sich noch ein Mal aufraffen zu wollen ; - plötzlich brach er zusammen . Leblos stürzte er zu Franziska ' s Füßen . » Uebergebt dies Ungeheuer den Gerichten ! « rief die Marschallin - » säubert die Luft von dieser Pest ! « Graf d ' Aubaine schwieg ; Souvré befahl , den Verbrecher aus dem Schlosse zu bringen . » Vater , « rief Franziska , » er ist dennoch der Mörder nicht ! « Zornig fuhr der Graf auf . Er befahl ihr , augenblicklich sich hinweg zu begeben . Alle Frauen wurden von seinen Worten erschreckt . Selbst die Marschallin ließ sich hinweg führen ; nur Franziska blieb , als habe sie nichts gehört , neben ihrem Vater stehen ; und als er dies sanfte , folgsame Kind so sicheren Widerspruch mit so festem Vertrauen gegen ihn behaupten sah , wendete er sich sanft und gerührt zu ihr , indem er seine Hand auf ihr kaltes , entstelltes Gesicht legte : » Vertraue mir , Frauziska , und zeige Dich fest und würdig ; auch ich glaube nicht , daß er der Mörder ist , und werde ihn danach behandeln ! « O , welch ein Blick herzzerschlagener Ergebung traf ihn da aus ihren trüben Augen ! Nach einigen vergeblichen Versuchen zu sprechen , lallte sie endlich : » Denn er ist krank , Vater - und von Sinnen ! « » Ja , ja , mein Kind ! Geh ' jetzt - auch Du bist krank . « - Diese Worte vollendeten den Zustand , der nur bis dahin von der Seelenangst bewältigt war ; sie schloß die Augen ; ihre Frauen trugen sie nach ihrem Zimmer . - Der Graf d ' Aubaine stand als Hausherr in dem wild kreisenden Strudel von Anforderungen , die , einem so entsetzlichen Ereignisse gemäß , alle eine leidenschaftliche Uebertreibung zeigten , die ihn zwar nur zufällig , aber dennoch unabweislich in den verschiedensten Richtungen , zu Entscheidungen nöthigte , da er sich , wenn auch selbst tief getroffen , doch für den Besonnensten , den Absichtslosesten erkennen mußte . Es kam in diesen ersten , unbewachten Augenblicken dabei Manches zur Kenntniß des Grafen , was ihn überraschte und seine Vorsicht und Beobachtung schärfte . Die Marschallin machte so heftige körperliche und geistige Zustände in Zeit von vierundzwanzig Stunden durch , daß der Zügel der Selbstbeherrschung , den sie sonst nie aus der Hand verlor , kein Bändiger ihrer so jäh aufgestörten Leidenschaften war , und Graf d ' Aubaine hatte bei aller Theilnahme doch mit Widerwillen einen bösen Sinn , ein mehr rachsüchtiges , als kummervolles Herz erkannt . Durch diesen Eindruck ward es ihm auch leichter , dem Marquis de Souvré zu begegnen , der , umsichtiger als die Marschallin , den Grafen zu übersehen glaubte und seine Schritte seinem Willen gemäß zu lenken hoffte . - Die Marschallin war nämlich mit sich einig geworden , diesen Mord so öffentlich , als möglich zu machen , um dadurch einen unauslöschlichen Makel auf Reginald zu werfen , der ihm vielleicht das Leben kosten konnte - wenn nicht , doch den bürgerlichen Tod unbezweifelt bereiten mußte . Sie glaubte , eine solche Schranke um so nöthiger aufführen zu müssen , da sie ihn von seiner Geburt unterrichtet halten mußte , diesen Mord als eine Folge ansah , und in der Schwäche seines Vaters eine wahrscheinliche Gefahr ahnte , daß die Zeit seine bedrohlichen Ansprüche noch dereinst ans Licht ziehen könnte . Dazu war sie aber ohne den kleinsten Zweifel entschlossen , lieber den berühmten Namen Crecy-Chabanne aussterben zu sehen , als ihn in diesem durch seine Mutter ihr entehrt scheinenden Abkömmling fortbestehen zu sehen . Diese Ansprüche jedoch überhaupt als leere Erfindungen zu läugnen , ihre geringste Kenntniß derselben wenigstens bestimmt abzuweisen , und dadurch auch ihre Berechtigung in Zweifel zu stellen , wenn sie ihr je bis zu Erklärungen nahe gerückt würden , war die vorläufige Richtung , die sie ihren Gedanken gegeben hatte , nachdem die maaßlose Aufregung der ersten Stunden von ihrer Geisteskraft wieder eingefangen war . Es blieb ihr ein großer Trost , daß der Graf d ' Aubaine die Aeußerungen Reginald ' s , die , bei dem ersten Zusammentreffen mit der Marschallin , auf seine Geburtsansprüche hingewiesen hatten , entweder überhört , oder auf die Rechnung des Wahnsinnes geschoben hatte , von dem er ihm ergriffen geschienen . Sie schonte ihn dagegen eben so , indem sie ihm keine Frage über Franziska that , die aus dem trüben Kreise der Hausbewohner verschwunden war . Dagegen hatten ihre raschen Schritte nach Außen hin den Widerstand des Grafen zu erfahren , indem er mit mehr Scharfblick , als sie ihm zugetraut , die traurige Weitläufigkeit eines Prozesses darthat , der , fast zwecklos , nur mehr Leiden herbeiführen mußte und kaum eine so bestimmte Entscheidung erwarten ließ , daß die traurige Thatsache außer Zweifel hervortreten werde . Aber die Marschallin hatte Gründe , diesen Prozeß herbeizuführen , die sie aber nicht aussprechen durfte ; und der Graf d ' Aubaine hatte für diese Oeffentlichkeit Befürchtungen , die er verschwieg , weil sie sein eigenes Interesse berührten und die in der Möglichkeit beruhten , daß bei der dem Richter zustehenden Erforschung der Gründe , die dem Angeklagten zur Last fallen müßten , seine Tochter erwähnt werden könnte ; da er selbst die Liebe der beiden jungen Leute , die sich in einem Gegenstande begegnet war , heimlich als ein wahrscheinliches Motiv dieser entsetzlichen Katastrophe ansah . Da Beide so mit verdeckten Karten gegen einander spielten , mußte nothwendig die Marschallin gewinnen ; denn sie hatte schlagendere Wendungen zu machen - und sie versäumte keine ! - Der Courier war abgesendet , der zugleich dem unglücklichen , wenig geschonten Vater die Meldung des Todes , mit der Bezeichnung Reginald ' s als Mörder , machte und eine Anzeige anbefahl , die den Kriminal-Hof von Paris zur gerichtlichen Einmischung aufforderte . Bei allen diesen raschen und gebieterischen