicksal überlassen . Wenn sie unterginge , sei es vielleicht das Beste für ihn und sie . Gewiß , gewiß , sie werde sich auch dann erholen , die Geheimräthin habe sie nur prüfen wollen , hinter dieser Medusenmaske schlüge vielleicht ein gefühlvolles Herz . Sie drang in ihn endlich , nicht zu kommen , sich durch nichts stören zu lassen , was er höre . - Wenn sie das gewollt , warum nur die Nachschrift ? Warum hatte sie den Brief nicht zerrissen , einen neuen geschrieben , oder die Absendung ganz unterlassen ? Sie befand sich also in einer Aufregung , welche ihr die Besinnung geraubt , und in diesem Zustande hatte ihr Herz nach ihm verlangt . An ihn hatte sie zuerst gedacht , als sie nach Rettung aufschrie . Die Resignation war erst nachher gekommen . Er war aufgesprungen , sein Entschluß gefasst , nur ihrem ersten Willen zu gehorchen , und eben hatte er den Ueberrock vom Nagel gerissen , als ein zweites Billet von unbekannter Hand ihm überbracht ward . Der Bote war verschwunden , das Wirthsmädchen hatte nicht nach dem Absender gefragt , und der unterzeichnete Name , als er es aufgerissen , war ihm fremd . Jemand , der sich einen Sekretär des neuen Ministers nannte , forderte ihn auf , sich morgen in einer Frühstunde bei demselben melden zu lassen , indem Se . Excellenz ihn kennen zu lernen wünsche . Auch hier ein Postscript des Inhalts , daß der Minister bereit sei , ihn schon heute Nachmittag zu empfangen . Die Stunde war benannt , und Walter hätte eben nur Zeit gehabt , seine Toilette darnach einzurichten , wenn er der letztern Weisung , die fast wie ein Befehl klang , Folge leisten wollen . Was wollte der Minister von ihm ? - Natürlich ! er hatte seine Schrift gelesen , seine Ansichten hatten ihn angesprochen , er wollte mit dem Verfasser - » Endlich ! « brach es von seinen Lippen , und seine Stirn klärte sich auf , aber der Glanz verschwand schnell wieder . Nach so vielen Enttäuschungen vielleicht eine neue ! Hatte ihm nicht ein ängstlicher Freund aus der Schulzeit zugeflüstert , daß er aus höheren Kreisen gehört , wie man seine Vorschläge für naseweis halte , daß seine Anmaßung eigentlich eine Rüge verdiene ? Und bedurfte es für ihn solcher Zuflüsterung , nach der eigenen Erfahrung , die er bei einem befreundeten Minister gemacht ? Zwar , nach seinem Ruf im Publikum , war er den neuen Ideen zugänglich , er hege selbst großartige Pläne , aber er sei eigensinnig , hieß es , dringe damit nicht durch , darum verdrießlich , und jetzt so gut wie ohne Einfluß . Auch er mochte ihn nur warnen wollen . Aus dem Zweifel , ob er den Ueberrock oder den Frack anziehen solle , riß ihn ein neues Klopfen , eine neue Ueberraschung Sein Vater trat in die Stube . Er war noch nie hier gewesen , aber auf seinem Gesicht ersah man nichts von der Verwunderung , welche sich auf dem des Sohnes ausdrückte , weder eine freudige , noch eine betrübte . Er reichte dem jungen Manne die Hand : » Ich muß doch auch mal sehen , wie ' s Dir geht , « und setzte sich , » wie ermüdet vom Wege , auf einen Sessel . « » Ein unerwarteter Besuch , mein Vater . « » Da Du nicht zu mir kommst , um zu sehen , wie ' s bei mir aussieht , muß ich zu Dir kommen , um zu sehen , wie ' s bei Dir aussieht . Wir kommen ja sonst ganz auseinander . « » Das habe ich nie gefürchtet , und Ihr Besuch bestätigt meinen Glauben , « sagte Walter , während der Vater seinen Blick flüchtig umher schweifen ließ . » Nu das ist ja alles recht hübsch ordentlich . Deine Lektionen müssen Dir auch schon was Erkleckliches eintragen , freilich , und die Schriftstellerei auch . Um wen man